"Stinksauer" sei sie, schrieb Claudia R. an die Rundschau-Redaktion. Die 59-jährige Hochrisikopatientin wollte sich in einer Apotheke die versprochenen kostenlosen FFP2-Masken holen - und wurde abgewiesen. "Ich solle die Masken dort holen, wo ich mir auch sonst meine Medikamente besorge. Es könnten nur die Stammkunden abgerechnet werden." Von einer derartigen Regelung sei nirgends die Rede gewesen, kritisiert die Kulmbacherin. Sie habe die Abholung mit anderen Besorgungen verbinden wollen.

Inzwischen ist die Wut der Kundin verraucht. Sie war in der Blaich in ihrer Stammapotheke, wo sie nicht nur anstandslos ihre Masken bekam, sondern ihr auch erklärt wurde, warum die Apotheken zuerst ihre regulären Kunden mit Masken versorgen.

Claudia R. ist nicht die einzige, die sich in diesen Tagen über eine Abfuhr in der Apotheke ärgert. Auch Günter Beyerlein war erbost, dass er in einer Kulmbacher Apotheke die Masken nicht bekam. Er wohnt noch nicht lange in Kulmbach, lebte früher in Neuenmarkt und hat noch keine neue Stammapotheke. Extra wegen der Masken nach Neuenmarkt zu fahren, das sei doch nicht sinnvoll. Er ging davon aus, dass es egal ist, an welche Apotheke er sich wendet. Was Günter Beyerlein ärgerte, war auch nicht allein, dass er nicht bekam, was er wollte, sondern dass er sich unfreundlich behandelt fühlte.

"Haben damit gerechnet"

"Wir haben damit gerechnet, dass es Probleme gibt." Hans Peter Hubmann reagiert damit auf Vorwürfe jener Bürger, die bei der Abgabe von FFP2-Masken nach eigenem Bekunden abgewiesen wurden. Der Verbandssprecher der Apotheker bittet um Verständnis, wenn nicht jeder überall und zu jedem Zeitpunkt wie selbstverständlich zu seinem Kontingent kommt. "Die Regelung der Bundesregierung ist eindeutig: Jeder über 60 sowie Risikopatienten mit chronischen Erkrankungen an Niere, Lunge oder anderen Organen, Patienten mit Organ- und Stammzelltransplantation, Diabetiker Typ 2 sowie Frauen mit Risikoschwangerschaft haben einen Anspruch darauf. Das ist korrekt."

Dann folgt das "Aber": "Aber es geht auch darum, die Logistik vor dem Hintergrund der gewaltigen Zahlen zu betrachten: Demnach haben unter den genannten Maßgaben 27,9 Millionen Patienten in der gesamten Bundesrepublik einen Anspruch. Mal 15 Masken gerechnet, der Bedarf von jetzt bis Ende April, bedeutet das: 400 Millionen Masken müssen besorgt und verteilt werden. Das ist eine immense Herausforderung."

Material muss passen

Der Apotheker verweist darauf, dass er und seine Kollegen für die Qualität des Materials bürgen. "Wir müssen prüfen, ob die Maske auch taugt. Es sind viele Angebote zweifelhafter Qualität am Markt. Dieses Material aber kann für uns kein Maßstab sein. Das heißt aber auch: Wenn es zu Lieferengpässen an zertifizierten Masken kommt, betrifft das unmittelbar uns, die wir die Verteilung gewährleisten. Wir reden hier von einem Großprojekt, dass binnen weniger Tage auf die Schiene gestellt wurde." Daher wiederholt Hubmann - auch im Namen seiner Kulmbacher Kollegen - die Bitte an alle Berechtigten, sich die Masken bei der jeweiligen Stammapotheke zu holen. "Sie kennt ihre Kunden, kann dadurch eine gerechte Verteilung sicherstellen und weiß genau, wer welche Bedürfnisse hat."

Wie bekommt der Apotheker eigentlich seine Kosten erstattet? "Das läuft über Pauschalen, die wiederum auf der Basis von Packungsanzahlen im dritten Quartal errechnet werden", sagt Hubmann und räumt zugleich mit einer falschen Vorstellung auf: "Wir werden eben nicht nach den tatsächlich abgegebenen Masken bezahlt, sondern auf der Basis dieser Pauschale. Das bedeutet im Umkehrschluss: Aktive Apotheken, die viele Kunden haben, werden in dieser Situation leichter überrannt, weil andere - aus welchen Gründen auch immer - das nicht so schnell hinbekommen. Das muss diese Apotheke dann aber alles auch bezahlen. Das sagen die Kollegen, die deutlich mehr Masken verteilt haben, als sie laut Marktanteil müssten, den Kunden gegenüber auch. Das hat nichts mit Ablehnung zu tun, sondern im Gegenteil mit Verantwortung. Wir betreiben beileibe keine Erbsenzählerei. Aber wir bitten unter den aktuellen Gegebenheiten um Verständnis und zugleich um Rücksicht und um Solidarität, damit möglichst alle, die einen Anspruch haben, diesen auch erfüllt bekommen."

Versorgung garantiert

Man könne sich freilich rechtlich immer auf den Standpunkt stellen: ,Mir steht es aber zu, egal wo und wie." Hubmann entgegnet: "In dieser Situation spielen halt auch ein paar Gründe mit hinein, die wir Apotheker nicht beeinflussen können, als Dienstleister für unsere Kunden aber in der Pflicht stehen, eine gleichmäßige Versorgung zu garantieren. Dazu gehört auch, dass wir verhindern müssen, wenn Schnorrer sich über Gebühr eindecken wollen. Das kann das System nicht leisten. Wir lassen uns deswegen zwar eine Erklärung unterschreiben, dass sich jemand noch in keiner anderen Apotheke seine Masken organisiert hat. Ich kann aber nicht für alle die Hand ins Feuer legen."

Hubmann berichtet von Kollegen, die mit teils dreisten Kunden zu tun hätten. "Ein Kollege aus Kronach berichtete von einer Frau, die ein Attest hatte, wonach sie keine Maske tragen muss. Dennoch wollte sie von ihrem Anspruch auf die Masken nicht abrücken. Da fehlt mir das Verständnis. Die Masken fehlen anderen, die dringend darauf angewiesen sind. Und wenn vor diesem Hintergrund ein Apotheker dann noch treue Kunden ohne Maske heimschicken muss, darf das eigentlich nicht sein."

Diese Argumente kann Günter Beyerlein durchaus nachvollziehen. "Bei allem Verständnis für die Situation und dafür, dass die Politik vieles auf die Apotheken abwälzt, stört mich doch gewaltig, wenn ich unfreundlich behandelt werde. Wir Patienten haben das Hintergrundwissen nicht, welche Probleme es gibt, sondern möchten einfach nur das haben, was uns versprochen wird." Stammkunde oder nicht: Jeder sollte zuvorkommend behandelt und informiert werden. "Ich könnte ja ein künftiger neuer Kunde werden. Aber das werde ich nur da sein, wo ich mich gut aufgehoben fühle." Beyerlein hat seine Masken in einer anderen Kulmbacher Apotheke bekommen: "Dort war das kein Problem und perfekt organisiert. Es geht also auch anders."