Die klugen Kinder gehen aufs Gymnasium und studieren anschließend, und für die anderen ist die Karriereleiter abgesägt? Die Zeiten dieser vereinfachten Pauschalurteile sind glücklicherweise vorbei. Ein Großteil der Studenten an Universitäten und Fachhochschulen erwirbt heute die dafür nötigen Fähigkeiten und Abschlüsse über den beruflichen Bildungsweg. Fachoberschule (Fos) und Berufsoberschule (Bos) ebnen immer mehr jungen Leuten den Weg zu ihrem Traumberuf.
An der Fos/Bos in Kulmbach lernen aktuell 457 Schüler für ihre berufliche Zukunft. Sie kommen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen, aber immer öfter mit einem großen Ziel: die 13. Klasse besuchen und die allgemeine Hochschulreife erwerben, die früher ausschließlich den Abiturienten der Gymnasien vorbehalten war.

Keine Lust auf Schule gehabt


Wenn das Gymnasium seine einzige Chance gewesen wäre, hätte Stefan Wettermann diese verpasst. Bis zur mittleren Reife blieb er, dann hatte er keine Lust mehr auf Schule, wollte lieber Geld verdienen. Er machte eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker. "Am Gymnasium war ich nicht gerade der Beste, in der Berufsausbildung dafür dann ein Einser-Schüler." Ein paar Monate arbeitete der 22-Jährige als Geselle. Dann wollte er mehr: "Ich will nicht bis zur Rente jeden Tag körperlich schwer arbeiten müssen."
Stefan Wettermann ging an die Berufsoberschule, biss sich bei den anfänglichen Umstiegsschwierigkeiten durch ("vor allem in Mathe und Physik war es hart"), bestand letztes Jahr das Fachabitur und wird im Mai die Prüfung für die allgemeine Hochschulreife ablegen, um danach Versorgungstechnik zu studieren. Sein früherer Arbeitgeber unterstützt den Lernwillen und hat Stefan ein Stipendium angeboten, wenn er nach seinem Abschluss in die Firma zurückkehrt. "Das mache ich, denn das gibt mir Sicherheit", freut sich der 22-Jährige.

Mehr über die unterschiedlichen Einstiegsmöglichkeiten, die Zulassungsvoraussetzungen und die Zukunft der Kulmbacher Fos/Bos lesen Sie am Donnerstag in der Bayerischen Rundschau.