Wer weiß schon, was eine Grubenkirche ist, welche Mühlen am Friesenbach standen oder, was der Herkules am Kasendorfer Marktplatz mit der Zinsfelder am Kulmbacher Holzmarkt zu tun hat? Für Aufklärung sorgen jetzt insgesamt fünf neue Infotafeln, die im Rahmen eines europäischen Leader-Projekts der Landkreise Forchheim, Bayreuth, Bamberg, Kulmbach und Lichtenfels aufgestellt wurden. Innerhalb des Großprojekts mit dem Titel "Fränkische Schweiz - Qualitätswanderregion mit starkem Kultur- und Gesundheitsprofil" durften die Gemeinden im Landkreis Kulmbach ihre Hauptattraktionen auswählen.

Vom Magnusturm bis zur Tanzlinde

Der damalige Kasendorfer Bürgermeister Bernd Steinhäuser hatte sich sich zum Programmstart im Jahr 2018 für den Magnusturm, die Tanzlinde in Peesten, die Friesenquelle, den Herkulesbrunnen und die Azendorfer Kirche entschieden. In Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde wurden die genauen Standorte bestimmt und Luftaufnahmen sowie Einverständniserklärungen der Grundstückseigentümer beim federführenden Landratsamt in Forchheim eingereicht. Danach ging es darum, die Tafelinhalte zu erstellen.

Die Hintergründe zur Pfarrkirche "Sankt Johannes auf dem Stein", einer der ältesten Kirchen der Frankenalb, recherchierte die Studentin Maren Anette Ederberg zum Beispiel im Rahmen einer vom Institut für Fränkische Landesgeschichte veranstalteten Übung im Jahr 2019. Sie verfasste die Texte für die Tafel, deren Größe und Zeichenzahl genau vom Projektträger vorgegeben war. So sollte ein einheitliches Erscheinungsbild für die gesamte Fränkische Schweiz gewährleistet werden.

Marcus Mühlnikel, Akademischer Oberrat am Institut für Fränkische Landesgeschichte, erklärt: "Das war die besondere Herausforderung für die Studierenden: umfangreiches Wissen kurz, prägnant und gut lesbar zu vermitteln." Ederberg schreibt auf der Infotafel, die nun vor dem Kircheneingang steht: "Die Art der Azendorfer Kirche ist eine Seltenheit in Deutschland, denn das Kirchenschiff ist so tief in den Felsen hineingehauen, dass man es nur von der Empore aus betreten kann. Die Einheimischen nennen sie daher Grubenkirche."

Infotexte online verfügbar

Sämtliche Tafeltexte wurden mit lokalen Akteuren abgestimmt, der zur Grubenkirche mit Pfarrer Michael Müller, der zur Tanzlinde mit Helga und Siegfried Dressel vom Förderkreis Tanzlinde Peesten. Sie stellten auch einen Teil des Bildmaterials zur Verfügung. Texte und Bilder zu den weiteren Tafeln lieferte die freie Journalistin Adriane Lochner.

Zu guter Letzt stellten sie die Kasendorfer Bauhofmitarbeiter an den ausgewählten Standorten auf. Damit ist es aber noch nicht getan. Das Kulturinventar für die Fränkische Schweiz soll künftig auch Online auf einer eigens dafür eingerichteten Website vertreten sein. Laut Forchheimer LAG-Managerin Marion Rossa-Schuster ist geplant, die PDFs der Infotafeln, unter anderem die aus Kasendorf, einer breiten Öffentlichkeit zum Download zur Verfügung zu stellen.