Vor einer Woche befassten wir uns mit der Inschrift "1788 CFW" über der Haustür des Gebäudes Oberhacken 12. Ein berühmter Sohn unserer Stadt hatte eine besondere Beziehung zu diesem Anwesen. Es handelt sich um Johann Apollonius Peter Weltrich.

Dem Alkohol zugetan

Er wurde unweit der Bäckerei, im Unteren Stadtgässchen 6, der mittleren Badstube, geboren. Seit 1398 sind hier Bader nachgewiesen. Sein Vater war Christian Michael Weltrich, Bader und Chirurg in der Mittel- Badstube.

Der Vater war dem Alkohol zugetan. Seine Mutter verkraftete dies nicht und setzte ihrem Leben ein Ende. Die Kinder kamen zu den Großeltern nach Wunsiedel. Im Juni 1796, 15 Jahre alt, trat Weltrich seine Stelle bei der Hauptzolleinnahme in Bayreuth an und musste deshalb Wunsiedel hinter sich lassen. Sein Dienst ließ ihm einige Zeit übrig, so dass er nebenbei noch Rein- und Abschriften und Rechnungsarbeiten übernehmen und darüber hinaus auch Selbststudien betreiben konnte.

Ein Waise mit Vater

Vonseiten der mütterlichen Verwandten war bisher dafür gesorgt worden, dass in Weltrich keine Neigung zum Vater erwachen und Wurzeln fassen konnte. Es kam ihm jedoch sonderbar vor, von allen Leuten als Waise betrachtet und bedauert zu werden, während er den Vater kaum eine Tagesreise von sich entfernt wusste. So entstand in ihm allmählich das Verlangen, den Vater persönlich kennenzulernen. Dieser Wunsch sollte bald erfüllt werden.

Unter Weltrichs Kameraden war ein Gymnasiast aus Kulmbach, dem er seinen Wunsch anvertraute, und der ihn daraufhin einlud, ihn in den Ferien zu besuchen, was Weltrich natürlich gerne annahm. In Kulmbach angekommen, ließ die gesuchte Bekanntschaft nicht lange auf sich warten. Bei einem Spaziergang durch die Stadt stieß sein Freund ihn plötzlich an, was das verabredete Zeichen war, falls sie dessen Vater treffen sollten. "Das war dein Vater", flüsterte der Freund nach einigen Schritten.

Bierchen in der Bäckerei

Doch bei der plötzlichen Überraschung hatte Weltrich nicht viel mehr gesehen als einen etwa 40-jährigen Mann von mittlerer Größe mit blassem, etwas aufgedunsenem Gesicht. Das war ihm jedoch nicht genug, deshalb folgten sie dem Mann. Sie sahen wie er in das Gebäude Oberhacken 12 ging.

Es war ein Bäckerhaus, in dem auch Bier ausgeschenkt wurde. Eine sogenannte Beckenwirtschaft. Hier durften nur in besonderen Ausnahmen auch Speisen angeboten werden.

Die beiden Freunde wendeten sich sofort derselben Wirtschaft zum - in der Erwartung, dort mehrere Gäste zu treffen, zwischen welchen sie Weltrichs Vater genauer betrachten könnten. Bei ihrem Eintreten fanden sie aber außer ihm nur noch zwei Gäste vor, und der Wirt, Bäckermeister Weith, setzte die beiden mit an denselben Tisch.

Weltrichs Vater, der den Freund seines Sohnes kannte, begann mit diesem ein Gespräch, welches sich um dessen Aufenthalt am Gymnasium in Bayreuth drehte. Schließlich sprach er davon, dass auch er einen Sohn habe, welcher Schreiber im Hauptzollamt in Bayreuth sei.

Schmerzhafte Trennung

Nachdem der Freund bestätigt hatte, dass er diesen kenne, forderte der Vater ihn auf, doch von ihm zu berichten. Die darauf folgende, nur allzu vorteilhafte Schilderung machte auf Michael Christoph Weltrich solchen Eindruck, dass er seine Rührung nicht mehr verbergen konnte und ausrief: "Ach, wenn ich ihn doch nur einmal sehen könnte!" Da rief der junge Weltrich: "Vater! Ich bin doch Ihr Sohn!", stand auf und fiel seinem Vater um den Hals. Eine herzzerreißende Szene.

Nun fand das Fragen und Erzählen kein Ende mehr. Auch die wenigen Gäste nahmen Anteil am Schicksal der beiden Weltrichs. Doch das Zusammensein währte nicht lange, denn schon am nächsten Tag musste der Sohn Kulmbach wieder verlassen, da er nur zwei Tage Urlaub genommen hatte.

Der Vater begleitete die beiden Freunde auf der Rückkehr nach Bayreuth bis Forstlahm, wo sie schweren Herzens Abschied voneinander nehmen mussten.

Mit 42 Jahren verstorben

Drei Jahre vergingen, ehe Vater und Sohn sich wiedersahen. 1799 unternahm Weltrich eine Reise in das Fichtelgebirge und besuchte bei dieser Gelegenheit seinen Vater in Kulmbach, den er seit drei Jahren nicht gesehen hatte. Dieser sah sehr krank aus und starb am 7. Juli 1800 im Alter von 42 Jahren.

So erlebte er nicht mehr, wie sein Sohn 1802 in Kulmbach zum Kammerreferendar und 1811 zum bayerischen Rentbeamten ernannt wurde.

Neben seinen in der jüngsten Entdecker-Tour aufgeführten Verdiensten war es auch sein Kampf für den Eisenbahnbau durch Kulmbach, die ihm 1843 die Ehrenbürgerwürde einbrachte. 62 Jahre nach seinem Tod im Jahr 1850 wurde ihm zu Ehren eine Straße nach ihm benannt.