Igl hat jetzt eine Studie vorgestellt, nach der im Landkreis Kulmbach 8730 Menschen für einen Niedriglohn arbeiten. Die Wissenschaftler des Pestel-Instituts in Hannover haben auch untersucht, welche positiven Effekte ein gesetzlicher Mindestlohn für die heimische Wirtschaft hätte: "Die Kaufkraft im Kreis Kulmbach würde um 18,5 Millionen Euro pro Jahr steigen", sagt Matthias Günther. Der Leiter der Studie erwartet, dass der Zuwachs an Kaufkraft nahezu eins zu eins in den Konsum gehen würde.

Für die Gewerkschaften sind die Ergebnisse ein klares Argument für die sofortige Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes von 8,50 Euro. Niedriglöhner seien gezwungen, Verzicht zu üben.

"Sie können am Leben nicht richtig teilnehmen. Das fängt schon beim Bus- und Bahnticket an", sagt Peter Igl. Ein Niedriglohn bedeute automatisch "eine Lebensqualität dritter Klasse".

Das zeige sich ganz besonders beim Einkauf: "Wer von einem Niedriglohn lebt, für den sind die Käse- und die Frischfleischtheke im Supermarkt tabu. Bei Lebensmitteln kommen dann nur Sonderangebote und Billigprodukte in Frage. Am besten reduzierte Ware: Zweite-Wahl-Produkte oder Sachen kurz vor dem Ablaufdatum. Geringverdiener sind gezwungen, jeden Cent zweimal umzudrehen", sagt der Geschäftsführer der NGG-Region Oberfranken, Micheal Grundl.

Die Gewerkschaften werfen den Lohndumping-Arbeitgebern vor, sie würden sich ihre "Geiz-Löhne" vom Steuerzahler subventionieren lassen. "Nämlich dann, wenn Menschen einen sozialversicherungspflichtigen Teilzeit- oder Vollzeitjob haben, aber so wenig verdienen, dass der Staat mit Hartz IV drauflegen muss. Das ist dann quasi staatlich subventioniertes Lohndumping. Solche Arbeitgeber sind schlichtweg unanständig", so Peter Igl und Michael Grundl.