Sulzthal
Leserbrief

Leserbrief: Windräder in Sulzthal - (k)eine gute Sache?

Unsere Lesrin Maria Sauerhöfer äußert sich in ihrem Leserbrief kritisch zu Windrädern in Sulzthal.
In Sulzthal soll eine Windkraftanlage entstehen.Foto: Archiv/ Arkadius Guzy
In Sulzthal soll eine Windkraftanlage entstehen.Foto: Archiv/ Arkadius Guzy
Wieder gab sich die Windradlobby auf Einladung des Bürgermeisters ein öffentliches Stelldichein in Sulzthal. Nach der zukünftigen Betreiberfirma Enercon kam diesmal ein Vertreter der Windkraftlobby GUT Hassberge, Geschäftsführer der Windkraftanlagen "Oberes Werrntal" GmbH zu Wort. Demzufolge vertrat auch dieser Referent sehr einseitig die Interessen der Windradlobby. Ziel des Referates war es, den Bürgern ein Bild vorzugaukeln, das mit der Realität in vielen Bereichen nicht übereinstimmt.
Es ist Tatsache, dass die Windradlobby der große Gewinner in einem Projekt ist, das nicht wirtschaftlich arbeiten muss, um gesicherte Einnahmen zu erzielen. Kein Unternehmer könnte mit diesem System erfolgreich sein. Im Falle der Windkraftunternehmer sind die Regeln umgekehrt. Das Geld fließt unabhängig von der Wirtschaftlichkeit der Anlagen für Betreiber und Verpächter der Flächen, aufgebracht von den vielen Stromkunden, die gemäß EEG das Windkraftprojekt im ganzen Land mit ihrem Geld finanzieren müssen. Staatliche Subventionen gibt es nicht. Mit dem Geld der Stromkunden wird die Differenz zwischen den immer weiter fallenden Strompreisen an der Strombörse und den garantierten Abnahmepreisen, die die Windradbetreiber häufig 20 Jahre lang erhalten, ausgeglichen. Zu "Wirtschaftlichkeit" und "Bezahlbarkeit" wollte sich der Referent auch auf Nachfrage jedoch nicht äußern.

Auch der Vernichtung von besonders wertvollem Laubwald in Sulzthal - und damit der dortigen Tier- und Vogelwelt wurde keine große Bedeutung beigemessen. Ein paar Aufnahmen von Vogelnistkästen genügten, um über den Tod tausender Vögel und Fledermäuse hinwegzutäuschen. Stattdessen wurde eine neue Definition der Waldnutzung vorgestellt, nämlich die "Waldnutzung durch Windkraft". Es ist blanker Hohn Wald zu roden, und dies als "neue Art der Nutzung von Wäldern" zu bezeichnen. 79% der Deutschen haben sich laut einer repräsentativen Umfrage durch das Meinungsinstitut Emnid gegen Windräder in Waldgebieten ausgesprochen und sich mit dieser Art der Nutzung des Waldes nicht einverstanden erklärt.

Auch die Schutzfunktion der 10H Regelung für den Bürger wurde nicht angesprochen. Sie wurde zum Schutz der Gesundheit der Bürger gegen die negativen Auswirkungen von Windkraftanlagen wie Infraschall, hörbaren Schall, Schattenwurf, Stroboskopeffekt, etc. im Landtag, verabschiedet und ist geltendes Recht. Dass Bürgern Schutzrechte eingeräumt werden, sollte eigentlich auch für die Windradlobby und eine Gemeinde nicht verhandelbar sein.

Die vom Referenten und dem Bürgermeister zitierten emissionsschutzrechtlichen Richtlinien beziehen sich auf das Jahr 1998, die von einem maximal 30m hohen Emissionspunkt ausgehen und so für heutige Anlagen mit 150m Nabenhöhe völlig unbrauchbar sind. Außerdem kennt diese veraltete Norm nicht einmal das Phänomen des tieffrequenten Infraschalls. Man kann davon ausgehen, dass dies auch in Betreiberkreisen bekannt ist.
Sind Windräder im Wald von Sulzthal also eine gute Sache?

Für die Betreiberfirma und den Verpächter (2,5 Mio.€ in 25 Jahren), die nur die Geldeinnahmen sehen, sind sie eine gute Sache.Für die Natur, den Wald, die Tiere und die Umwelt sind sie es nicht. Für die Bürger, deren Schutz kaum beachtet wird und die die Windkraftprojekte finanzieren, sind sie es auch nicht. Selbst für die viel beschworene Energiewende könnte hemmungsloser Ausbau der Windkraft fatal sein, denn so wird die Energiewende unbezahlbar und zum Scheitern verurteilt sein.

Fazit ist, dass die Windräder im Wald von Sulzthal für die große Mehrheit der Beteiligten keine gute Sache sind. So - und nicht anders muss diese Frage beantwortet werden!
Auch das Schadenersatzthema bei Nichtzustandekommen der Bauleitplanung war ein weiteres Mal Thema des Abends. Der Bürgermeister lobte zum wiederholten Male die Güte des Vertrages mit Enercon, was seiner Aussage nach auch das LRA bestätigt haben soll. Das LRA allerdings konstatierte in Zusammenhang mit der rechtlichen Prüfung des ersten Bürgerbegehrens, dass es bezüglich Schadenersatzforderungen keine Aussagen machen könne, da es die Verträge nicht kenne.
Auch für den Fall des Nichtzustandekommens des Bebauungsplanes auf Grund eines negativen Ausgangs eines Bürgerentscheides hat die Gemeinde keine vertraglichen Vorkehrungen getroffen. Wer hier einen groben Fehler gemacht hat und geschlafen hat, ist eindeutig erkennbar.
Sicher ist am Ende, dass der Bürger doppelt zahlen muss, mit der Zerstörung seiner natürlichen Umwelt und der Finanzierung immer höherer Strompreise.

Maria Sauerhöfer, Sulzthal