Der Charme der freundlichen und gutmütigen Wesen, die aus dem südamerikanischen Anden stammen, hat schon längst das Herz von Ilse Köhler-Auweiler und Jörg Auweiler erobert. Das Ehepaar aus Lochau züchtet seit nunmehr 25 Jahren Lamas und Alpakas und beherbergt derzeit rund 70 Tiere.

Mit ihrem Betrieb "Frankenlamas" bieten sie unter anderem für Familien, Firmen, Vereine oder auch Kindergärten und Schulen geführte Alpakawanderungen rund um den oberfränkischen alten Dornhof an.

Auweiler legt hierbei sehr viel Wert darauf, dass die Wanderungen betreut sind, um den artgerechten Umgang mit den Paarhufern sicherstellen zu können. "Es ist ungemein wichtig, dass man weiß, wie man mit den Tieren umgeht", sagt er. "Die vergessen nichts".

Vor 25 Jahren begann seine Frau Ilse mit der Haltung und Zucht von Lamas. Vor etwa zehn Jahren brachte Jörg Auweiler die ersten Alpakas mit auf den Hof. "Es sind einfach wundervolle Tiere mit einem unvergleichlichen Charakter", schwärmt er.

Bis 2015 war er sogar europaweit mit seinen Alpakas auf Shows, wo vor allem der Körperbau und die Wolle besonderes Augenmerk bekamen, und wurde zuletzt 2011 mit seinem Hengst Compas Emanuel sogar zum Europameister gekürt. Neben den geführten Wanderungen, die immer individuell gestaltet sind, halten die Auweilers ihre Tiere für den Verkauf von Zuchttieren und deren Fließ.

Immer wieder jedoch holt das Ehepaar, je nach Kapazität, Tiere aus schlechter Haltung oder aus unkontrollierter Zucht und geben ihnen in Lochau ein neues und vor allem artgerechtes Zuhause. Auf insgesamt 8,5 Hektar haben die Tiere dort genug Auslauf und hervorragende Gegebenheiten.

So ist ihr Gehege nicht nur eine große Weide. "Wir haben hier ein richtiges Biotop geschaffen, da wir auf unseren Geländen Natur und Tier sich selbst überlassen. Gedüngt wurde hier seit 25 Jahren nicht mehr - und hier wachsen sogar seltene Kräuter", so Jörg Auweiler.

Keine Haltung ohne Sachkunde!

Seit 1994 gelten Alpakas als landwirtschaftliche Nutztiere und können daher ohne besondere Auflagen privat gehalten werden. Dass das aber immer häufiger zu unüberlegten Käufen führt, gibt Auweiler zu bedenken: "Viele schaffen sich dann, ohne nachzudenken, zum Beispiel ein Pärchen an und erzeugen so eine völlig unkontrollierte Zucht der Tiere. Die können sich nämlich binnen kurzer Tage, nachdem eine Stute geworfen hat, wieder fortpflanzen". Daher ist es äußerst wichtig, dass die sogenannten Neuweltkamele getrennt nach ihrem Geschlecht gehalten werden. "In freier Natur regeln das die Tiere selbst. Da verdrängen Mädchengruppen zum Beispiel einen Hengst, wenn er einer trächtigen Stute zu nah kommt. Der kann nämlich das Fohlen in der Gebärmutter aus anatomischen Gründen beim Akt töten", klärt Auweiler auf.

Er selbst gibt seine Tiere erst ab, wenn er sicherstellen konnte, dass alle Auflagen erfüllt worden sind. "Das kann schon mal drei Monate bis ein Jahr dauern, ehe ich ein Tier abgebe", betont er.

Welche Auflagen zu erfüllen sind, wenn man sich ein Lama oder Alpaka halten möchte, gibt der Gesetzgeber vor. Dies ist unter anderem eine Mindestfläche von 1000 Quadratmetern für zwei Tiere. Für jedes weitere Tier müssen 100 Quadratmeter hinzugerechnet werden. Je mehr Platz die Alpakas haben, desto besser. Denn Alpakas sind Lauftiere - und besonders Jungtiere spielen sehr viel und wollen sich bewegen.

