Die österreichische Herrscherin, auch Königin von Ungarn, Maria Theresia konnte sich nie damit abfinden, dass sie nach zwei verlorenen Kriegen (1. und 2. Schlesischer Krieg, 1740-1745) ihre reiche Provinz Schlesien an Friedrich II., den Großen, an Preußen abtreten musste.

In jahrelanger Geheimdiplomatie gelang es ihr, eine europäische antipreußische Koalition aufzubauen. Diese sollte 1757 Preußen militärisch auf die Größe des ehemaligen Kurfürstentums reduzieren. Durch den Einmarsch in das neutrale Sachsen kam Friedrich der Große 1756 der gegnerischen Koalition zuvor und festigte durch mehrere große gewonnene Schlachten (Lobositz,.Prag..) den Nimbus der Unbesiegbarkeit.

Als der österreichische Feldmarschall Daun das eingeschlossene Prag mit einer 54 000 Mann starken Armee entsetzen wollte, stellte sich Friedrich ihm am 18. Juni 1757 bei Kolin entgegen.
Im Vertrauen auf die eigene Schlagkraft und in Unkenntnis der gegnerischen Stärke befahl er seiner 34 000 Mann starken Armee gegen 13.30 Uhr den Angriff. Taktische Fehler, aber auch die erdrückende zahlenmäßige Überlegenheit der Österreicher führten zu einer der verlustreichsten Niederlagen der preußischen Armee, die 41,7 Prozent ihres Gesamtbestandes verlor.

Größte Verluste

Größte Verluste hatte auch das Infanterieregiment No. 3 von Kahlden, das mit zwei der drei (!) Bataillone im ersten Treffen an der Schlacht teilgenommen hat. In der Geschichte des Infanterie-Regiments von Anhalt-Bernburg wird unter dem 18. Juni 1757 erwähnt: "Nach der Schlacht machte das erste und zweyte Bataillon nur ein Bataillon aus".

Zu den Verletzten dieses Regiments gehörte auch der Musketier Ludwig Heyer aus Halle, dem Garnisonsort des Regiments. Die Grenadiere von No. 3 waren an der Schlacht nicht beteiligt. Da er aus Halle stammte, darf man annehmen, dass er ein Kantonist war, der ab 1740 regelmäßig seinen Militärdienst ableistete.

Er wurde in der Schlacht, vielleicht gehandikapt durch die Verletzung, gefangengenommen und starb neun Monate später an den erlittenen Blessuren im März 1758 an einem nicht näher bekannten Ort in Böhmen.

Diese Fakten kann man dem kürzlich aufgetauchten Totenschein entnehmen. Er wurde am 6. Oktober 1758 von Bastian Friedrich von Plotho im Lager bei "Dohne" (wohl Dohna im heutigen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) in Sachsen ausgestellt. Dort befand sich das dritte Bataillon seit dem 2. September.

Von Plotho war zu diesem Zeitpunkt kommissarischer Kommandeur. Er handelte wahrscheinlich in Vertretung des Regimentschefs von Kahlden, der mit dem Tode rang und zwei Wochen später den in Zorndorf (25. August 1758) erlittenen Verletzungen erliegen wird. Der Unterzeichner von Plotho sollte acht Tage später beim nächtlichen Überfall der Österreicher in Hochkirch den Tod finden.

Der Text des Totenscheins

Der Text des Totenscheins: "Demnach der Soldat von Königl. Preuß. des General-Major von Kahlden Regiment meiner unterhabenden Compagnie nahmens Ludwig Heyer gebürtig aus Halle, bey gedechten Regiment und Compagnie 17. Jahr gedienet, sich auch in seinen Kriegs Diensten, jederzeit als ein ehrliebender und tapfrer Soldat bewiesen, so ist selbiger endlich bey der d. 18t Juny 1757 vorgefallnen Collinischen Bataille blessiret, und gefangen worden auch in dieser Gefangenschafft an seiner gehabten Blessur in Martio 1758 in Böhmen gestorben und alda begraben. Dieser Todten Schein aber deßen nachgef. Weibe, Catharina Eliesabeth Heyerin zu ihrer Legitimation, unter meiner eigenhändigen Unterschrift u vorgedruckten Pettschafft ausgefertiget u eingehändiget worden. So geschehen Im Lager bey Dohne in Sachsen d. 6. Octobr. 1758.
Sn. Königl. Mayt. In Preußen
Bey deshl. Gen. Maj. v. Kahlden
Reg. Infanterie bestalter Major (rotes Siegel) Fr v. Plotho".

Das Dokument zeigt, dass Verletzungen durch Kampfhandlungen sowohl bei Mannschaften wie Offizieren nicht unweigerlich sofort zum Tod führen mussten.

Todesursache unklar

Des weiteren ist zu erfahren, dass blessierte Mannschaftsdienstgrade, und Ludwig Heyer war ein solcher; nicht unbedingt aufgrund der Verletzung aus der Gefangenschaft entlassen wurden. Es bleibt aber spekulativ, ob er einer plötzlich auftretenden Infektionskrankheit wie Typhus oder Fleckfieber zum Opfer gefallen ist.

Der Totenschein sanktionierte den Witwenstand der Catharina Elisabeth Heyer und war vielleicht die Basis für eine mögliche geringe finanzielle Versorgung.

Auf welchem Wege die Nachricht des Todes des Musketiers nach sieben Monaten in die Administration des Regiments bzw. Bataillons gelangt ist, bleibt unklar. Die menschliche Komponente kann man dem Totenschein nicht entnehmen. Es lässt sich nur erahnen, welcher psychischen Belastung die Ehefrau ausgesetzt war, über 15 Monate im Ungewissen über das Schicksal des eigenen Mann zu sein.