Bamberg

Jugend forscht: mit CO2-Polizei und Masken-Check zum Sieg!

Der 20. Regionalwettbewerb Jugend forscht musste dieses Jahr wegen der Pandemie online stattfinden. 112 Kinder und Jugendliche aus Oberfranken haben sich in den vergangenen Monaten intensiv mit der Pandemie, Nachhaltigkeitsthemen und weiteren wissenschaftlichen Fragestellungen auseinandergesetzt...
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Foto: Tiger1
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Der 20. Regionalwettbewerb Jugend forscht musste dieses Jahr wegen der Pandemie online stattfinden. 112 Kinder und Jugendliche aus Oberfranken haben sich in den vergangenen Monaten intensiv mit der Pandemie, Nachhaltigkeitsthemen und weiteren wissenschaftlichen Fragestellungen auseinandergesetzt. Sie forschten, experimentierten und stellten sich nach einer Online-Präsentation den Fragen einer hochkarätigen Jury aus Vertretern der Wirtschaft, Schule und Hochschule. Am Mittwoch verkündeten die Jury und Wettbewerbsleiter Dr. Michael Bail die Gewinnerinnen und Gewinner bei der digitalen Preisverleihung.
Besonders haben Jakob Bickel und Johanna Kluge vom Franz-Ludwig-Gymnasium im Fachbereich Mathematik / Informatik überzeugt mit ihrem Thema „TestAir – gute Luft für jedes Klassenzimmer“. Sie gewannen den 1. Preis in ihrem Fachgebiet. Die beiden Sechstklässler entwickelten und programmierten einen CO2-Polizeiwagen, welcher statt mit Blaulicht mit einem roten, gelben und blauen Blinklicht ausgestattet ist und kontinuierlich den CO2-Gehalt der Luft misst. Wird ein Grenzwert überschritten, so gibt das Polizeiauto Signale von sich und erinnert an das „Fensteröffnen“ im Klassenzimmer. Denn ist der CO2-Wert hoch, ist die Luft schlecht und beinhaltet viele Aerosole, welche für die Übertragung von Covid-19 verantwortlich gemacht werden. Ein intelligentes Programm versucht, den idealen Lüftungszeitpunkt zu berechnen, indem z.B. Pausen und auch die Art des Unterrichts berücksichtigt werden. „Wird viele gesprochen, ist die zu erwartende CO2-Bilanz, der Aerosolausstoß höher als in einer Stillarbeitsphase“, erläutert Jakob Bickel.

Ebenso ganz nach vorne, auf den 1. Platz im Fachbereich Biologie, kamen die Brüder Fabian (9. Klasse) und Jonas Gärtig (6. Klasse) vom Clavius-Gymnasium. Sie haben bei Ihrem „Masken-Check“ Alltagsmaske, PET-Maske, medizinische Maske und FFP2-Maske verglichen. Dabei wurden das Mikroklima unter der Maske, Puls und Sauerstoffsättigung im Blut gemessen. Den Jungforschern viel auf, dass der Puls beim Tragen einer FFP2-Maske entgegen den ersten Vermutungen fällt. Fabian erklärt: „Über einen Brustgurt haben wir mit einem Kraftsensor die Atemtiefe ermittelt. Wir konnten feststellen, dass diese zunimmt. So gelangt mehr Luft in die Lunge und der Körper bleibt gut mit Sauerstoff versorgt.“ Ein Gedächtnistest zeigte, dass die Probanden trotz Maske genauso wenig Fehler machten wie zuvor, aber etwas mehr Zeit zum Lösen der Aufgaben brauchten. Für Ihre Arbeit wurden die Brüder noch mit drei Sonderpreisen ausgezeichnet: den „plusMINT-Preis“ für eine gelungene interdisziplinäre Arbeit, den „Thinking Safety-Preis“ und einen Preis für besonders gelungene Darstellung.
Die beiden Regionalsiegerteams haben durch ihre 1. Plätze das Ticket zum Landeswettbewerb Bayern gewonnen und dürfen dort Oberfranken vertreten!

