Alternative Energien und Energiewende sind Schlagworte, die uns auch in den nächsten Jahren sicherlich noch begleiten werden. Gerade deshalb sollte ein besonderes Jubiläum nicht unbeachtet vorübergehen. Am 8. Januar 1914, also vor genau 100 Jahren, produzierte das Kraftwerk Burghaig zum ersten Mal Strom und speiste ihn in das Leitungsnetz der Stadt Kulmbach ein. Es war damit das erste Wasserkraftwerk im Raum Kulmbach.
Bis 1911 stand an der Stelle des Kraftwerkes eine Getreide- und Sägemühle. 1911 brannte der Bau bis auf die Grundmauern nieder. Geheimrat Fritz Hornschuch erwarb die Brandruine und ließ sie zu einem Kraftwerk umbauen.

Weil elektrische Energie auch damals schon sehr wichtig und entsprechend teuer war, hatte Hornschuch damit wieder einmal bewiesen, dass er ein sehr cleverer Unternehmer war.
Der Bau des Kraftwerkes brachte auch für die kleine Gemeinde Burghaig einen enormen Aufschwung, denn sie wurde zu einem beliebten Ausflugsziel. Bei schönem Wetter traf man sich zum Bootfahren auf dem Stauweiher oder zum Mittagessen in einem der guten Gasthäuser.

Auch Geheimrat Fritz Hornschuch liebte es, von seiner Villa in Hornschuchhausen aus, den Stauweiher entlang zu spazieren und an den Sonntagen im "Roten Adler" zu speisen. Es war beinahe schon ein Zeremoniell, dass er im Anschluss das "Café Marie" besuchte, an das sich heute kaum noch jemand erinnert. Gegenüber des "Roter Adler", etwa auf halber Höhe des Berges steht heute noch das Haus, in dem der Geheimrat mit seiner Frau Minalotte Kaffee trank.


Besuch bei der "Kaffeemorri"

Maria Friedlein, die Besitzerin, war bekannt für ihre Johannisbeer- und Stachelbeertorten. Mit der Sauberkeit durfte man allerdings nicht zu penibel sein. Direkt neben der Küche war der Ziegenstall und so verirrte sich manchmal schon ein Haar in die Torten. Wenn an manchen Tagen besonders viele Besucher den Weg zur "Kaffeemorri" fanden, kam es schon mal vor, dass das Original Ehepaare aufforderte, zu zweit aus einer Tasse zu trinken, weil sonst das Geschirr nicht für alle reichte. Nach dem zweiten Weltkrieg schloss das urige Café leider seine Pforten. Hornschuch liebte diesen Ort, weil er von dort einen wunderbaren Blick über sein Kraftwerk und das Maintal hatte.

Einer der ersten Kraftwerkswärter war Hans Arnhold. Neben seiner Arbeit im Kraftwerk züchtete er Fische im Stauweiher, die er auch fangfrisch verkaufte. Ein besonderer Service war, dass seine Kinder die Kundschaft mit dem Ruderboot bei den Zehn Eichen abholten, zum Kraftwerk und wieder zurück ruderten.

1977 verkaufte die Kulmbacher Spinnerei das Kraftwerk an einen Forchheimer Privatmann, der neuere, effizientere Turbinen einbauen ließ. So kann das Kraftwerk in Spitzenzeiten eine Leistung von 300 Kilowatt erzeugen. Verkauft wird der Strom heute nicht mehr an die Stadt Kulmbach, sondern an die Eon.

Im Zuge von Hochwasserfreilegung wurde der Stauweiher 1988 umgestaltet. So entstand neben dem Kraftwerk noch ein weiteres Wehr, das den Hochwasserabfluss regulieren soll. Der Stauweiher wurde im Zuge dieser Maßnahme schmäler. Seine Funktion als Freizeitanlage hatte er bereits Jahre vorher eingebüßt. Hermann Müller