Zu den Übergriffen ist es laut Anklage in der Wohnung des Mannes immer dann gekommen, wenn er das Kind aus seiner geschiedenen ersten Ehe bei sich hatte. Erst mit 14 soll sich das Mädchen seiner Mutter offenbart haben. Die Frau habe sich danach in psychiatrische Behandlung begeben müssen. Warum der Fall erst jetzt verhandelt wird, war am ersten Prozesstag nicht zu erfahren.
Zum Verhandlungssauftakt bestritt der Angeklagte die Vorwürfe und sprach von einem Komplott. Hintergrund soll sein, dass die Tochter zusammen mit ihrem jetzigen Lebenspartner ihn aus seinem Haus verjagen möchte. "Die haben einen Plan geschmiedet, um mich zu vertreiben", so der Mann.

Schwere Geschütze


Der Angeklagte fuhr dabei schwere Geschütze gegen die heute 27-jährige Frau auf. Sie sei eine Satanistin und habe eine nationalsozialistische Gesinnung, sagte der vor zwei Jahren zum Judentum konvertierte Angeklagte. Auf der Mobilbox ihres jetzigen Mannes werde der Anrufer sogar mit nationalsozialistischen Parolen begrüßt.
Weiter berichtete er von angeblichen Suizidversuchen der Tochter und mehreren Aufenthalten in Nervenkliniken. Später sei sie von ihrem ersten Mann geschlagen worden.
Ihn, den leiblichen Vater, habe sie mit Hilfe schwarzer Magie später verflucht, glaubte der Angeklagte allen Ernstes. Darüber hinaus nannte er die eigene Tochter eine Lügnerin und eine "Schauspielerin hoch drei", die perfekt darin sei, andere Menschen schlecht zu machen. Ihren jetzigen Ehemann bezeichnete er als "asozial".
Der 48-jährige ist bereits zum dritten Mal geschieden, hatte als Kind einen schweren Unfall mit einem Zug überlebt und war in den 90er Jahren in einen Verkehrsunfall auf der Autobahn A70 verwickelt, bei dem es zwei Todesopfer zu beklagen gab. Zuletzt war er selbst schwer erkrankt.

Gottesdienste und Ponyreiten


Vor Gericht legte er größten Wert auf seinen Glauben als orthodoxer Jude. So verkündete er zunächst, für den Richter gebetet zu haben, dann erklärte er mehrfach feierlich, dass sein gesamter Besitz dem Staate Israel gehöre. Er lebe mit Gott und werde keinen Schritt ohne seinen Gott tun.
Von seinen drei Ehefrauen war der Mann angeblich immer wieder betrogen worden, was letztlich auch in jedem der Fälle zur Scheidung geführt habe. Zum Tatzeitraum 1990 bis 1998 erklärte der Angeklagte, dass die Tochter höchstens alle vier bis sechs Wochen bei ihm jeweils für einen Tag zu Besuch war. Übernachtet habe sie dabei in der Wohnung nie. Zudem sei er nie mit der Tochter alleine gewesen, da stets seine damalige Ehefrau dabei war und der Tag von Gottesdiensten, Mittagessen und Ponyreiten ausgefüllt gewesen sei.
Die Verhandlung wird fortgesetzt. Ein Urteil wird nicht vor kommender Woche erwartet.