Für die Umzäunung des Paddocks oder der Wiese empfiehlt sich ein Zaun von mindestens eineinhalb Metern Höhe, um ein Überspringen sicher zu verhindern. "Wenn die keinen Bock mehr auf die Weide haben, dann brechen die schon mal aus", schmunzelt Jörg Auweiler. Ein Elektrozaun ist zwar denkbar, es ist aber durchaus möglich, dass die Tiere diesen gar nicht spüren, da ihr Fell hierfür viel zu dick ist. Für den Winter ist ein Unterstand erforderlich. Alpakas sind zwar nicht sonderlich witterungsempfindlich und passen sich dem Klima hierzulande sehr gut an, doch sie sollten besonders im Winter die Möglichkeit haben, sich trocken und geschützt unterstellen zu können.

Auch die Tiere von Jörg und Ilse Auweiler haben ihr Winterquartier. Dies ist ein offener Stall auf deren Hof, in welchem sich die Tiere nach Belieben draußen oder drinnen aufhalten können. An Nahrung brauchen sie ständigen Zugang zu frischem Wasser, sowie Salzlecksteine - und natürlich frisches Gras und Heu.

Viele Unterscheidungsmerkmale

Doch wo liegen eigentlich die Unterschiede zwischen Lama und Alpaka? Der wohl deutlichste Unterschied besteht in der Größe der Neuweltkamele. So erreichen Lamas eine Schulterhöhe von circa 120 Zentimeter. Bei Alpakas beträgt diese lediglich um die 90 Zentimeter. Dementsprechend sind die Alpakas mit einem Gewicht von circa 60 bis 80 Kilogramm deutlich zierlicher als die Lamas, die bis zu 200 Kilogramm auf die Waage bringen.

Beim genauen Betrachten wird man auch einen Unterschied an den Ohren erkennen. Während die Ohren der Alpakas gerade nach oben stehen, haben die der Lamas eine leicht gebogene Form. Auch das Fell der Alpakas ist meist gleichmäßiger und feiner in der Struktur, weshalb die Tiere vor allem wegen ihrer wertvollen Wolle gezüchtet werden, da diese sehr weich, seidig-glänzend und im Vergleich zur Schafwolle viel wärmer und feiner ist.

Der Charakter macht sie stark

Alpakas und Lamas sind Distanztiere. Das heißt, sie bleiben von Natur aus immer auf Abstand. Auch wenn sie gleichzeitig noch so neugierig sind, würden sie nie von sich aus Berührungen oder gar Streicheleinheiten zulassen. "Das ist alles antrainiert und bedarf viel Geduld und Übung", betont Jörg Auweiler. "Dass sie sich für die Führungen ein Halfter umlegen lassen und sich mit auf die Wanderung begeben, kostet im Vorfeld viel Arbeit".

Wenn sie nicht durch eine falsche und nicht artgerechte Haltung fehlgeprägt sind, so sind Lamas und Alpakas sehr friedvolle Tiere sowie sehr empathisch und anpassungsfähig, was auch der Grund dafür ist, dass sie als Therapietiere, ähnlich wie bei einer Delfintherapie, für beispielsweise autistische Menschen eingesetzt werden.

Jörg Auweiler weiß: "Alpakas können Bilder im Kopf der Menschen lesen und wissen ganz genau, wie es dir geht. Sie spüren deine Gefühlslage und passen sich dir in jeder Situation an." Nach einem therapiebegleitenden Einsatz brauchen sie allerdings aus diesem Grund viel Ruhe und Entspannung, "um wieder runterzukommen".

Das Ehepaar setzt seine Tiere jedoch nicht therapiebegleitend ein, sie wollen weiterhin erstklassige Tiere dieser exotischen und interessanten Art züchten - und dies am besten "solange wir können", schmunzelt Jörg Auweiler.

Achtung, Spuckattacke!

Rangordnung Vor allem bei Rangordnungskämpfen oder beim Streit um Futter bespucken Lamas einander. Bei der "Spucke" handelt es sich um Mageninhalt, den die Tiere hochwürgen. Diese grünliche Masse riecht übel, ist aber eigentlich harmlos.

Zeichen Angelegte Ohren und ein gurgelndes Geräusch sind deutliche Warnzeichen, um lieber Abstand zu nehmen.