Jedes Schulkind sollte schwimmen können. Doch bei wem liegt die Verantwortung, wenn es ums Schwimmenlernen geht? Und wann wäre das richtige Alter dafür? Im Lehrplan für die Grundschulen in Bayern ist Schwimmen Pflichtunterricht in der 3. und 4. Jahrgangsstufe, und er sieht in Hinsicht auf die Kompetenzerwartungen unter anderem vor: "Die Schüler bewegen sich in der Grobform einer Schwimmart (zum Beispiel Brust) sicher fort." Was aber, wenn nicht alle Kinder in einer Klasse schwimmen können?

Manche haben Angst vorm Wasser

Diesem Problem stellte sich jetzt die Grundschule Ziegelhütten. "Unter 25 Kindern sind immer fünf bis sechs dabei, die nicht oder nicht ausreichend schwimmen können", sagt Schulleiterin Sabine Mörlein. Einige hätten sogar so viel Angst vor Wasser, dass man mit einer einfachen Wassergewöhnung anfangen müsse.

Das sei kaum lösbar für Lehrer, die allein mit einer Klasse zum Schwimmunterricht gingen. "Die betreuende Lehrkraft darf immer nur jeweils eine Gruppe ins Wasser lassen, das heißt entweder die Schwimmer oder die Nichtschwimmer", erläuterte die Schulleiterin.

Erkältungsgefahr

Die Kinder würden dann nass auf der Bank sitzen und frieren. "Und wenn wir das so durchführen, käme vermutlich jedes Kind gerade einmal 20 Minuten pro Schwimmstunde zum Schwimmen." Für mehr Lehrpersonal stünden keine Stunden zur Verfügung, es sei vorgesehen, dass eine Lehrkraft mit einer Klasse zum Schwimmen gehe.

Um dem Abhilfe zu schaffen, setzte sich Sabine Mörlein mit der Wasserwacht Mainleus in Verbindung und fand bei Jannik Ramming Unterstützung. Er absolviert ein duales Studium, hat Montagvormittag frei und kann die Schule beim Schwimmunterricht unterstützen.

"Aktuell haben wir sieben Kinder, die nicht schwimmen können, mit denen führe ich einen Schwimmkurs durch", sagt er. Vom Förderverein der Schule erhält er für seinen Einsatz eine kleine Aufwandsentschädigung. Die Kinder der Grundschule Ziegelhütten, die er derzeit betreut, könnten sich nicht allein im Wasser fortbewegen und keine zehn Meter schwimmen.

Eigentlich Aufgabe der Eltern

"Das liegt auch in der Verantwortung der Eltern", sagt Jannik Ramming. "Ideal ist ein Schwimmkurs ab fünf oder sechs Jahren", sagt der Ehrenamtliche der Wasserwacht.

Eines der Kinder, die Jannik Ramming in seiner Schwimmgruppe betreut, ist die neunjährige Gabi. Sie besucht die vierte Klasse und möchte gern gut schwimmen können.

"Dieser Schwimmkurs mit Jannick ist viel besser, als nur zuzuschauen", sagt sie. Ziel der Grundschule Ziegelhütten ist es laut Schulleiterin Mörlein, dass alle Kinder, die die Grundschule verlassen, schwimmen können.

Stunden "generieren"

Schulamtsleiter Michael Hack ist sich der Problematik mit dem Schwimmunterricht bewusst, beurteilt die Situation aber sachlich: "Wir können für den Schwimmunterricht keine zusätzlichen normalen Lehrerstunden geben, aber es steht der Schule frei, zum Beispiel die Förderlehrer mit einzusetzen oder bei einem besonderes hohen Ausländeranteil sogenannte Drittkräfte anzufordern", erklärt er.

Auch gebe es für jahrgangskombinierte Klassen Zusatzstunden, deren Verwendung nicht vorgeschrieben sei. In erster Linie seien aber die Eltern dafür zuständig, dass ihr Kind das Schwimmen lernt, "Radfahren bringen wir ihnen ja auch nicht in der Schule bei".

Zulasten anderer Sportarten?

Darüber hinaus würden viele Schulen dem Schwimmunterricht sehr hohen Stellenwert beimessen und dadurch unter Umständen andere Sportarten sogar vernachlässigen. "Schwimmen ist ein Teil des Sportlehrplans, und mit acht Wochen im Jahr, das entspricht einem Fünftel des Jahresstoffs, ist der Lehrplan umgesetzt", betonte Michael Hack. "Viele Grundschulen legen ihren Schwimmunterricht in den Sommer und gehen in die Freibäder", sagte er.

Rein theoretisch sei es auch möglich, an zwei bis drei Tagen hintereinander ins Bad zu gehen und damit den Lehrplan zu erfüllen." "Ideal wäre natürlich, die Schüler könnten bei der Einschulung schwimmen, das ist etwas, was ihnen ihre Eltern mitgeben können", betont Hack.

Wenn Schüler gar nicht schwimmen könnten, könnten sie alternativ in der Parallelklasse am Sportunterricht teilnehmen, oder ein Förderlehrer könnte mit dieser Gruppe im Schulgebäude bleiben und zum Beispiel die Baderegeln besprechen, auch darüber könne man benötigte Noten generieren.

Schwimminitiative

Doch die bayerischen Schulen würden sich "natürlich nicht aus der Verantwortung ziehen wollen" . Sie hätten unter Kultusminister Piazolo sogar eine neue Schwimminitiative ins Leben gerufen. "Pro Schulamtsbezirk wird ein Lehrer speziell in Sachen Schwimmunterricht ausgebildet", erklärt der Schulrat.