Vor fast 180 Jahren schrieb Johann Nestroy ein Stück über die vier Temperamente, die sich in Form von vier verschiedenen Familien auf ein Haus verteilen: die Choleriker, die Melancholiker, die Sanguiniker und die Phlegmatiker. Damit hat er der damaligen Gesellschaft und durchaus auch der heutigen einen Spiegel vorgehalten. Die achte Klasse der Waldorfschule Wernstein brachte dieses Stück nun auf die Bühne des Kulmbacher Mönchshofs, traditionell zum Ende der Klassenlehrerzeit.


Alle machen mit

"Wir studieren in jeder achten Klasse ein Theaterstück ein", erklärte Klassenlehrerin Roswitha Scheel, "und alle ohne Ausnahme machen mit." Bei der Auswahl des Stücks werde darauf geachtet, was zu der jeweiligen Klasse passe, und dass jeder Schüler seine Rolle findet.
Kurz nach den Weihnachtsferien begannen die Proben mit zwei Stunden in der Woche, seit eineinhalb Wochen wurde intensiv täglich geprobt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

"Wir haben uns mit den Schülerinnen und Schülern angeschaut, wie man im 19. Jahrhundert lebte, welche Kleider man trug, und welche Frisuren", sagte Roswitha Scheel. Dabei brachten sich die Kinder ein, machten sich auf die Suche nach Kleidern, die sie im schuleigenen Fundus nicht fanden, schneiderten mit Hilfe von Müttern teilweise selbst, brachten den abgelegten Konfirmationsanzug wieder zum Einsatz, gingen in den Kostümverleih und gestalteten sogar das Bühnenbild selbst.

"Jeder unserer Schüler fertigt eine Jahresarbeit an, und Leonard Firak entschied sich für Entwicklung und Bau der Kulisse." Die Farben - Rot für die Choleriker, Blau für die Phlegmatiker, Grau für die Melancholiker und Gelb für die Sanguiniker - standen fest. Um Größe, Design und Zusammenstellung der Möbel kümmerte sich der Achtklässler selbst.


Bühne frei für die Posse

Und so stand der unterhaltsamen Posse, eindrucksvoll in Szene gesetzt, nichts mehr im Weg. Vier Töchter sollten von ihren Vätern verheiratet werden, aber nicht mit dem, den sie lieben. Der Barbier Schlenkel und der freche Stiefelputzer Hutzibutz, beide in das Dienstmädchen Isabella verliebt, liefern sich eine Auseinandersetzung nach der anderen und brachten mit ihren Listen reichlich Turbulenz in das Leben der Familien, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Die Wunsch-Schwiegersöhne werden "falsch" vermittelt und fallen so ganz anders aus als es sich die künftigen Schwiegerväter gedacht hatten, doch sehr zum Wohlgefallen der Töchter. So geriet plötzlich Herr von Schmerz zur Tochter des Herrn von Froh oder ein Herr von Schlaf in die Arme der Tochter des Herrn von Braus.
Dadurch entstand Situationskomik, welche die amüsierten Zuschauer zu vielen Lachern und jubelndem Applaus hinriss.

Die jungen Darsteller hatten offensichtlich ebenso viel Freude an dem Stück wie ihr Publikum, sie verkörperten ihre Rollen sogar während der Pause, in der sie im Hof flanierten und höflich ihre Zylinder lupften. Ein ganzheitliches Schulprojekt, an das sich sicher noch alle Beteiligten lange erinnern werden.