Anwohner aus Forstlahm haben den passionierten Jäger Hans-Dieter Ernst angerufen. Ein Reh sei schwer verletzt, teilten sie ihm mit. Doch das, was der Jäger dann vor Ort erblickte, lässt ihn nicht mehr los.

Eine Rehgeiß wurde auf brutalste gerissen von einem Hund. Die Bilder brennen sich auf schreckliche Art und Weise ins Gedächtnis ein. "Es war eine stattliche Geiß. Die Gedärme waren regelrecht rausgerissen - sie ist auf qualvollste Art und Weise zu Tode gekommen", erklärt der Jäger.

Kampfspuren offenbaren Grauen

Ein offenbar hochläufiger Hund habe "aus purem Spaß" die Bauchdecke der Rehgeiß aufgerissen. Direkt zwischen den Häusern waren die Kampfspuren zwischen Reh und Hund noch zu sehen:niedergetrampeltes Gras und Blut. "Es gibt keine Fraßspuren, das Bild, das ich hier sehen muss, ist das Bild des reinen Tötungstriebs", erklärt der Jäger.

Doch nicht nur das Reh ist tot, irgendwo im hohen Gras gibt es jetzt auch ein herrenloses Kitz. "Es wird definitiv verhungern. Es gibt keine Chance, dass man es rettet", sagt Ernst.

Das gerissene Reh und die Qualen, die mit seinem Tod verbunden gewesen sein mussten, würden auch den hartgesottensten Waidmann schocken. "Aber es ist nicht das erste Mal: Schon zum zweiten Mal innerhalb eines Vierteljahres wurde im Gebiet links des weißen Mains ein Reh gerissen", moniert Ernst.

Kein Einzelfall

Er mahnt zu mehr Respekt gegenüber der Natur und bittet die Hundehalter, ihre Hunde an die Leine zu nehmen. "Der Vorfall, wie er hier passiert ist, ist kein Einzelfall", so Ernst. Jetzt hofft der Jäger, dass die schockierenden Bilder Hundehalter nicht kalt lassen. Ernst hat auch Anzeige bei der Polizei erstattet.

Und genau das ist die richtige Wahl, bestätigt Peter Müller, der Vorsitzende des Jäger- und Jagdverbandes. Aktuelle Zahlen, wie viele solcher Fälle von Wilderei es in Kulmbach gibt, existieren nicht.

"Die Dunkelziffer ist sicher hoch. Wenn so etwas passiert, sollte man es anzeigen. Denn manchmal ergibt sich dann ein Bild und man kann den Täter finden", sagt Müller.

Müller weiß, dass der Spruch vieler Hundehalter, dass der eigene Hund zu so einer Gräueltag nicht fähig sei, einfach nicht stimmt: "Er macht es eben doch, wenn man ihn nicht unter Kontrolle hat", sagt Müller. Er appelliert an alle Hundebesitzer, mehr Fingerspitzengefühl beim Freilauf ihrer Hunde walten zu lassen.

Hund muss folgen

Nur Hunde, die jederzeit auf Zuruf Kommandos Folge leisten, dürfen überhaupt frei laufen. "Man darf nicht alle Hundehalter über einen Kamm scheren, aber Hunde haben nun einmal einen Trieb", so Müller.

Übrigens ist laut Müller nicht nur die Tötung eines Wildtieres durch einen Hund strafbar und kann wegen Wilderei angeklagt werden, sondern auch das Beunruhigen der Jagd sei schon anzuzeigen.