Was ist das eigentlich für ein Mensch, der packende Thriller schreibt, die seine Leser an Gegenständen kauen lassen? Ein sympathischer Mensch mit großem Unterhaltungswert - zumindest im Fall Sebastian Fitzek. Der Bestsellerautor gastierte am Freitagabend auf Einladung der Buchhandlung Rupprecht in Kulmbach und stellte seinen neuen Roman "Der Insasse" vor. Wegen der noch anhaltenden Bauarbeiten in der Buchhandlung wich Geschäftsführerin Maria Rupprecht auf die neue Pausenhalle am MGF als Veranstaltungsort aus, wo die 300 Besucher bequem Platz fanden.

Doch zurück zum Autor: Sebastian Fitzek, ein Mann ohne Allüren, so scheint es, und mit einer Stimme, mit der er problemlos seine Hörbücher selbst einsprechen könnte. Der "Günther-Jauch-Verschnitt", wie er einmal bezeichnet wurde, präsentierte einen Abend der Gegensätze, brachte das Publikum zum Lachen und stürzte es kurz darauf mit Szenen aus seinem neuen Buch in beklemmendes Schweigen.

Fitzek blickt nicht auf die typische Autorenkarriere zurück, auch ein Erfolgskonzept kenne er nicht - außer einer sicheren Komponente: Glück. Er wollte nicht schon als Kind Schriftsteller werden, sondern lieber Tennisspieler oder Schlagzeuger, begann dann aber, Tiermedizin zu studieren, was er jedoch nach drei Monaten wieder aufgab. Dann habe er einige Zeit Jura studiert, was ihm heute sicherlich zugute kommt, aber "eigentlich bin ich ein ziemlicher Versager, ich habe nichts von dem erreicht, was ich mir vorgenommen habe". Allerdings hätten ihn Bücher schon von Kindesbeinen an begleitet.

Die Idee zu seinem ersten erfolgreichen Roman "Die Therapie" hatte er, als er seine damalige Freundin Gerlinde zum Arzt begleitete. Sie sei fast eine Stunde lang aus dem Behandlungszimmer nicht mehr heraus gekommen, und da stellte er sich die Frage: "Was wäre, wenn sie nie wieder hier heraus kommen würde." Sein Manuskript schickte er an 15 Verlage, 13 sagten ab, zwei meldeten sich gar nicht. Zu seiner ersten Lesung in Rostock kamen fünf Besucher, inklusive der Mitarbeiter der Buchhandlung. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, veröffentlichte er doch mit "Der Insasse" jetzt seinen 16. Thriller.

In dem neuen Roman will sich der Vater eines Jungen in den Hochsicherheitstrakt der Psychiatrie einschleusen lassen, denn darin sitzt der Täter, der für das Verschwinden seines Sohnes vor einem Jahr verantwortlich ist. Doch der Täter schweigt, und der Vater muss einfach Gewissheit haben. "In meinen Büchern spielen die Opfer eine zentrale Rolle", erklärte der dreifache Familienvater Fitzek. "Es interessiert mich, wie ganz normale Menschen auf Gewalt reagieren." Dabei ist er der Überzeugung, dass in jedem Menschen eine zerstörerische Ader steckt, das wahre Ich zeige sich in Fällen von Gewalt.

Selbst habe Sebastian Fitzek viele Ängste, "und ich habe eine Urangst, ich wurde als Kind durch die Sendung ,Aktenzeichen XY' traumatisiert." Nur weil er solche Ängste habe, könne er auch darüber schreiben."Wenn ich nicht auch negative Gefühle hätte, könnte ich sie nicht beschreiben." Natürlich sei da eine irrationale Angst, wenn das Licht im Keller aus ist, da gehe bei einem Sebastian Fitzek das Kopfkino los. "Ich steigere mich dann absichtlich in solche Gefühle hinein, um sie exakt wiedergeben zu können."

So lebt ein Thriller-Autor

Diese Welt des Nervenkitzels inszeniere er aber im Privaten nicht wie etwa ein Stephen King, sondern er lebe in einem ganz normalen Reihenendhaus, "das Grauen kann man von außen nicht sehen." Mit Blick auf einen Garten schreibt er in seinem Büro, und wenn er Entspannung braucht, dann liest er oder fährt Auto. "Doch am besten bekomme ich meinen Kopf frei, wenn ich mich mit meinen Kindern beschäftige."

Sebastian Fitzek zeigte sich am Freitagabend als Bestsellerautor mit viel Gespür und Geduld für seine Fans. Bis tief in die Nacht signierte er unzählige Bücher, stand für Fotos zur Verfügung und hatte für jeden ein nettes und persönliches Wort. Ein Mann der Kontraste eben, der in keine Schublade zu passen scheint.