Die Energiewende ist ja in aller Munde. Gehen das Land Bayern und auch die Bundesrepublik hier den richtigen Weg?
Florian Pronold: Es ist einfach ein Chaos, was zurzeit stattfindet oder vor allem nicht stattfindet. Wir haben eine gute Ausweitung der Solarenergie, aber was nicht funktioniert, ist der entsprechende Leitungsbau. Und was überhaupt nicht funktioniert, ist das Anbinden der Offshore-Windanlagen. Das ist eine Katastrophe, weil wir jetzt dafür zahlen, dass Strom verpulvert und nicht abgenommen wird. Dieses Hin und Her - erst Verlängerung der Atomlaufzeiten, dann schnellerer Ausstieg - hat zu einem Chaos geführt, das zum Schluss die Bürger mit höheren Strompreisen zahlen.

Großflächige Windparks sollen auch bei uns in Region um Wonsees, am Rande der Fränkischen Schweiz, entstehen.
Welche Meinung vertreten Sie dazu?

Es ist etwas, was regional entschieden werden muss. Ich finde, es ist gut, wenn man eine ver-stärkte dezentrale Energieversorgung bekommt. Aber es müssen die Kommunen, die Bürger entscheiden, welche Energieversorgung sie vor Ort wollen. Mir ist vor allem wichtig, dass man insgesamt die Energiewende schafft. Das bedeutet, dass es auch unterschiedliche Energiequellen an unterschiedlichen Orten geben muss. Aber ich erlebe bei mir im Wahlkreis, dass Biogasanlagen aus allen möglichen Ecken und Enden hervorkommen, was auch nicht sinnvoll ist. Die Gesetze sehen vor, dass das sehr wohl die regionale Planungsentscheidung ist, ob man so was zulässt, wie das gemacht wird.

Der Entwurf des Landesentwicklungsplans (LEP) war ja nicht gerade das Ei des Kolumbus. Teilen Sie die Meinung, dass mit den betroffenen Kommunen zu wenig geredet wurde. Eine Kritik, die nicht nur von den Kommunen in unserer Region, sondern auch vom Bayerischen Gemeindetag geteilt wird.
Der Freistaat Bayern wird von der CSU schon zu lange regiert. Das ist auch das gängige Modell, dass von München aus alles entschieden und den Kommunen viel zu wenig Spielraum gelassen wird - sowohl finanziell wie auch in der Planungsentscheidung. In keinem Land sind die Gefälle zwischen den Metropolregionen und dem flachen Land so groß wie in Bayern. Und wir werden die Probleme der Zukunft nicht dadurch lösen, dass wir alle in die Stadt ziehen. Das ist für die Städter nicht gut und für die, die auf dem Land leben, auch nicht. Man muss einen fairen Ausgleich zwischen Stadt und Land schaffen, damit wir alle in Bayern vernünftig leben können.

Die Staatsregierung geht jetzt noch einmal in die zweite Anhörung. Wird es da zu Nachbesserungen kommen?
Ich hoffe das, weil ja die Kritik fast parteiübergreifend ist. Auf der anderen Seite habe ich den Eindruck, dass schon wieder sehr stark ein majestätisches Obrigkeitsdenken in der Staatskanzlei regiert und dass man für berechtigte Kritik von der Basis nicht sehr offen ist.

Sie waren einer der Geburtshelfer von Christian Ude als Spitzenkandidat der SPD-Landesliste für den Landtag, oder?
Es war zumindest meine Idee, ihn zu fragen. Ich bin sehr froh, dass er dann Ja gesagt hat. Christian Ude kommt in allen Landesteilen mittlerweile gut an. Er ist durch das ganze Land gereist, hat Bayern, hat Franken wirklich kennengelernt.

Hat man die Nachricht von der Spitzenkandidatur Udes nicht zu früh verkündet?
Nein, wir haben zwischen fünf und sieben Prozentpunkte zugelegt. Das ist ein ordentlicher Wert. Ich sage aber ganz deutlich: Ich habe mich noch nie auf Umfragen gestützt. Selbst zwei Wochen vor der Wahl kann man aus den Umfragen das Ergebnis gar nicht schließen. Mir geht es nicht drum, die Umfragen zu gewinnen, sondern die Wahlen.

Das Gespräch führte unser Mitarbeiter Werner Reißaus.