Meine Liebe zu Oldtimern

Ich wollte mal einen Artikel zu meiner Leidenschaft verfassen, den Oldtimern. Sicher wird es ne Menge Leser finden, die meine Liebe teilen. Ein paar wichtige Aspekte hier zusammengefasst, denn Old- und Youngtimer sind ein gängiges Bild, wenn sich deutsche Autoliebhaber treffen und können von jedem F...
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Foto: Katharina-Wohlert

Ich wollte mal einen Artikel zu meiner Leidenschaft verfassen, den Oldtimern. Sicher wird es ne Menge Leser finden, die meine Liebe teilen. Ein paar wichtige Aspekte hier zusammengefasst, denn Old- und Youngtimer sind ein gängiges Bild, wenn sich deutsche Autoliebhaber treffen und können von jedem Führerscheininhaber gefahren werden. Aber was, wenn das Wunsch-Mobil nicht Opel Ascona heißt, sondern Unimog oder Lanz Bulldog?

Das Auto ist auch in Zeiten der Digitalisierung der Deutschen liebstes Kind. Ganz besonders gilt das für altes Blech, denn Deutschland liebt Oldtimer. Kein Wunder: alte Autos haben meist eine überschaubarere Technik, lassen sich auch von Laien in Schuss halten. Und sie sind mit einem stinknormalen Führerschein fahrbar. Allerdings gibt es auch noch eine andere Gruppe von Menschen: Für die sind „normale“ PKW uninteressant. Ihre Liebhaberfahrzeuge nennen sich Humvee, Unimog, Bulldog oder B12, bringen „etwas“ mehr auf die Waage, sind vielleicht ziemlich langsam, oder schlicht gar kein Auto im herkömmlichen Sinn. Wer sich für solche Vehikel interessiert, muss mehr Vorarbeit leisten, als sich bloß ein passendes Fahrzeug zu kaufen. Was genau, erklärt der folgende Artikel.

1. Die Sache mit dem Gewicht

Zugegeben, Berlins Straßen sind auch schon für normale Autos manchmal abenteuerlich eng. Trotzdem gibt es auch in der Bundeshauptstadt Zeitgenossen, die würden nichts lieber tun, als mit einem gewaltigen Humvee, dem universellen Lastesel der US-Armee, oder dem Universal-Motor-Gerät, kurz UNIMOG, ihre Sonntagsausfahrten zu machen. Prinzipiell kein Problem, denn bei der Bedienung selbst unterscheiden sich solche Großgeräte nicht wirklich von PKW – wohl aber in einem anderen Detail: Dem zulässigen Gesamtgewicht. Das stellt Interessenten vor mehrere Herausforderungen:
Grundsätzlich befähigt einen der normale PKW-Führerschein Klasse B nämlich nur, Autos bis zu einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen zu fahren – das deckt schwere Limousinen ebenso ab wie kleine Transporter. Humvee, Unimog und Co. haben aber in allen Varianten ein wesentlich höheres Gesamtgewicht und dürfen deshalb nicht einfach so mit dem B-Führerschein auf öffentlichen Straßen bewegt werden. Allerdings gibt es zwei Optionen:

1. Ablasten

2. LKW-Führerschein


Das Ablasten ist die kostengünstigere Variante: Dabei muss bei TÜV, Dekra und Co. eine Verringerung des zulässigen Gesamtgewichts beantragt werden. Die Ingenieure bescheinigen dem Fahrzeug dann ohne weitere technische Änderungen ein Gewicht, das unter den erlaubten 3,5 Tonnen liegt. Allerdings hat die Sache mehrere Haken:

• Die Nutzlast verringert sich um den Wert der Ablastung. Das heißt, das Leergewicht kann nur noch um einen geringeren Faktor überschritten werden, die Zuladung wird niedriger

• Das neue eingetragene Gewicht darf nicht geringer als 125% des Leergewichts sein. Im Klartext: Ablasten funktioniert nur bei nicht zu schweren Fahrzeugen