Das Franz-Ludwig-Gymnasium war insgesamt das teilnehmerstärkste Bamberger Gymnasium und durfte sich noch über 7 weitere Preise freuen:
Marcus (8. Klasse) und Michael Strühn (6. Klasse) erzielten in der Arbeitswelt mit dem Thema: „Messung der CO2-Konzentration in Klassenzimmern –Wie lüftet man richtig?“ einen hervorragenden 3. Platz. Die beiden Schüler haben über mehrere Wochen das Lüftungsverhalten und die CO2-Konzentration in verschiedenen Klassenzimmern verglichen: dabei wurden akribisch die Klassenzimmergröße, die Schülerzahl, das Alter der Schüler und auch das Lüftungsverhalten der Lehrkraft notiert. Umso älter die Schüler, desto kürzere Lüftungsintervalle sind nötig, da das Lungenvolumen steigt.
Ebenfalls mit einem 3. Platz in der Arbeitswelt wurden die beiden Schwestern Carolina (12. Klasse) und Antonia Bickel (10. Klasse) ausgezeichnet. Mit Hilfe von Baumarktutensilien und Ventilatoren wurden ein ausgeklügeltes Lüftungssystem entwickelt, welches es schafft, auch ohne Stoßlüften in kürzester Zeit gefährliche Areosole aus einem Klassenzimmer abzuziehen. Während von oben Frischluft eingeblasen wird, wird am Boden zeitgleich abgesogen. Mit einer Rauchkanone konnte der Effekt beeindruckend gezeigt werden.

Ebenso über einen 3. Platz durften sich die Neuntklässler Emilia Bär, Laura Misek und Felix Meister im Fachbereich Geo-/ Raumwissenschaften freuen. Neben dem verdienten 3. Platz konnten sie noch den Sonderpreis „ResetPlastic“ gewinnen. In ihrer Forschungsarbeit wurden der Mikroplastikgehalt verschiedener Pflegeprodukte ermittelt und eine Möglichkeit gesucht, diese nachhaltig und kostengünstig dem Kreislauf zu entziehen.
Mit der Frage, wie die Therapieadhärenz bzgl. der Schuhversorgung bei diabetischen Fußwunden sichergestellt werden kann, befassten sich die beiden Schwestern Svea (12. Klasse) und Inga Schleß (10. Klasse). Sie testeten hierzu verschiedene Schrittzähler, mit denen sich die Tragedauer und -intensität von speziell verordneten Schuhen für Diabetiker nachverfolgen lassen. So kann eine ausreichende körperliche Bewegung gewährleistet und zugleich eine Überlastung des Fußes, die der Wundheilung abträglich wäre, vermieden werden. Für diese Arbeit wurden sie mit einem Sonderpreis im Bereich Arbeitswelt ausgezeichnet.
Über einen weiteren Sonderpreis durften sich die beiden Sechstklässlerinnen Felicitas von Köckritz und Constanze Schulz freuen. Sie erhielten für ihren Brotboxbewacher den Sonderpreis in Technik. Hier wurde ein Calliope so programmiert, dass er bei Erschütterung oder Bewegung Alarm schlägt.
Julia Liebig, Hanna Bieberstein und Clara Hofmann (ebenso 6. Klasse) konnten zudem mit ihrer virtuellen Wettbewerbspräsentation überzeugen und erhielten einen Preis für den „schönsten Stand“. Die Schülerinnen haben im Fachbereich Biologie untersucht, mit welchen Methoden man Blumen am längsten frisch hält.
Erschwerte Bedingungen durch die pandemiebedingten Schulschließungen und Distanzunterricht erschwerten den Schülerinnen und Schülern in diesem Jahr die Durchführung ihrer Forschungsprojekte. In Chemie zeigten sich die Auswirkungen der Schulschließungen am deutlichsten: Die Schullabore waren nicht mehr erreichbar und so konnten die meisten Arbeiten nicht fertiggestellt werden. Das außerordentliche Engagement der Kinder und Jugendlichen verdient in dieser Zeit besonders viel Anerkennung. Wir gratulieren allen Preisträgern ganz herzlich und wünschen den Regionalsiegern viel Erfolg bei den Landeswettbewerben von Jugend forscht und Schüler experimentieren, die Ende März und Mitte April ebenfalls in digitaler Form stattfinden werden.