Homophobia in Bavaria

Bayern hat am 12. Juni 2015 im Bundesrat als einziges Bundesland gegen die Ehemöglichkeit für Paare gleichen Geschlechts gestimmt. Es ging darum, die vollständige Gleichbehandlung im Bundesrecht herzustellen...
Bayern hat am 12. Juni 2015 im Bundesrat als einziges Bundesland gegen die Ehemöglichkeit für Paare gleichen Geschlechts gestimmt. Es ging darum, die vollständige Gleichbehandlung im Bundesrecht herzustellen. Als Gegenredner schickte der Freistaat seinen Justizminister Winfried Bausback (CSU) in die Arena, der hölzern behauptete, die Gleichbehandlung führe einen „entscheidenden Schritt zu weit“. Man reibt sich die Augen ob solcher Aussagen.

Kein Wunder, denn Bayern hat Übung darin, Schwule und Lesben zu diskriminieren. Erst seit 1. August 2009 ist es in Bayern überhaupt möglich, eine eingetragene Lebenspartnerschaft vor einem Standesbeamten zu schließen. Vorher wurden die Paare an den Katzentisch zum Notar geschickt, auf Veranlassung der CSU-Regierung.

Die Lebenspartnerschaft gibt es seit 1. August 2001, und die bayerische Staatsregierung hatte die Umsetzung des Bundesgesetzes im Freistaat mit einem Ausführungsgesetz noch um einige Monate verzögert, nämlich bis zum 1. November 2001. Die damalige Bundesjustizministerin, Herta Däubler-Gmelin, tobte.

Zuvor klagte Bayern sogar vor dem Bundesverfassungsgericht auf Verfassungswidrigkeit des Lebenspartnerschaftsgesetzes. Wie zu erwarten erfolglos, denn das Gericht schlug alle Einwände kurz und klein.

Und wie sieht es im realen Leben aus? 2013 untersuchte die Ökonomin Doris Weichselbaumer von der Universität Linz, ob Frauen wegen ihrer sexuellen Orientierung auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden. In einem Experiment wurden 1000 identische Bewerbungen an Arbeitgeber in München und Berlin verschickt. Verschieden war nur der Familienstand: ledig, verheiratet oder verpartnert. Ergebnis: In München hatten Lesben nur zu 33 Prozent Erfolg, heterosexuelle Ledige 45 Prozent. In Berlin dagegen gab es so gut wie keine Unterschiede.

Die Welt, Grüne: CSU diskriminiert Schwule (23.07.2001)

Hans Böckler Stiftung: Lesben in München benachteiligt (Studie, 2013)
Vorschaubild: © RitaRue
Verwandte Artikel