Ebern

Ein Hoch auf Karl Hoch oder der ewige Winterschlaf

Eine beiläufige Bekanntschaft in Bamberg erwähnte jüngst: „Ach, aus Ebern? – Da ist doch nichts los. Naja, es hat halt nur 3.200 Einwohner.“ – Ich entgegnete darauf nichts, was hätte man schon antworten können, außer dass die Einwohnerzahl nicht stimmt – geschenkt...
Eine beiläufige Bekanntschaft in Bamberg erwähnte jüngst: „Ach, aus Ebern? – Da ist doch nichts los. Naja, es hat halt nur 3.200 Einwohner.“ – Ich entgegnete darauf nichts, was hätte man schon antworten können, außer dass die Einwohnerzahl nicht stimmt – geschenkt.

„Wir waren vor ein paar Jahren mal in einem guten Restaurant in Ebern, dort waren wir im Hof gesessen. – Gibt‘s das noch?“

„Nein, leider“, konnte ich ohne Zögern erwidern, denn ich wusste gleich, welches Restaurant er gemeint hatte. „Dort sind jetzt Wohnungen.“

Das war‘s dann auch schon zum Thema Ebern. Ich hätte vielleicht noch den Anlagenring erwähnen können, aber ich zügelte lieber meine Zunge. Nichts zum Vorzeigen. Nicht mehr.

Schulrat als Gartenbaumeister

Der Anlagenring. Einst vom Lehrer und späteren Schulrat und Ehrenbürger Karl Hoch geschaffen. Ein gepflegter, ein Hektar großer Stadtpark rings um die Altstadt, entlang der Stadtmauer und am Mühlbach, einem Nebenarm der Baunach. Die heutige Babyboomer-Generation konnte in ihrer Kindheit Karl Hoch noch in den Anlagen beim Laubrechen begegnen und ihm zusehen, wie er liebevoll Tulpenzwiebeln steckte.

Trostloses Bild

Heute bieten die Anlagen zum großen Teil ein trostloses Bild. Viele Wege einfach zuplaniert, der Rosengarten in der Friedrich-Rückert-Anlage verschwunden. Der Angerbach in der Walk-Strasser-Anlage – ein Bild des Grauens, der Springbrunnen zugeschüttet. Die Karl-Hoch-Anlage verwildert. – Kein Ort mehr, den man Touristen unbedingt empfehlen möchte. Zum Hunde-Ausführen, das taugt gerade noch.

Oftmals haben die Eberner ihre Wünsche vorgetragen, die Anlagen, unser „Stadtpark“ – etwas Einmaliges für eine Stadt dieser Größe – sollten wieder hergerichtet werden. An der Landesgartenschau Bamberg hätte man sich beteiligen können – nichts ist geschehen. Statt den Park herzurichten, hat man ihn hingerichtet. Wer heute Erholung im Park sucht, fährt 17 Kilometer weiter, nach Bad Staffelstein in den Kurpark.

Plan zur Neugestaltung existiert

Dabei gab es vor knapp zwei Jahren einen Anlauf zur Neugestaltung der Anlagen, doch ist dieser steckengeblieben. Die Landschaftsarchitektin Elke Döhler hatte 2012 einen umfassenden Plan vorgestellt. Der Brunnen sollte wieder laufen lernen, ein neuer See mit Wassererlebnisbereich tauchte in den Planungen auf, von Fitnessgeräten und einem Bürgergarten war die Rede.

Frist 28. November 2014

Der Karl Hoch von heute heißt LEADER und ist von Beruf kein Schulrat, sondern ein EU-Fördertopf für den ländlichen Raum. Unter dem Motto „Bürger gestalten ihre Heimat“ können Projekte gefördert werden, die mit anderen Förderprogrammen nicht bedient werden können. Ob es um die Sanierung einer Scheune geht, die Errichtung eines Museums oder um einen Naturbadesee – LEADER kann fördern. Vorausgesetzt, es wird beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ein Antrag gestellt. Bis zum 28. November 2014 besteht noch Gelegenheit dazu. Ansonsten, schlafe weiter, mein Ebern!
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