Eine Tiertragödie spielte sich am Morgen des Dreikönigstags in Kulmbach ab. Wie die Polizeiinspektion Kulmbach mitteilt, beobachtete ein Bewohner am Morgen einen freilaufender Hund, der in der Nähe eines Grundstücks am Weiherdamm ein Reh hetzte und anschließend riss.

Nachdem der Mann den Vorfall von seiner Wohnung aus beobachtet hatte, informierte er den verantwortlichen Jagdpächter Hans-Dieter Ernst. Dieser erstattete Anzeige. Der Wildschaden wird mit etwa 300 Euro angegeben.

Kulmbach: Nicht der erste Fall von Rehtötung

Da dem Zeugen der Name des verantwortlichen Hundehalters bekannt war, wurde gegen den 63-jährigen Kulmbacher ein Verfahren wegen eines Verstoßes nach dem Bayerischen Jagdgesetz eingeleitet. Der Jagdpächter gab außerdem an, dass in seinem Revier in der Vergangenheit mehrfach Rehe gerissen wurden. Ob hierfür der gleiche Hund verantwortlich war, müssen die weiteren Ermittlungen ergeben.

In der Nacht zum Feiertag war Schnee gefallen. Eine dünne weiße Schicht bedeckte die Wiesen. Nicht zuletzt wegen des Lockdowns war es ruhig in der Oberen Stadt, es waren kaum Menschen unterwegs. Plötzlich hörte ein Mann, der oberhalb des MGF-Gymnasiums wohnt, laute Schreie von einem Nachbargrundstück. "Ich schaute raus. Ich dachte zuerst, Katzen würden raufen. Aber dann habe ich einen Hund gesehen, wie er auf der Reuth immer wieder auf das Reh losging. Das Reh hat schrecklich geschrien", erzählt so der Zeuge, der anonym bleiben möchte. Intuitiv habe er versucht, den Hund zu verscheuchen. Er habe in die Hände geklatscht.

"Der Hund hat auch kurz aufgeschaut und hielt inne. Doch wenig später ging das Drama weiter", schildert der Anwohner. Er habe dann den Nachbarn informiert, auf dessen Reuth sich der Vorfall abspielte. Dieser haben den Jagdpächter Hans-Dieter Ernst verständigt. Als Hans-Dieter Ernst mit seinem Dackel Emmi eintraf, konnte er nichts mehr für das Tier tun. Das Reh war schon tot. Handgroße Fleischstücke waren aus dem Körper der Geiß herausgerissen.

"Es tut einem im Herzen weh"

"Es handelt sich um eine stattliche Rehgeiß, die Kitze geführt hat. Es war ein langer, schwerer Todeskampf, den sie erleiden musste", sagt Ernst. Innerhalb der letzten Monate habe er den Verlust von fünf Rehen verschmerzen müssen. Alle seien von wildernden Hunden gerissen worden. "Das nimmt Ausmaße an, die ich nicht mehr dulden kann. Ich sehe mich jetzt gezwungen, Anzeige zu erstatten." All seine Appelle Richtung Hundehalter hätten bislang nichts genutzt.

"Es tut einem im Herzen weh, wenn man so eine stolze Geiß nach Leuchau schaffen muss", so Ernst. Der Hund hatte bei einem anderen Anwohner schon einmal ein Huhn gerissen. Auf einem Foto ist der Vierbeiner in voller Größe zu erkennen.

"Das Schlimme ist, dass die Hunde ja das Wild nicht aus Hunger attackieren. Sie beißen nicht die Kehle durch und töten es schnell, sondern sie fressen das Reh regelrecht an. Bis die Tiere sterben, dauert es lange", sagt der Jagdpächter. Um ein Kavaliersdelikt handelt es sich übrigens nicht. Schon das "Beunruhigen der Jagd" kann geahndet werden. Hans-Dieter Ernst appelliert deshalb noch einmal an alle Hundebesitzer, ihre Tiere auf keinen Fall unbeaufsichtigt frei herumlaufen zu lassen.

In Hof haben Hirtenhunde einen Dackel tot gebissen.