Oben auf den Jurahöhen zwischen Zultenberg und Seubersdorf werden sich künftig sieben Windräder mit einer Leistung von je 2,5 Megawatt drehen. Das reicht für den Stromverbrauch von etwa 2500 Durchschnittshaushalten. Die Stromerzeuger ragen mit etwa 140 Metern in die Höhe, vier stehen auf der Gemarkung Kasendorf und drei auf dem Gebiet der Stadt Weismain. Dieses millionenschwere Objekt Windkraft gehört zu den Größten ihrer Art in der Region.

Projektentwickler Bernd Ehricke gab beim "Schaufelfest" in Seubersdorf einen kurzen Rückblick über die Maßnahme bis zum Baubeginn. Erste Gespräche seien im Sommer 2011 geführt worden und das besondere daran sei nach seiner Aussage gewesen, dass die Mehrheit der Bürger das Vorhaben von der ersten Stunde an positiv begleitet hätte. "Wir haben versucht, die Dorfgemeinschaften von Zultenberg und Seubersdorf mit einzubinden und möglichst viele an der Maßnahme profitieren zu lassen". Man habe den Standort nicht maximal verbaut, halte einen großen Abstand mit 1100 bis 1200 Meter zu Zultenberg und 900 bis 1000 Meter zu Seubersdorf. "Gesetzlich vorgeschrieben sind nur 500 Meter", sagte Bernd Ehricke.

Dorfgemeinschaft profitiert von Einnahmen

Das Flächenmodell mit knapp 50 Grundstücksbeteiligten sei von Vorteil, betonte der Projektleiter, denn auch die, die nicht Eigentümer sind, dürfen sich freuen, weil ein Fünftel der Stromeinnahmen beiden Dorfgemeinschaften, also allen Bürgern, zu Gute kommen. "Ich hoffe, die Gegner werden sich nach der Inbetriebnahme von den Vorteilen sauberen Stroms überzeugen lassen".

Letztere ließen sich bei der Veranstaltung zwar nicht sehen, zu einem Gespräch war aber Erwin Weiß aus Seubersdorf bereit, der kein Eigentümer, aber Bürger ist. "Ich finde das Projekt gut, weil der Strom ja irgendwo herkommen muss und Grafenreinfeld abgeschaltet wird. Strom aus Wind, einem Stück Natur, ist für mich eine der besseren Lösungen". Photovoltaik auf den Dächern finde ich in Ordnung, jedoch so die Landschaft zu verschandeln und Ackerland zu vernichten wie an der A 70 bei Schirradorf/Fesselsdorf, lehne ich ab". Mit Windrädern in der Natur könne er leben.

Mathilde Kießling, gleichfalls aus Seubersdorf, auf deren Grundstück ein Windrad stehen wird, meint, "das geld hat nicht den Ausschlag gegeben, sondern ich denke ein Windrad ist besser als ein Atomkraftwerk oder Photovoltaik auf landwirtschaftlicher Fläche".

Gegner wird es immer geben

Klaus Amschler, als Vertreter der Dorfgemeinschaft Zultenberg und Kasendorfer Gemeinderat, zeigte sich als Fan von Windrädern, "meine Schwiegereltern haben schon seit knapp 20 Jahren ein solches auf ihrem Grundstück in Fernreuth". Ihn fasziniere, "wenn es sich dreht und dabei Strom erzeugt". Wenn man in Zultenberg spazieren gehe, sehe man ja auch in der Ferne bis zu 50 Windräder. Gegner werde es immer geben, allein wegen ihnen hätten sich manche in den beiden Dorfgemeinschaften aber nicht zerstritten.

Die Gemeinde Kasendorf und er selbst stünden aufgeschlossen dem Projekt gegenüber, äußerte Bürgermeister Bernd Steinhäuser. Die Fläche sei anfangs wesentlich größer gewesen, dann auf die Bitten der Bürger hin reduziert worden, was man als Erfolg verzeichnen könne. Der Widerstand aus der Bevölkerung habe sich relativ schnell gelegt. Solche Großprojekte würden immer auf Vorbehalte stoßen.

Landtagsabgeordnete Susanne Biedefeld outete sich in der Abwägung regenerativer Energien ebenso als Befürworterin von Windkraft. Und Thomas Engel von der Regierung von Oberfranken bezeichnete den Bürgerwindpark oben auf dem Jura als neuen Mosaikstein in der Energielandschaft von Oberfranken. Er sei ein wichtiger Beitrag zur sauberen Stromerzeugung.