Antonia Keller (16) hatte unumstritten das heißeste Kostüm der Nacht an: einen hautengen Deutschland-Catsuit in Schwarz-Rot-Gold. "Der kostet so 50 Euro", sagt sie. Die Besonderheit: Der Overall aus Polyester hat eine Gesichtshaube. "Man kann gut durchsehen, sogar durch den Anzug trinken", verrät sie und genießt es, die Blicke auf sich zu ziehen. Doch nicht nur Antonia hat sich Mühe gegeben. Die Fußball-Fans zeigten Flagge. Sie hatten weiße oder grüne Trikots an, viele hatten Blumenketten in den Deutschlandfarben, Hüte oder Fahnen dabei. und selbst die wenigen in Zivil trugen Deutschlandfähnchen im Gesicht oder sonstige schwarz-rot-goldene Accessoires.
Andi Forster (22) war mit einer Perücke ausgestattet, mit T-Shirt, Fahnen und hatte natürlich auch die Deutschland-Schminkstifte dabei. "Wir verlieren nicht", hielt er zu Beginn noch fest an einem Sieg der Deutschen. Und auch, als die Italiener das erste Tor schon im deutschen Kasten versenkt hatten, glaubte er noch an eine Wende.
Die Fans saßen fortan schweigend auf dem Marktplatz, verfolgten gebannt das Spiel. Wie unter Schock. Immerhin, als in der Nachspielzeit das "Ehrentor" durch den Handelfmeter von Mesut Özil fiel, keimte wieder Hoffnung auf. Sogar in der letzten Minute feuerten die Fans ihre Mannschaft noch an, hielten Schals in die Höhe, bliesen auf Vuvuzelas. Aber es war zu spät. Deutschland hat den Einzug ins Finale nicht geschafft, musste sich wieder einmal mit einer Niederlage gegen Italien abfinden.
Die Italiener indes, die mit den Deutschen auf dem Marktplatz feierten, ließen ihrer Freude freien Lauf. Einige schwenkten Fähnchen. Trotzdem leerte sich nach dem Spiel die Feierzone schnell. Denn den deutschen Fans und Partylustigen ist der Spaß am Fußball für diesen Abend gehörig vergangen. Jeder hatte sich mehr erhofft.