Die Königlich Privilegierte Schützengilde Kulmbach von 1511 ist seine zweite Familie: Karl Heidl ist Sportschütze aus Leidenschaft und schon zum dritten Mal König seiner Gilde. Die gut drei Kilogramm schwere Silberkette trägt er bei offiziellen Anlässen mit Stolz, und ist auch ansonsten ein Regent ganz nach dem Geschmack der Schützenfamilie: Seine Pflichten erfüllt der Kaiser, so darf er sich als dreifacher König nennen, vorbildlich und nimmt auch ohne Murren die nicht ganz unerheblichen Kosten der Ehre in Kauf.

Ein Schuss für den Thron


Wie wird man Schützenkönig? Entscheidend ist dafür nur ein Schuss, aber der muss sitzen. Beim Hauptschießen wird der König durch den Schuss auf die Königsscheibe ermittelt. Wer's probieren möchte, zahlt fünf Euro und hat dafür drei Versuche, von denen der beste gewertet wird.
Karl Heidl ist bereits 1966 durch seine berufliche Tätigkeit bei der Post zum Schießen gekommen, erzählt er. Als bewaffneter Postbote war er damals selbstverständlich nicht unterwegs, aber der Postsportverein unterhielt eine Schießanlage im Keller in der Heinrich-von-Stephan-Straße. "Damals als junger Postbote habe ich mit dem Luftgewehr angefangen", erzählt der Schützen-Kaiser.
Das Luftgewehr ist bis heute seine bevorzugte Sportwaffe geblieben.
Karl Heidl hatte immer Freude an seinem Sport, und er blieb dabei, auch nachdem der Schießstand der Post geschlossen wurde. 1979 trat er offiziell der Schützengilde bei und übernahm 1981 das Amt des Sportleiters. Heute trägt er als 2. Schützenmeister Verantwortung für den Verein.

Familie der Majestäten


Die dreifache Königswürde ist für Karl Heidl etwas ganz Besonderes, aber er ist nicht der einzige in seiner Familie, dem das gelungen ist. "Mein Sohn Markus hat das Kunststück geschafft, drei Mal hintereinander König zu werden - in den Jahren 1992, 1993 und 1994", erzählt der stolze Vater. Und auch sein Sohn Peter hat schon zwei Mal die Königskette getragen - in den Jahren 1996 und 1998. Karl Heidl selbst war 1987 und 1991 König. "Wir hatten schon acht Mal die Kette in der Familie", sagt der 62-Jährige, der in diesem Jahr auch noch Schwarzschusskönig ist - und damit Inhaber einer zweiten Amtskette mit noch einmal zwei Kilogramm Gewicht.
Ein König darf sich nicht nur einer besonderen Stellung im Verein erfreuen und bei offiziellen Anlässen repräsentieren - er muss während seiner Regentschaft auch viel Geld investieren. Was kostet ein Schützenkönigsjahr? "Los geht's mit dem Sekt-Umtrunk nach der Proklamation", erzählt der König. Etwa 100 Euro muss man dafür rechnen - je nach Zahl der Gäste. Ein wenig später lädt der Regent zum Königsessen ein. "Eingeladen werden alle Teilnehmer des Königsschießens, dazu meist noch die Lebenspartner und eine Reihe von Ehrengästen." 110 Gäste kamen zu Karl Heidls Feier ins Schützenheim. "Das Essen haben wir liefern lassen, die Getränke selbst besorgt." Rund 1000 Euro kostete Heidl das Fest. Zum Abschluss des Regentschaftsjahres wird er seine Schützen noch einmal einladen: "Bei der Königsabholung gibt's eine gute Brotzeit." Dafür rechnet er mit 500 Euro.
Das Pflichtprogramm summiert sich somit auf etwa 1600 Euro. Mit diesen Kosten steht der König aber nicht allein da: "Die Gilde gibt einen Zuschuss von 500 Euro", sagt Schützenmeister Hans-Peter Gäbelein. Ebenso gibt es einen Zuschuss zur fränkischen Schützen-Uniform - in Grau mit grünem Revers: Für Jacke, Hose, Hemd, Hut und Krawatte hat Karl Heidl 350 Euro ausgegeben, 100 Euro steuerte der Verein bei. Die Damen tragen Dirndl.
Der Schützenkönig hat das Recht eine Schützenscheibe zu stiften, die von Hand gedrechselt und von einem Künstler bemalt wird. Der König darf auswählen, ob er das tun möchte und wie aufwendig die Scheibe gestaltet wird. Ebenso darf er selbst entscheiden, ob er der Königskette eine Silbermünze mit seinem Namen hinzufügen möchte. Karl Heidl wird beides tun und rechnet für die Schützenscheibe mit Kosten von rund 250 Euro und für die Münze mit 100 Euro. Das komplette Königsprogramm schlägt also mit fast 2000 Euro zu Buche, von denen Heidl 1500 selbst berappt. "Mir ist es das wert, sagt Heidl. Das sind schöne Traditionen, und die werden bei uns hochgehalten."

Am Samstag und Sonntag veranstalten die Schützenvereine in Bayern ein Aktionswochenende. Mehr dazu lesen Sie in der Freitagsausgabe der Bayerischen Rundschau.