Bereitschaftspraxis EBN: KÄMPFEN! Noch ist nichts entschieden, aber welche Rolle spielte der Kreis?

Die Bundesregierung hat laut Deutschem Ärzteblatt die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) aufgefordert, an allen Krankenhäusern Portalpraxen einzurichten. Das bedeutet: auch für Ebern ist eine Bereitschaftspraxis am Krankenhaus möglich...
Foto: EPINO-Ebern
Die Bundesregierung hat laut Deutschem Ärzteblatt die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) aufgefordert, an allen Krankenhäusern Portalpraxen einzurichten. Das bedeutet: auch für Ebern ist eine Bereitschaftspraxis am Krankenhaus möglich. Allerdings widersetzen sich die KVen. Mit dem Rückenwind der Bundesregierung lohnt es sich aber, für Ebern zu kämpfen! Doch welche Rolle spielen Landrat, Kreistag und Bürgermeister?

Dass sich zur Frage der Umstrukturierung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes im Landkreis Hassberge Kommunalpolitiker nicht äußern wollen, macht stutzig. Sehr sogar. Auch Landrat Wilhelm Schneider gab sich schmallippig und betonte, er habe das bestmögliche Ergebnis mit der Einrichtung einer Bereitschaftspraxis am Krankenhaus Hassfurt erreicht.

Nun tun sich aber Fragen auf, insbesondere, wenn man sich zwei Veröffentlichungen betrachtet, auf die hier eingegangen werden soll.

Folienpräsentation der Hassberg-Kliniken aus dem Jahr 2013

Zum einen existiert ein Dokument – eine Folienpräsentation – der Hassberg-Kliniken, datiert vom 01.08.2013. Diese Folienpräsentation kann über die Regierung von Unterfranken öffentlich im Internet eingesehen werden und sollte offenbar einen Vortrag illustrieren. Wer konkret das Referat hielt und an wen es gerichtet war, ist nicht eindeutig. Thema: „Weiterentwicklung der ambulanten medizinischen Versorgung – Ideen/Rezepte/Lösungen aus der Sicht eines Krankenhauses“, nämlich der Hassberg-Kliniken.

Ab Seite 16 dieser Folienpräsentation werden unter dem vierten Gliederungspunkt „Bereitschaftspraxen an Krankenhäusern (best practice in Schweinfurt und Ochsenfurt)“ vorgestellt.

Demzufolge wurde in Schweinfurt am 19. April 2013 eine Bereitschaftspraxis eingerichtet. Eine Karte zeigt die Zusammenlegung der beiden ehemaligen Gebiete des Schweinfurter Ärztlichen Bereitschaftsdienstes zu einem neuen „Großgebiet“ Schweinfurt mit nun 165.000 Einwohnern (Stadt und Landkreis Schweinfurt).

Danach folgt in der Folienpräsentation eine Darstellung der Ärztlichen Bereitschaftsdienst-Bereiche im Landkreis Hassberge. Was wohl der Referent im dazugehörigen, nicht bekannten Redetext beabsichtigt haben mag? Eine Bereitschaftspraxis für Hassfurt? Soweit zur Folienpräsentation der Hassberg-Kliniken.

„Pilotregion Schweinfurt - Hassberge“ oder nur „Pilotregion Hassberge“?

Nun dürfte es verwundern, weshalb zur weiteren Reform des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes im Jahr 2015 eine „Pilotregion Schweinfurt - Hassberge“ gebildet worden ist, wenn doch im Raum Schweinfurt erst im Jahr 2013 eine Reform stattgefunden hatte. Noch dazu mit einem Versorgungsgebiet, das den Anforderungen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) hinsichtlich der Einwohnerzahl bereits entspricht.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass es in der „Pilotregion Schweinfurt - Hassberge“ zwei Bereitschaftspraxen und zwei Fahrdienste geben soll. Eine Bereitschaftspraxis und ein Fahrdienst für die Region Schweinfurt sowie eine Bereitschaftspraxis und ein Fahrdienst für die Region Hassberge.

Der aufmerksame Leser wird feststellen: Für Stadt und Landkreis Schweinfurt ändert sich offenbar nichts. Betroffen ist nur der Landkreis Hassberge.

Die Fragen

Man kommt nicht umhin, die Frage zu stellen, wie es dem Landrat möglich gewesen ist, der KVB eine Bereitschaftspraxis für Hassfurt abzuverhandeln, die wegen der Größe des Schweinfurter Bereitschaftsdienst-Bereiches aller Voraussicht nach sowieso hätte eingerichtet werden müssen?

Die nächste Frage ist die, weshalb Schweinfurt für die „Pilotregion Schweinfurt - Hassberge“ namentlich herhalten muss? Wo es sich de facto um zwei Dienstbereiche, Schweinfurt und Hassberge handelt? Hätte eine alleinige „Pilotregion Hassberge“ dem Namen nach womöglich nicht genügend „Überzeugungskraft“ in der östlichen Kreis-Bevölkerung entfaltet? Womöglich eine politische List?

Die oben erwähnte Folienpräsentation dürfte den höchsten Gremien im Landkreis Hassberge vorgelegen haben, schließlich handelt es sich bei den Hassberg-Kliniken um ein kommunal gesteuertes Unternehmen. Daraus könnte man eigentlich den Schluss ziehen, dass sich der damalige Landrat bereits 2013 mit einer Reform des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes im Landkreis Hassberge befasst haben müsste.

Die dritte Frage wäre demnach, ob die Kreisgremien des Landkreises Hassberge bei der KVB gar den Anstoß für die hiesige Reform des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes gegeben haben könnten?

Auch das zweite Dokument macht nachdenklich

Eine Meldung aus Hessen zum Erhalt des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Rosenthal (Eder) macht zumindest nachdenklich. Im Juli 2013 hieß es beim VdK Hessen-Thüringen in der Internet-Mitteilung „VdK-Ortsverband Rosenthal übergibt Unterschriftensammlung an die Kassenärztliche Vereinigung Hessen“:

„Im übrigen wurde der VdK Abordnung (Anmerkung: von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen) entgegen gehalten, wieso sich die Bevölkerung jetzt aufrege, da es doch gerade ihre Politiker - Landrat und oberes Edertal - gewesen waren, die vor 2 Jahren mit der Forderung einer Umstrukturierung des Bereitschaftsdienstes zur KV (Anmerkung: Kassenärztlichen Vereinigung) gekommen seien.“

Wir wissen nicht, ob es im Landkreis Hassberge ähnlich wie im hessischen Edertal gelaufen sein könnte. Wir wundern uns aber, dass die zuständigen Kommunalpolitiker hierzulande zum Thema „Reform des Bereitschaftsdienstes“ schweigen – und sich nicht für eine Bereitschaftspraxis in Ebern engagieren. Obwohl die Bundesregierung Portalpraxen an allen Krankenhäusern fordert.

Aber man wird fragen dürfen: Aus welchem Grund wird geschwiegen? Geht es wirklich ausschließlich um die Freizeit der Hausärzte? Oder auch um zusätzliche Fachärzte, die sich in Hassfurt ansiedeln sollen und ebenfalls der Pflicht zur Teilnahme am Ärztlichen Bereitschaftsdienst unterliegen?

Ebern soll zahlen und der Kreiszusammenhalt geht baden

Eines ist jedenfalls klar: die teuere Rechnung sollen die Menschen im Raum Ebern ungefragt bezahlen. Das ist ungerecht und kann nicht hingenommen werden! Diese Ungerechtigkeit wird dem Kreiszusammenhalt voraussichtlich nicht dienlich sein.

Eine Bereitschaftspraxis am Eberner Krankenhaus muss möglich sein. Dabei sollten sich sinnvollerweise die Grenzen des Dienstbereiches nicht an den Kreisgrenzen, sondern am Einzugsgebiet des Krankenhauses orientieren. Alles andere wäre hanebüchen.


Quellen:

Deutsches Ärzteblatt, 22.10.2015

Folienpräsentation der Hassberg-Kliniken, 01.08.2013

VdK Hessen-Thüringen, Mitteilung 2013
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