Gelesen haben ihn sicher nicht alle, aber von ihm gehört hat wohl der größte Teil der Kulmbacher. Die Rede ist vom "Hundertjährigen Kalender". Der Schreiber dieses Buchwunders war der am 14. März 1613 in Weismain geborene Mauritius Knauer. Er interessierte sich vor allem für Astronomie und Astrologie.

Im Jahre 1649 wurde er zum Abt des Klosters Langheim (bei Lichtenfels) gewählt. 1654, nachdem ihm für wissenschaftliche Arbeiten von der Universität Bamberg der Doktorhut verliehen worden war, brachte Knauer sein Werk an die Öffentlichkeit.

Von Motschenbach nach Weismain

Wer aber war dieser Mauritius Knauer? Die Familie Knauer zog um 1530 von Motschenbach nach Weismain. Dort brachten sie Bürgermeister hervor, weitere Angehörige wurden Äbte des Klosters Langheim. Eines eint sie fast ausnahmslos, sie zeichneten sich durch eine rebellische Dickschädeligkeit aus.

Mauritius Knauer war zweifellos der prominenteste Spross der Familie. Als Kind besuchte er die Lateinschule in Weismain. Nach Jahren des Studiums in Würzburg und Bamberg trat er 1631 ins Kloster Langheim ein. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges mussten die Mönche nach Wien flüchten, nach der Rückkehr wurde Mauritius 1649 zum Abt gewählt. Sein Kampf, das Kloster wiederaufzubauen, führte zu Streitigkeiten mit dem Bamberger Bischof.

Bischof zu Tode geärgert

Belege aus dem Bamberger Staatsarchiv berichten nicht nur, dass er den Bamberger Bischof zu Tode geärgert, sondern auch den Domdechanten zum Wahnsinn gebracht habe. Ein dritter Beteiligter soll übrigens dank Knauer an einem Blutsturz gestorben sein. So wurde dieser festgenommen und ins Bamberger Gefängnis geworfen.

Als Konsequenz sprach der unerschrockene Abt Knauer den Kirchenbann über dem Bischof aus. Wegen seines unermüdlichen Einsatzes für sein Kloster erhielt Mauritius Knauer in der Kaiserstadt den Beinamen "Der rebellische Abt". Neben der Verwaltung des Klosters verfasste er mehrere medizinische und kirchliche Schriften. Über 600 handgeschriebene Manuskripte werden in Bamberg aufbewahrt.

Knauer richtete sich ein Observatorium ein und versuchte, das Wetter mit dem Stand der Planeten in Einklang zu bringen. Sein Ziel war es, eine langfristige Wetterprognose zum Nutzen aller zu finden. Er zeichnete von 1652 bis 1658 Tag für Tag das Wetter in einem Protokoll auf. Knauer war zweifellos ein Ausbund an Gelehrsamkeit und verfügte als Doktor der Theologie, als Arzt und Astronom über großes Wissen. Er kannte Johannes Kepler und die Erkenntnisse von Kopernikus und Galileo Galilei.

In seinem "Calendarium oeconomicum practicum perpetuum" gab es sieben Himmelskörper: die Planeten Saturn, Jupiter, Mars, Venus und Merkur, dazu Sonne und Mond. Nach dieser Vorstellung sollte im achten Jahr wieder der erste Planet die Herrschaft antreten. Man brauche also, so schloss Knauer, nur sieben Jahre lang das Wetter zu beobachten, um so einen immerwährenden Kalender zu erhalten. Dabei fand er die Bestätigung in der uralten Erfahrung eines Sieben-Jahres-Rhythmus.

Das Zisterzienserkloster Langheim hatte einen eigenen Gutsbetrieb. Brot- und Futtergetreide sowie Weinreben wurden angebaut. Außerdem braute man Bier. Der Abt hatte für diese Dinge Vorsorge zu treffen, wobei die Güte der Ernte stark vom Wetter abhing. Man konnte früher nur von dem leben, was man in den Scheunen und Kellern hatte.

Bezeichnender Untertitel

Der deutsche Untertitel von Knauers Wetter-Kalender lässt darüber keinen Zweifel: "Beständiger Hauskalender, aus welchem jährlich die Witterung zu erkennen und nach dieser Gestalt der Wein- und Feldbau mit Früchten und Nützen anzuordnen, die Missjahre zu erkennen und der bevorstehenden Not weislich vorzukommen." Dieser Kalender war also in der Hauptsache für Bauern in Franken gemacht.

Bald nachdem Abt Knauer seine Arbeit abgeschlossen hatte, starb er plötzlich am 9. November 1664. Ein Schlaganfall bereitete dem erst 51-Jährigen ein schnelles Ende.

Der "Beständige Kalender", wie ihn der Verfasser selbst nannte, verbreitete sich für die damalige Zeit sehr rasch. Abschriften wurden hergestellt und dabei unterliefen viele Fehler. Nach einer solchen Abschrift wurde Knauers Werk 1701 erstmals gedruckt, nachdem es von einem Arzt namens Christoph von Hellwig in Halle großzügig überarbeitet worden war. Hellwig übertrug Knauers sorgfältige Beobachtungen aus den Jahren 1652 bis 1659, die in der Vergangenheitsform niedergeschrieben worden waren, einfach in die Zukunftsform.

Außerdem erweiterte er den Kalender auf hundert Jahre und gab das Ganze in Druck, wobei den Setzern noch eine ganze Reihe von Missgeschicke unterliefen. Der Erfolg war durchschlagend. Der Kalender erreichte Riesenauflagen und war bereits Mitte des 18. Jahrhunderts in Deutschland nach der Bibel das meistgelesene Buch.

Erst als 1938 der Münchner Verleger Ernst Heimeran im Bamberger Archiv ein Originalmanuskript Knauers entdeckte und veröffentlichte, wurde das ursprüngliche Wettertagebuch wieder ins richtige Licht gerückt. Sein Wert liegt zu einem großen Teil auch in der Darstellung des ländlichen Lebens in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg.

In Kulmbach gedruckt?

Die Stadt Kulmbach ist eng mit der Familie Knauer verbunden, so hat ein Neffe des gelehrten Mauritius Knauer, der Abt Gallus Knauer (1654 bis 1728), den barocken Ausbau des Klosters vorangebracht.

Kulmbach hat ihm den aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenkenden Langheimer Amtshof zu verdanken.

Vermutungen, dass eine der ersten Ausgaben des Kalenders in Kulmbach gedruckt worden sei (Wikipedia behauptet 1704), konnten wir bei unseren Recherchen leider nicht bestätigt finden. Aber möglich wäre es schon gewesen, gab es doch zu dieser Zeit in Kulmbach einige Druckereien.