Bamberg

Trinkt nicht so viel – oder lächelt zumindest dabei!

In Bamberg herrscht Alkoholkonsumverbot. Auf Grünflächen, in der Innenstadt, der Sandstraße, der Unteren Brücke und vielleicht noch sonst wo. Versteckt wurden diese Verbote schön verteilt auf mindestens 3 Satzungen der Stadt...
In Bamberg herrscht Alkoholkonsumverbot. Auf Grünflächen, in der Innenstadt, der Sandstraße, der Unteren Brücke und vielleicht noch sonst wo. Versteckt wurden diese Verbote schön verteilt auf mindestens 3 Satzungen der Stadt. Wusstest du nicht? Weiß keiner. Hinweisschilder braucht es auch nicht! Zumindest kann man auf infranken.de lesen:

Zitat von Lienhardt, Anna (infranken.de)
Wären vielleicht Hinweisschilder eine Lösung? “Wir wollen nicht – wie in Weimar – die Fußgängerzone mit Verbotsschildern zupflastern”, sagt Christine Feldbauer vom Ordnungsamt. Eigentlich sei jeder Bamberger verpflichtet, sich selbst zu informieren. Damit das in Zukunft etwas einfacher gehe, habe die Stadt Bamberg auf ihrer Internetseite ganz unten rechts eine direkte Verknüpfung zum “Ortsrecht” hergestellt. Dort seien alle Satzungen zu finden.


Alles klar soweit? Ab sofort gilt: bevor ihr nur einen einen Fuß in die Stadt setzt, schnell noch auf die Webseite schauen. Vielleicht wird ja in irgend einer Satzung das zu schnelle Laufen verboten oder das Konsumieren von Knoblauch. Dann könnte der nächste Döner sehr, sehr teuer werden!

Spaß beiseite: Ich habe mich mit dem Thema schon vor ein paar Wochen beschäftigt und – mal wieder – eine Informationsfreiheitsanfrage an die Stadt gestellt. Ich wollte wissen: Wie viele Leute bekommen denn ein Ordnungsgeld, wie alt sind die Personen und wie viel müssen sie bezahlen?

Und vor ein paar Tagen habe ich auch eine Antwort erhalten und konnte sehen: Gerade mal 87 Fälle gibt es im Jahr. Und nicht das übliche Feindbild von saufenden, grölenden Studenten wird mit Ordnungsmaßnahmen bedacht. Das Durschnittsalter der Betroffenen ist 43, betroffen ist hauptsächlich die Altersgruppe von 40-60.

Anhand der Daten könnte man vermuten, dass das Alkoholkonsumverbot in der Realität dazu verwendet wird, Obdachlose zu verjagen. Oder aber hat sich trotz aller Schimpferei über die feiernden Studenten wirklich eher die ältere Generation nicht im Griff und benimmt sich in der Innenstadt so daneben, dass die Polizei mit dem Trick der Ordnungsmaßnahmen wegen Alkoholkonsum versucht, für Ruhe zu sorgen.

So genau weiß man es nicht, die Zahlen sprechen aber eine klare Sprache: Das Verbot braucht es nicht. Die Tatsache, dass die Stadt keine Schilder aufhängt und der Alkoholkonsum in der Stadt auch offenkundig geduldet wird – man gehe nur an einem beliebigen Tag durch die Sandstraße oder über die Untere Brücke – zeigt auch, dass das Verbot nicht der Minimierung des Alkoholkonsums dient, sondern nur selektiv angewendet wird gegen Menschen, die einfach nicht so ganz in das Stadtbild einer lebendigen Studenten-Touristen-Stadt passen.

Von daher: Trinkt in der Öffentlichkeit nicht so viel oder lächelt dabei! Lächeln und winken. Dem Stadtbild zuliebe.