Bamberg

Unfallursache?

Die Druckausgabe des Fränkischen Tags berichtet heute über einen Fahrradunfall bei Lichteneiche. Zwei Radlerinnen, die sich auf dem Radweg entlang der Staatsstraße begegneten, hätten sich während der Vorbeifahrt touchiert...
Die Druckausgabe des Fränkischen Tags berichtet heute über einen Fahrradunfall bei Lichteneiche. Zwei Radlerinnen, die sich auf dem Radweg entlang der Staatsstraße begegneten, hätten sich während der Vorbeifahrt touchiert. Besonders wird betont, daß eines der Räder nicht beleuchtet gewesen sei.

Der wohl seitens der Polizei initiierte Bericht suggeriert - zumindest dem ortsunkundigen Leser - zweierlei: Eine der Unfallbeteiligten wäre als Geisterradlerin auf dem linksseitigen Radweg unterwegs gewesen. Und das Fehlen der Fahrzeugbeleuchtung hätte maßgeblich zum Unfall beigetragen.

Tatsächlich ist kaum vorstellbar, daß zum fraglichen Zeitpunkt die Sicht dermaßen schlecht gewesen sein soll, daß fehlende Erkennbarkeit die Kollision verursacht haben könnte. Zudem ist der Radweg tatsächlich ein gemeinsamer Geh- und Radweg mit angeordneter Benutzungspflicht für beide Richtungen - warum wird das nicht erwähnt?

Benutzungspflicht auf Radwegen darf nur angeordnet werden, wenn sie eine das normale Maß erheblich übersteigende Gefahrenlage entschärft. Selbst, wenn die (nachzuweisende!) Gefahrenlage gegeben ist, muß der Radweg zwingend vorgegebene Qualitätskriterien erfüllen: Verträglichkeit mit dem fußläufigen Verkehr, ausreichender Querschnitt, sichere Linienführung, Hindernisfreiheit und anderes mehr.

Der fragliche Weg ist an Einmündungen z. T. hochgradig gefährdend geführt. Die Verschwenkung weg von der parallelen Fahrbahn suggeriert aus dieser abbiegenden Kraftfahrern, auch der Radler böge ab. Der aber vertraut auf sein Vorfahrtrecht bei Überquerung der Seitenstraße, während die erzwungene Kurvenfahrt die Beobachtung des (eigentlich wartepflichtigen) Kraftfahrzeugverkehrs erschwert.

Der Weg hat nicht einmal die Regelbreite, die für benutzungspflichtige Einrichtungsradwege vorgesehen ist. Dennoch soll er Zweirichtungsverkehr aufnehmen, und zwar gemischt mit Fußgängern. Es ist offenkundig, daß die Anordnung der Benutzungspflicht nicht zulässig ist und, was die Unfallforschung der Versicherungswirtschaft bestätigt, die nicht regelkonforme Wegegestaltung Unfälle zumindest begünstigt, wenn nicht gar provoziert.

Doch den Wegezustand als möglicherweise unfallverursachend zu bewerten, darf in der Region Bamberg offenkundig nicht sein. Denn dann müßte hinterfragt werden, aus welchem Grund Radfahrern die Benutzung der Straße, nach StVO der gewollte Normalfall (siehe auch Rechtsprechung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs!), untersagt werden soll. Zeigen wir der Welt, daß in Deutschland die Autofahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen von Radfahrern freie Fahrt haben, hatte das zuständige Verkehrsministerium die vor rund achtzig Jahren eingeführte Radwegbenutzungspflicht begründet.

Die Sicherheit des Radverkehrs diente später lediglich als nachgeschobene Begründung. Seit nunmehr 17 Jahren entspricht die Rechtslage der fachlichen Erkenntnis: In der Regel erhöhen Radwege das Unfallrisiko erheblich. Benutzungspflicht anzuordnen, bedarf daher einer belastbaren Rechtfertigung. Doch das interessiert die meisten Verkehrsbehörden wenig. Gleiches gilt für die Polizei.