Was sind die Scheußlichkeiten des Lebens? Diese Frage stellten sich die Mitwirkenden des Unterstufentheaters am Caspar-Vischer-Gymnasium und betrachteten die vier Bereiche Schule, Familie, Pflicht und Beziehungen etwas genauer. Zusammen mit dem Theaterprofi Rüdiger Baumann erarbeiteten sie daraufhin gemeinsam Schritt für Schritt ein Theaterstück, immer vor dem Hintergrund: Wie fremd- und selbstbestimmt bin ich eigentlich?
"In Wirklichkeit wird viel weniger gelacht", entlarvt eine Darstellerin die Werbekampagnen, die Freiheit, Freude und Glück verheißen, aber wie sieht die Realität aus? Das zeigte das 20-köpfige Ensemble unter der Regieassistenz von Julia Sedlmeier und vor einem Bühnenbild von Andreas Schobert eindrucksvoll bei der Premiere am vergangenen Dienstagabend im Forum des CVG.
Ausgangsmotiv für das Stück "Maßloses Glück" waren die Bremer Stadtmusikanten.
"Ich hau ab, was Besseres finde ich überall", heißt es in dem bekannten Märchen, eine Parole, die der Zuschauer auch bei der Aufführung des Unterstufentheaters mehrfach zu hören bekam. Zunächst der Schauplatz Schule: "Welche Lehrertypen nerven euch denn?", hatte Rüdiger Baumann die Darsteller bei den Proben gefragt. Dabei kam heraus, dass nicht nur strenge oder besserwisserische Lehrer nerven, sondern durchaus auch die übertrieben kumpelhaften, die Motivatoren oder die Langweiler. "Den Kumpel schätzen die Kids oft gar nicht so", sagte der Regisseur Baumann. Und so brachten die Mitwirkenden selbst ihre vielen Ideen, teilweise sogar Dialoge in das Theaterstück ein, ließen es von Probe zu Probe wachsen, konnten ihre echten Emotionen auf der Bühne zeigen. "Die Darsteller waren richtig mutig und frei, die Emotionen mussten ihnen nicht erst verständlich gemacht werden", sagte Rüdiger Baumann.
Entstanden ist aus dem Konzept ein Stück, in dem die Schülerinnen und Schüler unterhaltsam, aber auch durchaus mit viel Inhalt und Stoff zum Nachdenken auf die Probleme, Themen und eben die Scheußlichkeiten des Lebens, ihrer Generation hinwiesen. "Die Arbeit mit der Theatergruppe war unglaublich spannend", sagte Regieassistentin Julia Sedlmeier, "von Stunde zu Stunde ist etwas gewachsen, und die Schüler waren unglaublich motiviert." Kein Wunder, konnten sie doch aus ihrem Leben erzählen, "die Zusammenarbeit war absolut gewinnbringend."


Aus dem Leben gegriffen

Dinge aus dem Leben der Schülerinnen und Schüler, nervige Lehrer, komische Eltern, unangenehme Pflichten, verquere Beziehungen - und die Erkenntnis, dass einige Sachen doch nötig sind. "Für einen sind Pflichten wichtig, für andere doof", hieß es im Stück, und auch die Nichtigkeiten, die in Beziehungen oft zu unnötigem Streit führen, wurden eindrucksvoll in Szene gesetzt. Am Schluss hieß es dann "Maß nehmen", denn ob man zur Gruppe der "Glücksseeligen" gehören darf, entscheiden festgelegte Normen. Eine Lösung zu all den Problemen bietet das Theaterstück aber nicht, kann und will es auch gar nicht, denn wir sind ja doch am Ende alle Individuen.
Donnernder Applaus verabschiedete die Theatergruppe schließlich von der Bühne, und Schulleiterin Ulrike Endres stellte in Anlehnung an den Satz aus den Bremer Stadtmusikanten fest: "Dass wir eine bessere Unterstufen-Theatergruppe als euch und eure Leiter finden können, das bezweifle ich aber." Und die Theatergruppe ergänzte mit Blick auf ihren Regisseur Rüdiger Baumann: "Wir sind erleichtert, dass Rüdi es mit unseren Scheußlichkeiten ausgehalten hat, etwas Besseres werden wir nicht finden."