Zudem muss beim Hersteller ein neues Typenschild beantragt werden und dann die zuständige Zulassungsbehörde auch noch ihren Segen erteilen. Aber: Die Ablastung ermöglicht nicht nur das Fahren mit dem Autoführerschein, sondern wirkt sich auch auf die Kfz-Steuer aus: Über 3,5 Tonnen greift nämlich automatisch die LKW-Steuer samt zusätzlichen Aufschlägen, die sich nach Emissions und Fahrgeräuschklassen staffeln. Wird abgelastet, fällt das alles weg, Humvee und Co. werden wie normale Autos besteuert – sofern sie nicht sowieso wegen ihres Alters für ein H-Kennzeichen infrage kommen.

Damit ist die Ablastung die Alternative für alle Liebhaber, die ihr Großfahrzeug nur für gelegentliche Ausfahrten einsetzen wollen. Der andere Weg besteht darin, sich in einer entsprechenden Fahrschule anzumelden und den LKW-Führerschein zu machen. Damit kann das Fahrzeug ohne jegliche Beschränkungen mit vollem Gewicht bewegt werden. Allerdings: Der kostet in Berlin weit über tausend Euro. Zudem muss dann die volle LKW-Steuer berappt werden.

2. Gemächliches Traktor-Tuckern

Nicht wenige erwachsene Berliner spielten während ihrer Kindheit mit Traktormodellen. Andere infizierten sich beim Landurlaub mit dem „Virus Traktor“. Deutschland hat eine vergleichsweise lebendige Szene, die sich der Pflege und dem Fahren von alten Landmaschinen widmet. Aber natürlich wiehert auch hier der deutsche Amtsschimmel. Um es kurz zu machen: In Sachen Traktor gibt es genau zweieinhalb verschiedene Varianten und Möglichkeiten, die vom Fahrzeugmodell selbst abhängen:

• Maschinen, die mit dem normalen B-Führerschein bewegt werden dürfen

• Maschinen, für die ein T-Führerschein erforderlich ist

• Maschinen, die nicht angemeldet werden müssen

Klingt verwirrend: Grundsätzlich verhält es sich nämlich so, dass im Führerschein Klasse B unter anderem auch die Klasse L inkludiert ist – ganz ohne Traktor-Prüfung. Mit dem normalen B dürfen also Traktoren gefahren werden, die nicht schneller als 40 Stundenkilometer fahren können. Aber natürlich hat die Sache einen Haken: Auch dieser Trecker darf kein Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen haben. Damit bleiben unterm Strich ältere Kleintraktoren wie der Holder B12 oder die große Reihe des Lanz Bulldog übrig. Allerdings: Wessen Interesse sich tatsächlich nur in Richtung alter Traktoren bewegt, kann sich hier ohne zusätzlichen Aufwand sofort hinters Steuer setzen und losfahren.
Sobald der Traktor jedoch schneller und/oder schwerer ist, wird ein weiterer Führerschein benötigt, die Klasse T. Diese schlägt zwar auch mit rund tausend Euro zu Buche, ermächtigt dafür aber den Inhaber, praktisch alles zwischen Kleintraktor und riesigem MB-Trac zu fahren.

Doch Deutschland wäre nicht das Land der Gesetze, wenn es nicht noch eine weitere Ausnahme gäbe: Bei den Landmaschinen gibt es nämlich noch sogenannte Einachsschlepper. Das sind „halbe Traktoren“, denn sie bestehen nur aus Motor, einem starren Lenkgestänge und zwei angetriebenen Rädern. In früheren Tagen waren diese Geräte im Berliner Umland auf kleinen bäuerlichen Betrieben sehr beliebt, denn an den Einachser können diverse Werkzeuge wie Pflug oder Fräse, aber auch ein Anhänger gehängt werden. Und letzteres macht dann aus dem Einachsschlepper ein vollwertiges Fahrzeug, das auf die Straße darf – unter bestimmten Umständen:
Solche Einachsschlepper mit Hänger benötigen zwar ebenfalls einen B-Klasse Führerschein, müssen aber nicht angemeldet werden. Es reicht das Mitführen der Betriebserlaubnis – allerdings nur, wenn es sich um sogenannte LuF-Fahrten, kurz für Land- und Forstwirtschaftsfahrten, handelt, bei denen Arbeit und nicht Spaß der Grund der Fahrt ist.

