Zapfendorf
Leserbrief

Leserbrief zur Stilllegung des MeillerGHP Standortes in Bamberg

Der MeillerGHP Standort in Bamberg wird stillegelegt. 190 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Eine von ihnen ist unsere Leserbrief-Schreiberin Babsi Ziegler.
Der MeillerGHP-Standort in der Kronacher Straße in Bamberg. Archivbild: Ronald Rinklef
Der MeillerGHP-Standort in der Kronacher Straße in Bamberg. Archivbild: Ronald Rinklef
Es gibt in jedem Leben Schlüsselerlebnisse. Manche von ihnen sind wunderbar und wir hüten sie wie kostbare Schätze. Manche von ihnen sind grauenvoll und wir können sie überhaupt nicht verstehen. Beide Arten haben Gemeinsamkeiten, sie kommen unerwartet und beeinflussen unser Denken und Tun. Es ist erstaunlich, dass mit fortschreitendem Alter trotz einer Fülle solcher Erlebnisse der bezaubernde Reiz oder der kalte Schrecken nichts von der Intensität verlieren.

Ich selbst stecke nun mittendrin in einer negativen Erfahrung - dem Insolvenzverfahren bei MeillerGHP - und ich frage mich unablässig, wie ich da hineingeschlittert bin. Nach 15 Jahren Betriebszugehörigkeit bei MeillerGHP, laut Homepage einem der führenden Unternehmen für individualisierte Kundenkommunikation in Europa, stehe ich heute mit 46 Jahren trotz einer fundierten Ausbildung kurz vor der Arbeitslosigkeit.

Um das Gesamtunternehmen nach einem gescheiterten Joint Venture zu retten, soll der Standort Bamberg geschlossen werden. Betroffen sind außer mir noch 190 Kollegen. Keiner von uns hätte das für möglich gehalten, als er seine berufliche Laufbahn hier begann - in einem florierenden Unternehmen mit aussichtsreicher Zukunft.

Doch wer ist schuld? Wir Mitarbeiter prangern Missmanagement und fehlende strategische Ausrichtung an. Die Geschäftsführung klagt über eine katastrophale Marktentwicklung, die keiner vorhersagen konnte, und ist fassungslos wegen der Weigerung der Gesellschafter, weitere Geldmittel zu bewilligen. Unsere Gesellschafter, die Österreichische Post und die Schweizer Post, drehen trotz Millionengewinne den Geldhahn zu, der seit 2011 offen war.

Ist das verständlich? Nun, wer zur Sanierung einer Firma viel Geld investiert, der muss an der positiven Weiterentwicklung seiner Finanzen interessiert sein. Falls der Gewinn ausbleibt, muss er zeitnah reagieren, aus betriebswirtschaftlichen Gründen. Wenn ich privat Geld investiere, kontrolliere ich, ob es sich lohnt. Hat ein Gesellschafter nicht die Verantwortung - ja sogar die Pflicht - dies auch zu tun? Liegt doch das Schicksal von Hunderten von Mitarbeitern in seiner Hand!

Dahingehend passierte in den letzen drei Jahren wohl zu wenig. Denn Anfang Juni habe ich einen Termin beim Arbeitsamt. Auf manche Schlüsselerlebnisse würde ich gerne verzichten.

Babsi Ziegler aus Zapfendorf, der Leserbrief bezieht sich auf den Artikel: 190 Mitarbeiter von MeillerGHP erhalten im Mai Kündigungen vom 5. Mai 2014.