Kronach (bu) Über drei Millionen Euro Gewinn hat die Helios Frankenwaldklinik Kronach im letzten Jahr eingefahren. Und das trotz sinkender Fallzahlen und den Belastungen aus der Coronapandemie. Und gerade die Coronapandemie ist es, die den Beschäftigten in der Klinik alles abverlangt. Ein erhöhtes Infektionsrisiko, die Kompensation von Krankheitsausfällen im zweistelligen Prozentbereich und die Belastung durch das permanente Tragen von Schutzausrüstung und FFP-2-Masken lassen das Klinikpersonal an ihre Grenzen geraten.

„Über drei Millionen Euro Gewinn – und die Beschäftigten der Klinik sollen mit einem Prozent Lohnerhöhung für 2020 abgespeist werden“, so die verhandlungsführende Gewerkschafterin Kathrin Weidenfelder von der Vereinten Dienstleistungsgesellschaft verdi. Kathrin Weidenfelder weiter: „Ein solches Angebot ist eine Schande, zumal Helios/Fresenius erneut eine üppige Ausschüttung der Dividende an die Aktionäre angekündigt hat.“

Verdi fordert für die Beschäftigten der Helios Frankenwaldklinik Kronach rückwirkend zum 1. Oktober 2020 eine Gehaltserhöhung von 2,5 Prozent – mindestens jedoch 80 Euro. So sollen die unteren Einkommensgruppen besonders von einer Tariferhöhung profitieren. Nach Willen der Gewerkschafter sollen die Löhne zum 1. April 2021 um weitere 2,5 Prozent steigen und zum 1. September 2021 soll es eine weitere Erhöhung um 2,0 Prozent geben. Mit diesem Angebot ist verdi der Arbeitgeberseite bereits entgegengekommen. Denn die ursprünglich beabsichtigte Laufzeit von zwölf Monaten wurde um weitere zwölf Monate auf insgesamt zwei Jahre erweitert. Auch bei der Erhöhung der Entgelte für die Auszubildenden in der Krankenpflege gab es keine Einigung. Verdi hat hier in zwei Erhöhungsschritten eine Gehaltserhöhung von jeweils 35 Euro gefordert. 35 Euro für den Nachwuchs in der Pflege ist der Kronacher Helios-Klinik aber zu viel und dies obwohl die Ausbildungskosten vollständig refinanziert werden - sofern diese von den Arbeitgebern bei den Kostenträgern geltend gemacht werden. Eine Erhöhung von zweimal 25 Euro sei aus Arbeitgebersicht mehr als ausreichend. Diese Haltung der Klinikleitung ist für die verdi-Tarifkommission in keinster Weise nachvollziehbar. „Die ganze Welt redet darüber, wie wichtig der Pflegeberuf sei und dass die Attraktivität des Pflegeberufes gesteigert werden muss – nur Helios hat die Zeichen der Zeit offensichtlich nicht erkannt“. Betriebsratsvorsitzender Manfred Burdich hierzu: „Die Arroganz der kommerziellen Klinikkonzerne an dieser Stelle ist ungebrochen!“

Lediglich im Bereich der Eingruppierung der medizintechnischen Assistenten konnte eine Einigung erzielt werden. Die medizinisch-technischen Assistenten in Labor und Radiologie werden künftig in der tariflichen Eingruppierung der Krankenpflege gleichgestellt. Für diese Berufsgruppen ist somit die Basis geschaffen, dass auch hier eine positive Lohnentwicklung für die Zukunft zu erwarten ist. Bei der Angleichung der Eingruppierung für die medizinisch-technischen Angestellten ging es aber weniger ums Geld. Es geht vielmehr um die Anerkennung dieser Berufsgruppe in der Notfallversorgung. Denn ohne Labor und Radiologie ist eine Notfallversorgung des Patienten unmöglich. Die Angleichung in der Eingruppierung für diese Berufsgruppen war somit längst überfällig.