Tante Frieda brummelt wieder

Meine Tante Frieda aus Ebern ist eine rüstige, energische Dame mit roten Pausbäckchen und fährt – trotz ihrer silbergrauen Haare – noch Auto. Mehrmals in der Woche besucht sie uns, so wie kürzlich. Wenn es draußen knattert und tuckert, dann wissen meine Familie und ich, jetzt kommt Tante Frieda mit ...
Foto: NewOpinion3
Meine Tante Frieda aus Ebern ist eine rüstige, energische Dame mit roten Pausbäckchen und fährt – trotz ihrer silbergrauen Haare – noch Auto. Mehrmals in der Woche besucht sie uns, so wie kürzlich. Wenn es draußen knattert und tuckert, dann wissen meine Familie und ich, jetzt kommt Tante Frieda mit ihrem alten VW-Käfer angezuckelt.

Zack, bumm, schon plärrte sie am Gartentor: „Neffe, sag mal, was ist denn das wieder für ein neumodisches Zeug, dieses Mehr..., Mehr..., Mehrdingsbums?“ – „Tante Frieda, worüber sprichst du?“, erkundigte ich mich vorsichtig. Frau und Kinder hatten sich wie immer vorsichtshalber verdünnisiert, so dass ich wieder allein … – ach, lassen wir das.

„Na worüber werde ich wohl plaudern, hä?“, trompetete das gute Tantchen, „über das, was in der Zeitung steht, natürlich. Stell dich doch nicht immer so an, Neffchen.“ – „Na gut, Tante Frieda“, sagte ich, „ja ich hab‘s auch gelesen, dass das Mehrgenerationenhaus dicht macht.“

„Ja genau, das Mehrgeneratorhaus meine ich, du hast es erfasst. Wie heißt das komische Ding genau?“ – „Mehrgenerationenhaus, Tante“, wiederholte ich geduldig, „aber dort warst du ja nie“. – „Na hör‘ mal“, schnappte die Tante, „was soll ich denn dort und wozu soll das überhaupt nützlich sein???“

„Das weiß ich auch nicht, liebe Tante Frieda“, ich war wirklich ahnungslos, „ich glaube, da wohnen halt mehrere Generationen zusammen oder so.“ – „Soso, soso“, hörte sich Tantchen einen Hauch vorwurfsvoll an. „Soso, dazu brauchen wir doch kein Mehrgeneratordingsbumshaus aus Hassfurt, gell?“ – „Nö, ich glaube das auch nicht, wir haben doch schon den Markt der Generationen“, pflichtete ich ihr als treu ergebener Neffe bei, was ich allerdings besser unterlassen hätte, denn Tantchen hakte ein: „Ich brauch doch bloß bei euch einzuziehen, dann machen wir unser eigenes Mehrgeneratordingsbumshaus. – Gell!“

„Iwo, Tantchen, ist doch viel zu neumodisch. Das sagst du doch selber.“ – „Ja, ja“, räumte Tante Frieda ein, „das stimmt schon. Meine ganzen Kartlerinnen wissen nichts von dem Dingsbums. Dem Namen nach müssten sich dort oben in der Kaserne Jung und Alt zumindest treffen. Gemeinsame Angebote und so.“

„Oder zusammen wohnen“, warf ich ein. – „In der Kaserne, überleg mal!“, tippte sich Tante Frieda an die Stirn, „ich bin die einzige in der Kartelrunde, die noch Auto fährt und: noch laufen kann!“ – „Wie sollen die anderen auch nauf kommen?“, fragte ich besorgt. – „Die Stadt müsste eine Seilbahn bauen, hat aber kein Geld“, wusste Tante Frieda und kombinierte folgerichtig: „Ohne Seilbahn kein Mehrgeneratordingsbums.“

Nach einer kleinen, aber wirklich sehr kleinen Pause des kurzen Schweigens trötete Tante Frieda: „Es höcken doch immer die eigenen Altersgenossen zusammen, oder etwa nicht? Da kann doch das Rote Kreuz auch nichts daran machen.“ – „Ja, pffff“, schürzte ich meine Lippen, „ist ja auch nicht Aufgabe des Roten Kreuzes, oder? Eher Kranke transportieren und Wunden verbinden und so Zeug“, bereicherte ich das Gespräch mit meinem Wissen.

„Ja eben“, entfuhr es Tante Frieda, „denk doch ans Untergassen-Lenele, wie die so bös hingefallen ist, hat es geheißen der Krankenwagen ist grad woanders. Da hätte jetzt das Generatorhaus auch nichts mehr genützt, gell.“ – „Nicht wirklich“, war ich ganz Experte, „die Kinder hätten vielleicht einen Arztkoffer gehabt, aber halt nur zum Spielen.“ – „Und die Kinder sind doch keine Ärzte“, ergänzte Tante Frieda unsere Überlegungen. „Nein, nein, das nutzt nichts“, war sie sich sicher.

„Also, was wollt ich denn eigentlich erzählen?“, fragte Tante Frieda. „Keine Ahnung“, meinte ich, worauf die Tante entgegnete: „Du wirst langsam vergesslich, Neffe. Jetzt weiß ich es wieder: Die Bereitschaftspraxis wäre in Ebern gescheiter gewesen als dieser Generationenschnickschnack. Die hätte den Namen Mehrgenerationenhaus wirklich verdient.“ – „Und das muss ich jetzt in die Zeitung setzen?“, fragte ich Tante Frieda. „Na, deswegen bin ich doch gekommen. Auf geht‘s, setz dich hin und setz was auf!“ Spruch‘s und fuhr knatternd zurück nach Hause in die Kufi-Siedlung.


Aus der Tante-Frieda-Reihe:

Wer hat‘s erfunden? - Tante Frieda, die Bereitschaftspraxis und das Eberner Pechrad

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Tante Frieda im Glückstaumel

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