Ebern

Mensabau: der Stadtrat ist gefordert

Am 24. Februar 2015 wird Bürgermeister Hennemann im Artikel „Der Bahndamm wird kein Parkplatz“ zitiert: „Als Stadt allein können wir uns einen solchen Mensabau nicht leisten.“ – Gut, der Kreis mit der Realschule ist aus den Plänen für eine gemeinsame Mensa ausgestiegen...
Foto: NewOpinion3
Am 24. Februar 2015 wird Bürgermeister Hennemann im Artikel „Der Bahndamm wird kein Parkplatz“ zitiert: „Als Stadt allein können wir uns einen solchen Mensabau nicht leisten.“ – Gut, der Kreis mit der Realschule ist aus den Plänen für eine gemeinsame Mensa ausgestiegen. – Aber wo kommt das Geld jetzt her, das vorher angeblich nicht vorhanden gewesen sein soll? Bis zu zwei Millionen?

Zudem war der alte Hallenbad-Standort für einen Mensa-Neubau vorgesehen. Warum soll also das Kujathhaus dran glauben?

Im Beitrag „Kujathhaus weicht neuer Mensa“ (9. Oktober 2015) argumentiert der Stadtrat plötzlich, eine Sanierung der Kujath-Villa „mache keinen Sinn“ mehr. Richtig ist wohl, dass das Kujathhaus für eine Mensa zu klein ist, woran vermutlich auch ein Umbau nichts ändern könnte. Aber muss es deshalb abgerissen werden?

Noch am 24. Februar 2015 wurde der Bevölkerung über die Presse mitgeteilt, das Haus sei „nicht mehr sanierungsfähig“ – augenscheinlich ist man von dieser Sichtweise wieder abgerückt. Denn ein Haus ist wahrscheinlich nur dann nicht mehr sanierungsfähig, wenn es akut einsturzgefährdet ist, so dass sich Bauarbeiter beim Sanieren in Lebensgefahr begeben würden. Oder wenn das Haus schon zur Ruine geworden ist. Beides ist wohl kaum der Fall.

Das Kujathhaus hat immer noch Potenzial, zum Beispiel als Stadtgalerie. Es gegen einen hässlichen, blau-grün bemalten Betonklotz auszutauschen ist die schlechteste aller denkbaren Lösungen. Hier wird die Stadt unbedingt nachbessern müssen.

Schon der Erweiterungsbau des Kindergartens passt sich nicht der Umgebung an. Gestalterisch orientiert sich dieser Bau weder am alten Schulhaus noch am ehemaligen Sommerkindergarten, von der Altstadt ganz zu schweigen. Ein zweites Objekt dieser Art, noch dazu zweigeschossig, verkraftet das Stadtbild nicht.

Bei dem vorgestellten Entwurf handelt es sich um Stadtrandarchitektur. So darf ein Bürogebäude in einem Gewerbegebiet aussehen; die Mensa eines Schulzentrums in Neuperlach darf sich mit spitzen Ellenbogen so aufführen. Für den Charme der historischen Stadtmauer, der einst sogar das Efeu verboten worden ist, würde der einfallslose Betonquader im Industriestil den sicheren Tod bedeuten. Die Stadt insgesamt verlöre mit diesem Kotau vor dem schnöden Mammon an Charakter und Unverwechselbarkeit und würde sich in die Liste jener Orte einreihen, die ihr Ortsbild selbstverschuldet unwiederbringlich ruiniert haben.

Wie unaufgeregt und freundlich schmiegt sich dagegen das Sonderpädagogische Förderzentrum an den Rand der Altstadt. Bescheiden versteckt es seine eigene Größe in sich selbst. Es duckt sich mit seinen flachen Pultdächern fast ehrfurchtsvoll weg und ist, so soll es sein, kein Kontrast zu nichts. Das Gebäude beruft sich – sanft modern – mit viel Holz und roten Dächern auf das, was man in einer Kleinstadt an kleinteiliger Architektur erwarten darf. Was darf die Bürgerschaft jetzt erwarten?

Der Bahndamm wird kein Parkplatz vom 24.02.2015