Im Klartext bedeutet das: Wer beispielsweise einen Bungartz FK8 besitzt und mit diesem Grünschnitt von seiner Laube in Zehlendorf zum BSR-Recyclinghof im Hegauer Weg bringen möchte, darf das problemlos tun. Wenn er jedoch mit dem nicht-angemeldeten, gleichen Fahrzeug einen Sonntagsausflug ins Berliner Umland machen will, handelt er gesetzeswidrig, denn das wäre keine LuF-Fahrt.

3. Liebling, ick koof mir nen Panzer

Waren die bisherigen Fahrzeuge noch zumindest halbwegs ziviler Natur und auch für Laien noch in die Großkategorie „Auto“ einzuordnen, gibt es noch eine sehr viel kleinere Gruppe von Liebhabern, denen der Staat es noch viel schwerer macht. Nämlich die, die sich für ausgemustertes militärisches Großgerät interessiert.

Kurzgesagt: Es ist in Deutschland nicht mehr möglich, einen entmilitarisierten Panzer auf einen Privatmensch zuzulassen. Geregelt wird das in §19 Absatz 2a der StVZO. Der besagt nämlich: „Die Betriebserlaubnis für Fahrzeuge, die nach ihrer Bauart speziell für militärische oder polizeiliche Zwecke sowie für Zwecke des Brandschutzes und des Katastrophenschutzes bestimmt sind, bleibt nur so lange wirksam, wie die Fahrzeuge für die Bundeswehr, die Bundespolizei, die Polizei, die Feuerwehr oder den Katastrophenschutz zugelassen oder eingesetzt werden.“

Vor einigen Jahren hatte nämlich ein Sammler von exotischen Fahrzeugen einen Panzer in Köln zugelassen und diesen mit dem Führerschein F (Voll- und Halbkettenfahrzeuge) bewegt. Das gefiel den Gesetzgebern gar nicht und so fügten sie den genannten Absatz ein.

Doch auch ohne Anmeldung wäre ein Privat-Panzer ein teures Vergnügen: Der muss nämlich umfangreich demilitarisiert werden. Dazu gehört unter anderem

• Unbrauchbarmachung und Festschweißen von Kanonen

• Ausdünnung der Panzerung an vorgeschriebenen Stellen (Heraustrennen und das Loch durch ein Blech verschließen)

Ein Panzer ist eben kein normales Fahrzeug, sondern bewegt sich schon auf dem Gebiet des Kriegswaffenkontrollgesetzes. Und selbst ohne Kanone könnte mit einem solchen Fahrzeug noch jede Menge Schaden angerichtet werden – ohne dass die Polizei ein Gegenmittel hätte, wie will man einen solchen Koloss aufhalten? Aus genau diesem Grund müssen Löcher in die Panzerung geschnitten werden. Zudem wird dafür ein spezieller Führerschein benötigt.

Unterm Strich ist das Urteil also für Interessenten niederschmetternd: Einen demilitarisierten Panzer dürfte ein Berliner zwar besitzen, aber praktisch unmöglich auf der Straße fahren.

Fazit

Liebhaber von exotischen Dingen haben es in Deutschland immer schwer, die Fans von außergewöhnlichem Blech sind da nicht ausgenommen. Die gute Nachricht ist jedoch: In fast allen Fällen ermöglicht das deutsche Recht, zu seinem Vergnügen zu kommen – ob sich das angesichts der Kosten aber auch noch wirklich vergnüglich anfühlt, steht auf einem anderen Blatt.