Rätselhafter Autounfall in Oberfranken: Beamte der Polizei Kulmbach haben auf einer Streifenfahrt in der Nacht zum Sonntag (14.03.2021) ein verunfalltes Auto entdeckt. Das Fahrzeug lag, wie die Polizei mitteilte, auf dem Dach im Straßengraben entlang der Staatsstraße zwischen Kasendorf und Azendorf.

Neben dem Unfallwagen lag regungslos ein 22-Jähriger mit Wohnsitz im Kreis Bamberg, der vermeintliche Fahrer des Wagens. Die Polizisten riefen sofort den Rettungsdienst hinzu, die den jungen Mann mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus brachten. Dort wurde auch festgestellt, dass der 22-Jährige mit 1,2 Promille alkoholisiert war.

Zwei Schwerverletzte bei Unfall im Kreis Kulmbach: Frau sucht barfuß nach Hilfe

In der Nähe des Unfallortes hörten die Beamten zudem Hilfeschreie: Am Ortsrand von Kasendorf lief eine Frau barfuß und leicht bekleidet umher und schrie nach Hilfe. Wie sich herausstellte, war auch sie im verunfallten Auto gesessen und hatte sich ernste Verletzungen zugezogen. Ein weiterer Rettungswagen brachte die 18-Jährige zur Behandlung in eine Klinik.

Genauere Hintergründe zum Unfall zu erfragen, sei aber schwierig gewesen, sagte ein Polizeisprecher der dpa. Die beiden wohnten zwar in Franken, kämen aber aus Polen, es habe erhebliche Sprachbarrieren gegeben. Um herauszufinden, ob noch weitere Insassen am Unfall beteiligt waren und Hilfe benötigen, entschlossen sich die Beamten über die Verkehrspolizei Bamberg Ermittlungen zum Fahrzeughalter anzustellen.

Zur Überraschung der Kulmbacher Polizei war der Halter den Bamberger Kollegen bereits bekannt. Gegen 23.00 Uhr hatten Autobahnpolizisten den 32 Jahre alten Mann auf dem Standstreifen der A70 bei Scheßlitz aufgegriffen. Er war dort zu Fuß unterwegs, nachdem der Unfallfahrer und seine Beifahrerin ihn bei einer Pause einfach zurückgelassen hatten. Mit über zwei Promille hatte er am meisten Alkohol intus, weshalb es in der Theorie auch richtig war, dem 22-Jährigen das Steuer zu überlassen, so die Polizei - dieser hatte jedoch keinen Führerschein.

Neben einem Schaden von etwa 25.000 Euro am Auto, hatte der Unfall letztendlich zahlreiche Anzeigen zur Folge. Der 22-Jährige muss sich wegen Trunkenheit am Steuer, Fahren ohne Fahrerlaubnis und aufgrund der "Spritztour" gegen den Willen des Halters verantworten. Den 32-jährigen Halter erwartet ebenfalls ein Strafverfahren, da er die Fahrt ohne Führerschein zugelassen hatte.

Symbolbild: NEWS5 / Fricke (NEWS5)