Zum 1. Januar dieses Jahres hat Wolfgang Pinkow-Margerie den Betrieb an seinen Sohn Felix übergeben. Der studierte Wirtschaftsingenieur lebt in München und ist dort als Projektmanager im Verkehrsflugzeugbau tätig.
Wolfgang Pinkow-Margerie hat sich auch aus der medizinischen Leitung zurückgezogen - er übernimmt nur noch Urlaubsvertretungen. Zu seiner Nachfolgerin wurde die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Christine Kammerer, bestellt.

Im nächsten Monat soll der großzügige Erweiterungsbau, der sich mit einer Nutzfläche von 250 Quadratmetern städtebaulich harmonisch in den sensiblen Talbereich einfügt, seiner Bestimmung übergeben werden. Zusätzlich wurde im Altbestand eine Fläche von rund hundert Quadratmetern umstrukturiert. Damit noch nicht genug, denn mit den Neuerungen wurde auch der Name verändert: statt Privatklinik heißt es jetzt "Klinik Wirsberg".

Gegründet wurde die Klinik mit Sitz in zwei Privatvillen 1912 vom Nervenarzt Eduard Margerie, dem Großvater von Wolfgang Pinkow-Margerie. Die Häuser, in denen konstant 50 Patienten untergebracht sind, wurden 2004 und 2007 umfassend renoviert. Verwaltungsleiter Jörg Treutler betont auch, dass die bauliche Erweiterung keine Erhöhung der Bettenkapazität zur Folge hat, sondern eine rein innerbetriebliche Maßnahme ist: "Wir haben seit 2004 die beiden Häuser mit einem Aufwand von rund vier Millionen Euro komplett umstrukturiert. Viele Räumlichkeiten, die früher für das Personal oder als Lagerräume zur Verfügung standen, sind zugunsten der Patienten und der Therapie umgenutzt worden. Irgendwann haben wir dann den Punkt erreicht, wo wir sagten, wir brauchen unbedingt mehr Platz, um uns adäquat aufstellen zu können. Dazu gehören auch Verbesserungen im Bereich der Küche und die Schaffung weiterer Lagermöglichkeiten."


Wäscherei künftig im Haus

Im Neubau wird laut Treutler jetzt die Küche im Erdgeschoss untergebracht und ein neues Kühlhaus eingerichtet. Hinzu kommen Archivräume für die Verwaltung und Sozialräume für die Mitarbeiter. Im Untergeschoss ist künftig die hauseigene Wäscherei untergebracht, die momentan auf verschiedene Gebäude ausgelagert ist. Hinzu kommen noch eine Hausmeisterwerkstatt und weitere Lagermöglichkeiten. "Alle Räume, die man vorher dem Personal zugunsten der Patienten wegrationalisiert hatte, wurden jetzt mit einem Kostenaufwand von rund 750 000 Euro neu erstellt", so Treutler, der auch darauf hinweist, dass keinerlei öffentliche Gelder geflossen sind."

Warum hat sich die Klinik Mitte des Jahres einen neuen Namen gegeben? Treutler: "Privatklinik birgt immer für den einen oder anderen Patienten noch eine Hemmschwelle, wenn er nicht privat versichert ist. Das führte oft zu Irritationen. Aber wir haben einen Versorgungsvertrag und können damit alle gesetzlich Krankenversicherten aufnehmen. Wir nennen uns jetzt Klinik Wirsberg, der Inhalt ist der gleiche wie vorher."

Was die psychischen Erkrankungen angeht, zeigt die Statistik der vergangenen zehn Jahre laut Treutler eine deutlich steigende Tendenz. Um den Betrieb in der Klinik reibungslos abwickeln zu können, seien derzeit 35 Personen hauptamtlich tätig - von der Reinigungskraft bis hin zur Leitenden Ärztin. Bei Bedarf würden noch Honorarkräfte hinzugezogen.

Die Voraussetzungen für die Erweiterung waren nicht einfach. "So viele Baufirmen wollten wegen des teilweise felsigen Geländes nicht ran", so der Verwaltungsleiter. "Wir haben aber vorher Bodengutachten anfertigen lassen. Allein die Baustraßenzufahrt hat einiges Geld verschlungen, denn sie muss jetzt auch wieder zurückgebaut werden." Die Arbeiten am Erweiterungsbau seien weitgehend abgeschlossen. Treutler hofft, dass Ende Oktober die Räumlichkeiten bezogen werden können.

Der entscheidende Vorteil der Klinik Wirsberg ist ihr Standort im romantischen Kosertal. "Es ist die Ruhe, und dass jeder jeden kennt. Wir können uns fast als familiäre Klinik betrachten. Das Kleine ist das große Plus bei uns, denn in großen Kliniken geht es anonymer zu und herrschen relativ starre Regeln und Kriterien", macht Jörg Treutler deutlich. Die Patienten kämen querbeet aus ganz Deutschland. Die durchschnittliche Verweildauer liege zwischen 30 und 35 Tagen.