Videospiele sind schon längst kein Randgruppenphänomen mehr, etliche Spiele verschlingen in ihrer Entwicklung inzwischen sogar Budgets, wie man sie von großen Hollywood-Produktionen kennt. High-End-Grafik, Effekte und ein episches Setting sind einerseits ein Muss - doch was wäre das Ganze ohne die passende Musik? Und hier kommt Robin Birner aus Kulmbach ins Spiel. Der 29-Jährige hat es nämlich geschafft, sein Hobby zum Beruf zu machen: Er ist Komponist für Videospielmusik.

Am Anfang stand die Leidenschaft eines Teenagers für Videospiele. "Am liebsten habe ich Aufbau- und Strategiespiele mit historischem Hintergrund gezockt, besonders faszinierte mich die Antike", erinnert sich Robin Birner. Dadurch habe er eine Affinität zu Latein entwickelt, habe sogar mit dem Gedanken gespielt, Lateinlehrer zu werden.

Der Wunsch wurde schließlich so stark, dass er vom Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium (MGF) ans Meranier-Gymnasium nach Lichtenfels wechselte, um in der Oberstufe einen Latein-Leistungskurs zu belegen. Nach der Oberstufe war es aber mit dem Lateinlehrerwunsch vorbei. "Stattdessen habe ich ein Wirtschaftsinformatikstudium in Bamberg begonnen, nachdem ich eine Ausbildung zum Informatikkaufmann absolviert hatte."

Und wie kam Robin Birner dann letztendlich zur Musik? "Ich besuchte als Kind die musikalische Früherziehung und begann ab der 5. Klasse mit Klavierunterricht, nachdem mir mein Musiklehrer Hubertus Baumann eine Sechs in einer Abfrage gegeben hatte."

Auch heute noch sei es einer der Charakterzüge von ihm, sich aus problematischen Situationen zu kämpfen. "Ich will immer beweisen, dass es geht." War Musiklehrer Hubertus Baumann damals noch der "Feind" des jungen Schülers, geht Birner heute im Hause Baumann ein und aus.

Über das Klavierspiel wurde Robin Birners Interesse an der Musik geweckt, aber Klavierspielen wurde ihm mit der Zeit langweilig. "Also begann ich, in der 10. Klasse Kirchenorgel zu lernen." Begonnen hat er bei Ingo Hahn, mit 18 machte er seine Ausbildung zum evangelischen Kirchenmusiker und spielt seit zwölf Jahren jeden Sonntag in der Kirche - abwechselnd in Mainleus und in Kulmbach/Blaich.

Mit dem Komponieren habe er schon als Teenager am Computer begonnen. "Ich habe Musik für Mods geschrieben", erklärt er. Mods, das sind kostenfreie Erweiterungen für bereits veröffentlichte Videospiele, meist von Hobbyentwicklern erstellt. Zu der Zeit lernte er seinen heutigen Geschäftspartner Yannick Süß aus Hersbruck über das Internet kennen. "Wir liebten die gleichen Spiele und begannen, gemeinsam Musik zu schreiben." Süß hat angewandte Musikwissenschaften studiert.

Eines Tages habe ein Publisher eine Spieleerweiterung, für die die beiden Schüler im Alter von 17 und 18 Jahren die Musik geschrieben hatten, gekauft. "Und so hatten wir über Nacht eine erste professionelle Referenz." Und einen Fuß in der Branchentür. 2012 gründeten sie offiziell ihre Firma "Audinity".

Das erste große bezahlte Projekt war die Musik zum Mittelalter-Spiel "Gilde 3", weitere Auftraggeber folgten. "Aber dass wir beide davon leben können, damit ging es erst 2017/18 los."

Man werde auch als Quereinsteiger ernst genommen, denn was in der Branche zähle seien zwei Dinge: "Wie gut ist die Musik? Und woran hast du schon gearbeitet?" Die haben unter anderem die Musik für die Spiele "Foundation" und "Crusader Kings 3", aber auch für andere Projekte wie die "Ravensburger Memory App" geliefert.

"Wenn man Musik für Videospiele komponieren will, sollte man auch Videospiele spielen", sagt Robin Birner. Es gebe natürlich Genre-Klischees, die man bedienen müsse, oft müsse die Musik zu einem Vorgänger passen, aber manchmal müsse man das Rad auch neu erfinden.

Die Bandbreite und Freiheit in der Videospielbranche reizt den Kulmbacher an seinem Beruf, die Musik ist für ihn vielseitiger als in der Filmbranche. Er habe jedoch nicht erwartet, wie wenig es in seinem Beruf letztendlich um die Musik gehe, wie viel Organisation gefragt sei.

"Wir komponieren zunächst klassisch am Klavier", erklärt der Komponist. Jedes Stück werde dann mit einem virtuellen Orchester vorproduziert. Der Kunde gibt sein Feedback und seine Freigabe, dann beginnt der Ausdruck auf Notenblätter für jedes einzelne Instrument. "Als nächstes buchen wir ein Orchester und spielen die Musik im Studio ein, dann wird editiert und gemischt", das sei der aufwendigste Teil.

Natürlich lernt man bei einem solch kreativen Job auch interessante Menschen kennen. "Ein Highlight hatten wir letztes Jahr, als Ingo Hampf, der musikalische Kopf von Subway to Sally, für uns eine Laute einspielte."

Für Robin Birner ist ein Traum in Erfüllung gegangen, als er für den Nachfolger eines Spiels, das er als 13-Jähriger gerne zockte, die Musik schreiben durfte. "Es ist einfach großartig, wenn deine Musik von 65 Musikern gespielt wird, oder wenn ein bekannter Youtuber das Spiel spielt und deine Musik als geil bezeichnet."

Ambitionen für Wettbewerbe und Preise hat Robin Birner derzeit nicht, ihm reicht es derzeit noch, auf der Chartliste für Soundtracks auf Platz 2 und 3 zu ranchieren. "Das ist cool."