Für Susanne Schunter-Kleemann war die Reise von Bremen nach Thurnau die reinste Freude. Das Töpfermuseum würdigt ihren "Patenonkel" Günther Stüdemann in einer umfassenden Retrospektive. Am 13. Juni wäre der Künstler, der als Vater des Töpfermuseums gilt, 130 Jahre alt geworden.

"Eigentlich bin ich weder mit Luise noch mit Günther Stüdemann verwandt", verdeutlichte Susanne Schunter-Kleemann.

Dennoch hatte die ehemalige Professorin für Sozial- und Politikwissenschaften eine herzliche Beziehung zu dem Künstler. "Mein Vater Edgar Kleemann war in der Zeit seiner Juristenausbildung auf der Insel Neuwerk in Urlaub, dort hat er Lulu Mahnken, wie sie damals hieß, kennengelernt und sich in sie verliebt. Er hat sie fotografiert, hätte sie gerne geheiratet. Aber Lulu wollte nicht, sie wollte Günther Stüdemann", erzählte die "Patentochter".

"Aus der Liebe wurde nichts"

1943 heiratete Lulu ihren Günther. "Aus der Liebe wurde nichts, mein Vater hat 1939 meine Mutter geheiratet. Doch die Beziehung zwischen beiden Ehepaaren blieb und die Freundschaft wurde in den Kriegsjahren enger", so Susanne Schunter-Kleemann. Sie selbst verbrachte viele Urlaube in Thurnau. Und den jüngsten Bruder nahmen die Stüdemanns sogar für mehrere Monate bei sich auf.

Günther Stüdemann initiierte mit seiner Frau Luise das Töpfermuseum in Thurnau. "Er war es, der die Thurnauer Keramik in den Stand des Kunsthandwerkes erhob", schilderte Sandra Peters von der Marktverwaltung.

In der Ausstellung sind aber nicht nur Keramikarbeiten von Stüdemann zu sehen, sondern auch Holzschnitte, Lithographien, Malereien, Skizzen und Zeichnungen. Sogar Tondokumente von Stüdemann sind noch vorhanden.

Stüdemann, der in Berlin geboren wurde und die Kunstgewerbeschule in Hamburg und die Lewin-Funcke-Schule Berlin besuchte, war schon vor dem Ersten Weltkrieg ein anerkannter Künstler. Er präsentierte seine Werke als Nachwuchskünstler mit Pablo Picasso, Emil Nolde oder Paul Gauguin.

Erdbeben in Tokio

1923, so erzählte die "Patentochter", schickte Stüdemann Werke nach Tokio. 28 Gemälde gingen durch ein Erdbeben verloren. Im Laufe seines Lebens machte sich Stüdemann als Presse- und Verlagszeichner einen Namen. Und er liebte das Reisen. Aufenthalte in Vietri sul Mare in der Provinz Salerno unweit der heutigen Partnerstadt Positano oder in Barcelona erweiterten seinen Horizont. Fayence-Keramik wurde zu Stüdemanns Passion.

Mit Beginn des Spanischen Bürgerkriegs kehrte Stüdemann Spanien den Rücken und kam nach Thurnau. 1939 pachtete er die Töpferei Pittroff und nahm den ersten elektrischen Brennofen Thurnaus in seinen keramischen Werkstätten in Betrieb.

1981 gestorben

Stüdemann starb am 22. November 1981 in Kulmbach - im Alter von 91 Jahren. Er wurde mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Seine Werke sind in internationalen Museen und Ausstellungen zu sehen.

Bei der Retrospektive wollte die "Patentochter" auch an Stüdemanns Leben als Mentor erinnern. Denn er hat Gesellen und Nachwuchskünstler immer gefördert.

Bürgermeister Martin Bernreuther freute sich über die Vielfalt der Ausstellung, die all die verschiedenen Facetten des Künstlers Günther Stüdemann aufzeigt. Die Ausstellung ist die 65. Sonderschau des Thurnauer Töpfermuseums.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung ist bis 6. Januar 2021 im Töpfermuseum Thurnau zu sehen. Es ist von Dienstag bis Freitag, jeweils von 14 bis 17 Uhr, sowie an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet.