Weil er im September vergangenen Jahres in der Oberen Stadt einem 28-Jährigen zwei Ohrfeigen verpasst, ihm seinen Personalausweis abgenommen und ihm sein Smartphone geraubt hatte, musste sich am heutigen Dienstag ein 24-jähriger Kulmbacher vor dem Amtsgericht verantworten. Mitangeklagt wegen Beihilfe war ein zweiter 24-Jähriger.

Laut Staatsanwalt Matthias Burkhardt soll sich am 23.September gegen 5.25 Uhr in der Oberen Stadt folgendes zugetragen haben. Die Angeklagten hätten einen Mann beobachtet, der sich an den Antennen mehrerer parkender Autos zu schaffen gemacht habe. Daraufhin habe einer der beiden Angeklagten beschlossen, den Mann zur Rede zu stellen. Als dieser jedoch alles abstritt, habe der Hauptangeklagte ihm eine Ohrfeige verpasst.


Personalausweis als "Beweis"

Der Angeklagte gab dies und noch eine weitere Ohrfeige auch freimütig zu und erklärte weiter, dass er
daraufhin vom Opfer auch noch den Personalausweis verlangt hat. Den habe er dann mitgenommen und nach ein paar Tagen in den Briefkasten am Rathaus geworfen. Er habe dies getan, um später nachweisen zu können, wer sich an den Autos zu schaffen gemacht hatte. Die Staatsanwaltschaft fasste das Einfordern des Personalausweises jedoch als Schikane auf.

Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, nahm der Hauptangeklagte dem eingeschüchterten Opfer auch noch das Smartphone ab. Das geraubte Handy wollte der Angeklagte dann bei Ebay verkaufen. Wenig einsichtig erschien seine Begründung: "Ich habe es ihm weggenommen, weil ich dachte, wenn er Antennen klaut, klaue ich sein Handy."

Für Richterin Nicole Allstadt war allerdings klar, dass der Angeklagte das Handy geraubt hat, um zu verhindern, dass das Opfer Hilfe rufen kann. Der Geschlagene und Beraubte sagte in der Verhandlung als Zeuge aus. Er bestritt, etwas an den parkenden Autos gemacht zu haben, sagte aber auch aus, dass der Täter ein sehr aggressives Verhalten an den Tag gelegt habe.

Nach Beendigung der Beweisaufnahme wurde das Verfahren gegen den zweiten Angeklagten eingestellt, da das Opfer ausgesagt hatte, dass dieser an den Taten nicht beteiligt gewesen sei und sogar versucht habe, seinen Freund zur Herausgabe des Handys zu bewegen. Der zweite Angeklagte und sein Verteidiger Karsten Schieseck aus Bayreuth verließen daraufhin den Gerichtssaal.

Für den Hauptangeklagten ging die Verhandlung jedoch nicht so glimpflich aus. "Die Ta erscheint wie ein jugendlicher Blödsinn, ist es aber nicht", sagte Staatsanwalt Matthias Burkhardt in seinem Plädoyer. Zudem sei das Geständnis "kein von Reue getragenes" gewesen. Verteidiger Ralph Pittroff folgte den Ausführungen des Staatsanwalts in großen Teilen, sah aber keine gefährliche Körperverletzung, da es keine bewusste Zusammenarbeit der beiden Angeklagten gegeben habe .


Zeit zum Nachdenken

Richterin Allstadt folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte den 24-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten auf Bewährung. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgelegt. Als Auflagen bekam er 120 Arbeitsstunden aufgebrummt. Richterin Allstadt betonte, dass der Verurteilte, der zur Zeit arbeitssuchend ist, genügend Zeit habe, die Auflagen abzuarbeiten. "Ich glaube nicht, dass Sie den Ernst der Lage begreifen", gab sie ihm abschließend mit auf den Weg. Dies könne sich nun während der Arbeitsstunden ändern.