Hallstadt
Leserbrief

Leserbrief: Finanzämter kaum beteiligt an kalter Progression

Landauf, landab ist wieder in allen Medien von der kalten Progression die Rede, die jegliche Lohnerhöhung auffrisst. Dabei denkt natürlich jeder sofort an das böse Finanzamt, dessen Gier ja bekanntlich unersättlich ist.
Symbolbild: imago
Symbolbild: imago
Jeder, der eins und eins zusammenzählen kann, wird aber zugestehen müssen, dass selbst bei dem zur Zeit geltendem Höchststeuersatz von 43 Prozent dies nicht möglich ist, denn dazu bedürfte es schon eines Steuersatzes von 100 Prozent.

Wer oder was ist aber nun für die sogenannte kalte Progression verantwortlich? Man spricht von ihr dann, wenn eine Lohnerhöhung nach Abzug der Inflationsrate und der sonstigen Abgaben, wie Steuer und Sozialversicherung zu keiner Erhöhung der Kaufkraft führt. Nehmen wir beispielsweise an, ein Arbeitnehmer bekommt bei einer Inflationsrate von 2 Prozent eine Lohnerhöhung von 3 Prozent (150 Euro) dann werden die ersten 2 Prozent (100 Euro) bereits von der Inflationsrate kassiert. Bei einem angenommenen Steuersatz von 33 Prozent gehen noch einmal 50 Euro den Bach hinunter, sodass es bis jetzt zu keiner Erhöhung der Kaufkraft gekommen ist. Ist der Arbeitnehmer auch noch sozialversicherungspflichtig wie die meisten, dann gehen noch einmal zirka 20 Prozent (30 Euro) weg und die kalte Progression hat voll zugeschlagen, weil die Kaufkraft sogar gesunken ist.

Das Beispiel zeigt aber auch, dass das Finanzamt nur zu einem Bruchteil an diesem Prozess beteiligt ist. Dies sollte auch in den Medien und von den Politikern deutlicher zu Ausdruck gebracht werden.


Dieter Schaible aus Hallstadt zur Diskussion um die sogenannte kalte Progression.