Bamberg

Bricht die CDU den Koalitionsvertrag im Bund?

„Regelungen, die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften schlechter stellen, werden wir beseitigen“ – so ist es im Koalitionsvertrag niedergeschrieben. Die altbekannte Masche der Union läuft jedoch darauf hinaus, Diskriminierungen abzustreiten, es gäbe demnach nichts mehr „zu beseitigen“...
„Regelungen, die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften schlechter stellen, werden wir beseitigen“ – so ist es im Koalitionsvertrag niedergeschrieben. Die altbekannte Masche der Union läuft jedoch darauf hinaus, Diskriminierungen abzustreiten, es gäbe demnach nichts mehr „zu beseitigen“.

Die Union, die zunächst lange zur Entwicklung in Irland geschwiegen hatte, inszeniert jetzt einen finalen Aufstand der Alten in ihren Parteien. Als jüngstes tragisches Beispiel hat der bayerische Ex-Staatsminister Thomas Goppel ein Zeugnis größter Ignoranz abgelegt. Wer so spät noch ferngesehen hat, konnte seine Ausfälle in der Nacht vom 10. auf den 11. Juni 2015 in der Talkshow „Anne Will“ besichtigen.

Warum ausgerechnet er? Einerseits hat er sich schon immer als Feind der Gleichstellung von Schwulen und Lesben hervorgetan, weil „normal“ sei das halt nicht. Zum anderen hätte sich kein anderer Kollege gefunden, „weil die sagen: Was soll ich denn? Ich muss doch warten, bis das Verfassungsgericht mal entschieden hat, ob wir da auch weitergehen“.

Wir entnehmen also seinen Worten, der Unionsflügel der Bundesregierung kennt sich mit dem Verfassungsrecht nicht so richtig aus. Kennt die Bundesregierung also das Grundgesetz nicht gut genug? Diesen Eindruck lässt gerade die Unionsspitze durch alte Herren verbreiten. Die Ehe zwischen Mann und Frau genieße Verfassungsschutz usw. – doch blöderweise ist im Grundgesetz nur von der Ehe, aber nicht von Mann und Frau die Rede.

Dabei ist es schon heute möglich, dass zwei gleichgeschlechtliche Menschen eine Ehe (!) führen! Richtig gelesen, eine Ehe, nämlich dann, wenn einer der beiden eine Geschlechtsumwandlung durchgemacht hat. Dann besteht die Ehe auch weiterhin fort.

Das sind natürlich alles Schicksale, die den Horizont von Becksteinen, Goppeln oder Bausbacken schier unermesslich übersteigen mögen. Sie fangen dann an zu schwadronieren, Ungleiches könne nicht gleich behandelt werden und merken in ihrer Gefangenheit nicht, wie sie munter drauf los diskriminieren. Weil Diskriminierung von Schwulen und Lesben gäbe es heutzutage nicht mehr, und dass Schwule und Lesben nicht normal seien, dürfe man doch im Hinblick auf die freie Meinungsäußerung noch sagen. Wenn meine Katze das verstehen würde, dann würde sie jetzt ganz schnell mit dem Kopf schütteln.

Nur, bei der Union sind freilich die Vorurteile dieser Männer bekannt, deshalb eignen sie sich so gut für die Front. Der wahre Grund für die ablehnende Haltung Merkels ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wahltaktischer Natur. Nach der nächsten Bundestagswahl möchte sie sich eine schwarze Verhandlungsmasse für kommende Koalitionsverhandlungen, vielleicht mit den Grünen, denen sie sich nahe fühlt, sichern. Dass dies auf dem Rücken der Schwulen und Lesben, auf Kosten des Grundgesetzes und der Menschenrechte geschieht, das muss man sich merken – und ihr sehr übelnehmen.

Talkshow Anne Will
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