Melkendorf
Leserbrief

Leserbrief zum geplanten Gewerbegebiet in Kulmbach

Hans Mattas aus Kulmbach hat sich in einem Leserbrief zum geplanten Gewerbegebiet zwischen Kulmbach und dem Ortsteil Melken dorf Gedanken gemacht.
Foto: Archiv/Alexander Hartmann
Foto: Archiv/Alexander Hartmann
Ein Gewerbegebiet siedelt man keinesfalls im Westen eines Wohngebietes an!" Die damalige Aussage meines Professors in einer meiner ersten Vorlesungen zum Bauplanungsrecht schoss mir durch den Kopf, als ich völlig überrascht von dem geplanten Gewerbegebiet zwischen Melkendorf und Kulmbach/Siedlung las.
Um die Lage des geplanten Gewerbegebietes in Bezug zum Umfeld festzustellen, übertrug ich das Gebiet auf eine übersichtliche Flurkarte und stellte fest: Ein Großteil der Siedlung - hauptsächlich entlang des Hopfenweges bis zur Kleingartenkolonie im Katzbachtal - liegt in der direkten Abluftfahne des Gewerbegebietes!
Zwar sind es über 800 Meter Luftlinie, was ausreicht, um das Vorhaben planungsrechtlich nicht von vornherein zu Fall zu bringen. Aber man wird es hören - und eventuell auch riechen! Denn die zulässigen Immissionsrichtwerte geben das her. Auch nachts!
"Um die wirtschaftliche Weiterentwicklung des Oberzentrums Kulmbach zu ermöglichen, brauchen wir geeignete Gewerbeflächen". Die Aussage der Stadt mag stimmen. Nur bitte nicht an solch einer exponierten Stelle. Denn mit den vorherrschenden Westwinden werden nicht nur Gerüche und gegebenenfalls Feinstäube, sondern auch Lärm, der von einem Gewerbegebiet rund um die Uhr ausgehen darf, bis in die Siedlung getragen. Denn neben Geschäfts-, Büro- und Verwaltungsgebäuden können auch Gefahrstofflager, Lackieranlagen mit ihren aromatischen Lösemittelemissionen oder Lärm emittierende Bauschutt-Recyclinganlagen mit ihren Abwurfschächten und Shredderanlagen angesiedelt werden. Mit der Folge, dass irgendwann auch eine Erweiterung anstehen wird - in Richtung des am Fuße gelegenen, noch unverbauten Rotmaintals. Und - das Verkehrsaufkommen zwingt dazu - mit einer zu bauenden direkten Verbindungsstraße zur B 85 ("Westtangente") durch eben dieses Rotmaintal.
Auf die Vernichtung einer herrlich gelegenen Kulturlandschaft mit vollem Blick zur Burg, die ungebremst fortschreitende Versiegelung noch offener Flächen mit seinen längst bekannten Folgen auf das ohnehin schon fragile ökologische Gleichgewicht sowie das Zerschneiden der seit Jahrzehnten der Naherholung dienenden alten Mangersreuther Straße kann ich aus Platzgründen hier nicht näher eingehen. Ein derartiger Verlust an nachhaltiger Lebensqualität ist durch die erwarteten Mehreinnahmen an Gewerbesteuern und der Hoffnung auf neue Arbeitsplätze natürlich nicht auszugleichen: Asphalt und Beton statt Felder, Wiesen und Sträucher für Störche, Wiesenbrüter, Greifvögel, Hasen, Igel...
Liebe Kulmbacher, bitte prüfen auch Sie das Vorhaben kritisch und lassen Sie die Frist der öffentlichen Auslegung im Bauamt bis 7. August nicht ungenutzt verstreichen. Denn: Ist die Planung für das Gewerbegebiet erst einmal umgesetzt, finden sich erfahrungsgemäß auch solche Betriebe ein, die ursprünglich gar nicht vorgesehen waren.
Ein "faules Ei" wurde uns mit der Modellrennbahn ja schon einmal gelegt im Gewerbegebiet "Am Goldenen Feld". Immer sonntags - für viele Anwohner unüberhörbar.