War der Tod vermeidbar? (zum tödlichen Unfall in Gaustadt am 31. Januar)

Zwar kann nach den bisherigen Veröffentlichungen nicht ausgeschlossen werden, daß der 81-jährige Fußgänger einen Fehler begangen hat. Doch auch in diesem Fall hätte es nicht zum tödlich (!) verlaufenen Unfall kommen müssen...
Zwar kann nach den bisherigen Veröffentlichungen nicht ausgeschlossen werden, daß der 81-jährige Fußgänger einen Fehler begangen hat. Doch auch in diesem Fall hätte es nicht zum tödlich (!) verlaufenen Unfall kommen müssen.

„Es darf nur so schnell gefahren werden, dass innerhalb der übersehbaren Strecke gehalten werden kann. ... Wer ein Fahrzeug führt, muss sich gegenüber Kindern, hilfsbedürftigen und älteren Menschen, insbesondere durch Verminderung der Fahrgeschwindigkeit und durch Bremsbereitschaft, so verhalten, dass eine Gefährdung dieser Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt auch unter günstigsten Umständen innerhalb geschlossener Ortschaften für alle Kraftfahrzeuge 50 km/h, ...“, gibt die Straßenverkehrs-Ordnung in §3 (Geschwindigkeit) vor.

Vor einigen Jahren wurde auf Klage eines Anwohners einer Seitenstraße die bis dahin geltende Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h auf der Gaustadter Hauptstraße gekippt. Wenige Sekunden Zeitgewinn erschienen dem Kläger wichtiger als die Verkehrssicherheit. Geradezu zynisch klingt im Nachhinein der Tenor der Urteilsbegründung: Da hier jedem Kraftfahrer einsichtig sei, daß schnelleres Fahren die Verkehrssicherheit gefährde, bedürfe es der Anordnung des Limits nicht. Nur: Ohne die Anordnung kann die Ahndung erst nach einem Unfall erfolgen, wenn es also zu spät ist.

An der Stelle, an der ein Pkw von 30 km/h bis zum Stillstand abgebremst ist, setzt aus 50 km/h der Bremsvorgang erst ein (Reaktionsweg), ist das Fahrzeug noch ungebremst. Bei einem Aufprall auf einen Pkw mit 30 km/h überlebt beinahe jeder Fußgänger, bei 50 km/h kaum jemand.

Den Lichtbildern zu Folge ist das Unfallopfer mit erheblicher Wucht auf die Windschutzscheibe aufgeschlagen. Das spricht nicht für eine verhaltene Fahrgeschwindigkeit.

Es ist allerhöchste Zeit, daß 30 km/h zur innerörtlichen Regelhöchstgeschwindigkeit erklärt wird - mit Ausnahmen ausschließlich an solchen Straßen, deren Verkehrsbedeutung es erfordert und (!) deren Ausbaustandard und angrenzende Nutzungen es zulassen. Der Verkehr ist an den Menschen anzupassen, nicht umgekehrt.
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