Wonsees ist das "Dohlendorf des Jahres 2012". Damit der bedrohte Singvogel, der in akute Wohnungsnot geraten ist und im Freistaat Bayern schon in der Vorwarnliste der gefährdeten Arten steht, auch in unserer Region wieder mehr Nistmöglichkeiten findet, legt sich der Ort mächtig ins Zeug. Allen voran die Buben und Mädchen des Kita-Kindergartens, die das bayernweit einmalige Projekt der Arbeitsgemeinschaft Artenschutz in Franken tatkräftig unterstützen.

Immer weniger Nistplätze


"Wo Dohlen leben, passt das Lebensumfeld auch für den Menschen", weiß Thomas Köhler, der die Artenschutzmaßnahme betreut, die von der Audi-Umweltstiftung finanziell unterstützt wird. Und der die Kinder bei seinem gestrigen Besuch im Kindergarten auch darüber informiert, dass der Vogel rund um Wonsees eigentlich optimale Bedingungen vorfindet, sein Bestand aber stark zurückgegangen ist, da er auch hier immer weniger Nistplätze vorfindet.

Einst 125, heute noch zehn Paare


Gab es in den siebziger Jahren noch um die 250 Tiere, so leben laut Köhler im Raum Wonsees heute nur noch zehn Brutpaare. "Wir wollen, dass sich die Dohle bei euch wieder verstärkt ansiedelt", sagt der Artenschützer, der den Buben und Mädchen den vom Naturschutzbund und Landesbund für Vogelschutz gekürten "Vogel des Jahres" als intelligentes gefiedertes Tier vorstellt, ihnen auch ein ausgestopftes Exemplar präsentiert.
Die "schwarze Taube des Pfarrers", wie der Vogel früher oft auch genannt wurde, baut sich ihr Nest gerne in Kirchtürme. In der St. Laurentiuskirche in Wonsees haben die Artenschützer deshalb zwei Brutstätten geschaffen, die bereits bewohnt sind. "Die Dohlen haben schon Junge bekommen", weiß Pfarrer Wolfgang Sprügel, der sich über die neuen tierischen Mitbewohner freut und deren Entwicklung genau verfolgt.

Bunte Brutstätten


Was im Kirchturm so alles passiert, das beobachtet nicht nur der Geistliche. Auch die Kinder sitzen bei der Vogelbetrachtung quasi in der ersten Reihe. In den Nisthilfen wurden nämlich Minikameras installiert, deren Aufnahmen auf einem Bildschirm im Kindergarten zu sehen sind. Doch sind die Kinder nicht nur Beobachter, sondern aktiv in das bayernweit einmalige Dohlenschutzprogramm eingebunden. So bemalen sie die 25 Nistkästen, die Ende Juni mit dem Einsatz eines Hubsteigers an ausgewählten Bäumen im Raum Wonsees befestigt werden.