Mit einer noblen Geste bedachte die Familie Uhlemann 2002 Bürger und Gäste Kulmbachs. Aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Bayerischen Rundschau und des Hauses E.-C.-Baumann wollten Verleger Horst Uhlemann und die Seinen der Stadt ein besonderes Geschenk machen. Nach diversen Vorschlägen entschied man sich für die Realisation einer optischen und akustischen Idee am Vereinshaus - ein Glockenspiel.

Dieses wurde am 18. Dezember 2002 um 11.45 Uhr an die Stadt übergeben. An diesem Tag vor genau 100 Jahren war die erste Ausgabe der Kulmbacher Lokalzeitung erschienen. Horst Uhlemann erinnerte bei der feierlichen Übergabe an die Verbindung Kulmbachs zu Preußen und an eine alte Tradition, denn bereits 1722 erklang vom Turm der alten Garnisonkirche in Potsdam das erste deutsche Glockenspiel.

88 Meter hoher Turm

Die Garnisonkirche war ein Wahrzeichen Potsdams. Sie wurde während der Amtszeit Friedrich Wilhelm I. in den Jahren 1731/32 an jener Stelle errichtet, an der zwei Jahre zuvor die oben erwähnte, nur acht Jahre alte, aber baufällige Kirche abgebrochen werden musste. Nachdem das neue Gotteshaus drei Jahre später einen 88 Meter hohen Turm erhalten hatte, wurde daran das Glockenspiel des abgebrochenen Vorgängerbaus angebracht und dabei um 40 Stimmen erweitert.

Nach dem Regierungsantritt von Friedrich Wilhelm II. spielten die Glocken zur vollen Stunde den Choral "Lobet den Herren" und halbstündlich "Üb immer Treu und Redlichkeit" aus Mozarts berühmter Oper "Die Zauberflöte".

Im Zweiten Weltkrieg zerstört

Die Potsdamer Glocken erklangen bis 1945. In der Bombennacht vom 14. auf den 15. April, also kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde auch die neue Garnisonkirche zerstört. Es wird jedoch erzählt, dass das Glockenspiel ohne menschliches Zutun in Gang gekommen sei und ohne Unterlass "Üb immer Treu und Redlichkeit" gespielt habe, bis die Glocken am Boden zerschellten.

Seit Mitte der achtziger Jahre wurde das Glockenspiel dank Spendenmitteln nachgebaut und am Jahrestag der Bombennacht, am 14. April 1991, der Stadt Potsdam übergeben.

Für die Familie Uhlemann war ein wichtiger Aspekt bei der Entscheidung für ein Glockenspiel nicht zuletzt die Nähe des Vereinshauses zur Spitalkirche. Als nämlich der Kulmbacher Baumeister Johann Georg Hofmann 1738 die Spitalkirche baute, war ihm zur Auflage gemacht worden, den Turm nach dem Vorbild der Potsdamer Garnisonkirche zu errichten.

Überforderter Baumeister

Er galt als ein tüchtiger Baumeister, der aber seine Vorstellungen nicht gut präsentieren konnte. Im Hofbauamt des Markgrafen in Bayreuth saß ein Architekt namens Friedrich Jakob Grael, der viele Erfahrungen in Berlin und Potsdam gesammelt hatte und über die hilflosen Skizzen Hofmanns entsetzt war. Vor allem die Proportionen des Turms und der Übergang von Vier- zum Achteck missfielen ihm.

So kam ein neuer Plan für den Turm aus Bayreuth. Als die Kirche 1740, zwei Jahre später, fertiggestellt war und eingeweiht werden konnte, standen vom Turm erst zwei Stockwerke. Und es dauerte bis 1749, bis er endlich fertig gestellt war.

Beachtet man noch das reiche Dekor von Stockwerk zu Stockwerk, so kann man nur feststellen, dass Grael und Hofmann mit diesem 43 Meter hohen Turmbau einen Brückenschlag von Kulmbach nach Potsdam vollbrachten. Seitdem verfügt unsere Stadt über ein verkleinertes Abbild dieses preußischen Gotteshauses.

Dank an die Familie Uhlemann

Bei der Einweihung des Glockenspiels am Vereinshaus bedankte sich Oberbürgermeisterin Inge Aures bei den noblen Spendern für das wunderschöne Geschenk. Jede Gesellschaft lebe von Bürgern, die mehr täten als ihre Pflicht, meinte sie und würdigte das Engagement der Familie Uhlemann. Dieses wurde von der Stadt Kulmbach mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Horst Uhlemann im April 2002 honoriert. Weiterhin dankte Aures der Sparkasse Kulmbach-Kronach als Besitzerin des Vereinshauses und der Firma Ludewig für die Bereitstellung der Hebebühne zur Montage.

Gefertigt wurde das Glockenspiel von der Straubinger Gießerei Anton Gugg, die 1550 gegründet wurde und sich durch beständige Qualität und Zuverlässigkeit auch in Kulmbach mit einigen Werken auszeichnet hatte. Auf drei Glockenträger wurden jeweils vier unterschiedlich große Glocken montiert. Die größte davon hat das stolze Gewicht von 120 Kilogramm.

Die Programmierung erfolgte über Computer und Telefon durch die Techniker der Stadthalle. Aus 29 Melodien kann je nach Anlass und Jahreszeit gewählt werden. So reicht der musikalische Bogen von der Bayern-Hymne bis zu "Stille Nacht", von Volksliedern bis zu populärer Musik. Die beiden erwähnten Lieder der Potsdamer Garnisonkirche durften selbstverständlich auch nicht fehlen.

An der Feierstunde zur Übergabe nahmen neben zahlreichen Bürgern die Familie Uhlemann, Landrat Klaus-Peter Söllner, Oberbürgermeisterin Inge Aures, Bürgermeister Henry Schramm und die Sparkassenvorstände Stefan Erbacher und Rudy Früh teil.

Nur noch zweimal am Tag

Unter dem Glockenspiel wurde eine Plakette mit der Inschrift "Gestiftet aus Anlass des 100- jährigen Bestehens der Bayerischen Rundschau" angebracht.

Anfänglich spielten die Glocken, nicht wie in Potsdam zur vollen Stunde, sondern von 10.05 Uhr an alle zwei Stunden bis 18.05 Uhr.

Anfang 2006 wurde nach Beschwerden von Bürgern die Lautstärke reduziert. Die Glocken schlagen nun nur noch zweimal am Tag, um 10.05 Uhr und um 15.05 Uhr.