Bürgermeister Dietmar Hofmann (SPD/Offene Liste) betonte, dass die Fortschreibung des Zieles Windenergie im Regionalplan Oberfranken-Ost der Marktgemeinde "die große Chance bietet, etwas Nachhaltiges und Sinnvolles zu tun". Ziel der Regionalplanung sei es, bei der Planung von Windrädern einen Wildwuchs oder eine "Verspargelung der Landschaft" zu vermeiden. Daher würden solche Anlagen in Vorrangflächen gebündelt.

"Wenn wir die Vorrangflächen ablehnen, wäre dies absolut kontraproduktiv. Dann kann sich nämlich theoretisch jeder, der auf Thurnauer Gemeindegebiet ein geeignetes Grundstück besitzt, einen Investor suchen und einen Bauantrag einreichen. Der Einfluss der Gemeinde würde spürbar mit nicht absehbaren Folgen und Entwicklungen schwinden", so Hofmann.
Der Gemeinderat habe sich in vielen öffentlichen Sitzungen mit dem Thema Windkraft befasst, es seien mehrere Informationsversammlungen gehalten worden, und auch in den Bürgerversammlungen sei die Windkraft Thema gewesen.

"Bei der Bürgerversammlung Ende Oktober wurde dazu keine kritische Frage gestellt. Heute beklagen sich Bürger, insbesondere aus Lochau, die Gemeinde oder ich als Bürgermeister hätten es versäumt, die Menschen zu informieren. Dieser Vorwurf ärgert mich maßlos und wird auch nicht wahrer, wenn man ihn zigmal wiederholt", wurde Hofmann deutlich. Es sei "schon fast eine Frechheit, zu behaupten, Mitglieder des Gemeinderats wüssten nicht, wo sich die Vorrangflächen befinden."

Mit solchen Vorwürfen, so Hofmann, würden "Fronten verhärtet, die bislang gar nicht bestanden haben", was sehr schade sei. Der Gemeinderat habe in der Januarsitzung lediglich die vorgeschlagenen Flächen bei Kleetzhöfe und Alladorf mit großer Mehrheit zustimmend zur Kenntnis genommen. Hinsichtlich der vorgeschlagenen veränderten Fläche bei Lochau habe das Gremium hingegen seine deutlichen Bedenken an den Regionalen Planungsverband weitergegeben. "Der in den vergangenen Tagen immer wieder geäußerte Vorwurf, der Thurnauer Gemeinderat habe die Fläche bei Thurnau einfach durchgewunken, ist Unsinn. Zu der Fläche gibt es noch erheblichen Beratungsbedarf", so der Bürgermeister.

Hans-Friedrich Hacker (CSU) betonte, dass sich der Gemeinderat nichts vorzuwerfen habe: "Wir lassen den Vorwurf, dass der Gemeinderat unfähig und blöd ist, nicht auf uns sitzen". Angesichts der Aufregung könnte man meinen, "in Thurnau wird ein Atomkraftwerk geplant", so Hacker. Hinsichtlich der Vorrangflächen in Kleetzhöfe und Alladorf gebe es "null Gegenwind". Wenn in Lochau ein Plan mit 14 eingezeichneten Windräder-Standorten in Umlauf gewesen sei, habe es sich dabei um eine Fehlinformation gehandelt, so Hacker.

"Dieser Plan war eine Skizze des Projektierers. Damit ist aber keinerlei Festlegung über Zahl oder Standorte von Windkraftanlagen getroffen. Verbindliche Aussagen hierzu können erst in der Bauleitplanung gemacht werden", erklärte Verwaltungsleiter Hans-Peter Ströbel.

Mit den Worten "Atomenergie nein, Zerspargelung der Landschaft nein, Ausweisung von Vorrangflächen ja" umschrieb Erwin Schneider die Haltung der Freien Wähler. Die Vorrangfläche bei Lochau müsse sicher weiter erörtert werden. Die Federführung habe hier jedoch die Gemeinde Eckersdorf, Thurnau könne sich nur anhängen.

Auch Adolf Häußinger sah für die Fraktion SPD/Offene Liste keinen Grund, über die gemeindliche Stellungnahme nochmals zu diskutieren.