Dieses Lob ging bei Thomas Meier runter wie Öl: "Herr Meier schmeißt den Laden so gekonnt, dass er mehr ist als ein Stellvertreter. Wir können uns keinen besseren Schulleiter wünschen", schwärmte die ehemalige Schülersprecherin Amelie Zipfel bei der diesjährigen Abiturfeier. Ihr Wunsch ging in Erfüllung: Aus dem einstigen Stellvertreter wurde der neue Direktor des Gymnasiums Burgkunstadt.

Vor dem 44-Jährigen, der in Marktzeuln wohnt und in seiner Freizeit gerne fotografiert, liegen einige Aufgaben. Nach den Querelen um seinen Vorgänger Werner Fischer gilt es für ihn, verloren gegangenes Vertrauen in die Schulleitung zurückzugewinnen. Der Trend hin zu Ganztagsschulen, der auch vor Gymnasien nicht halt macht, und die Sanierung der Schule sind Themen, die den Studiendirektor, der Latein und Französisch unterrichtet, beschäftigen werden - und die auch das Gespräch infranken bestimmten.

Auf die Querelen um Ihren Vorgänger möchte ich nicht mehr eingehen, das ist Vergangenheit. Dennoch sei folgende Frage erlaubt: Sie wurden Nachfolger eines Schulleiters, der seines Amtes enthoben wurde. Wäre es Ihnen nicht lieber gewesen, ohne diese ganzen Begleitumstände Schulleiter zu werden?
Thomas Meier: Zunächst muss ich Sie korrigieren: In den hiesigen Medien und auch in der Öffentlichkeit geistert die Behauptung herum, mein Vorgänger, der für die Schule Positives bewirkt hat, wäre seines Amtes enthoben worden. Das stimmt so nicht. Er befindet sich noch immer im Krankenstand. Auf Grund dieser Tatsache wurde ich zu seinem Nachfolger ernannt. Sicherlich wäre es schöner gewesen, wenn es die ganzen Begleitumstände nicht gegeben hätte. Jetzt gilt es, mit einem neuen Schulleiter neue Wege zu beschreiten und positiv in die Zukunft zu blicken.

Sie haben in dieser nicht immer einfachen Zeit viel Rückendeckung von Schülern, Eltern und Lehrern erhalten. Wie empfinden Sie das rückblickend?
Es hat mich sehr gefreut, dass ein so großer Zusammenhalt an der Schule sichtbar geworden ist, der auch heute noch besteht. Darüber hinaus ist es schön, zu sehen, dass die Arbeit, die man geleistet hat, dazu geführt hat, dass man nicht nur respektiert, sondern auch gemocht wird.

So genannte Hausberufungen sind eher die Ausnahme. Kam die Ernennung für Sie überraschend?
Nicht so ganz. Man hat bereits seit August, als Kultusminister Ludwig Spaenle in Lichtenfels zu Besuch war, darüber spekuliert, ob ich der Nachfolger von Werner Fischer werde. Dass ich es nun so kurz vor Weihnachten geworden bin, empfinde ich als eine vorgezogene Bescherung. Dass Hausberufungen selten vorkommen, in dieser Beobachtung kann ich Ihnen nur Recht geben. Im Regelfall kommen die neuen Direktoren von auswärtigen Schulen.

Die vergangenen 19 Monate führten Sie bereits kommissarisch das Gymnasium Burgkunstadt, davor waren sie seit 2009 Konrektor. Könnte sich das bei Ihrer Bewerbung um das höchste Amt in einer Schule positiv niedergeschlagen haben?
Mit Sicherheit. Ich kann die von mir während meiner Vertretungsphase begonnene Arbeit verantwortungsvoll fortführen. Das sorgt für Kontinuität und Stabilität im Schulalltag.

Wie wollen Sie an Ihrer Schule verloren gegangenes Vertrauen in die Schulleitung zurückgewinnen?
Ich möchte den Kurs der Vertrauenskonsolidierung, den ich bereits während meiner Vertretungsphase eingeschlagen habe, fortsetzen. Dabei liegt mir das Gespräch mit dem Lehrerkollegium, den Eltern und anderen mit der Schule assoziierten Institutionen am Herzen. Heute habe ich zum Beispiel Grundschulkollegen zum Erfahrungsaustausch eingeladen, damit der Übergang auf das Gymnasium nach der vierten Klasse reibungsloser verläuft. Um Entscheidungen transparent zu machen, ist es wichtig, einen regelmäßigen Meinungsaustausch mit Schülern, Eltern und Lehrern zu pflegen.

Nach welchen Grundsätzen leiten Sie Ihre Schule?
Ganz entscheidend ist für mich: Der einzelne Schüler, und nicht der Lehrstoff muss im Mittelpunkt des Unterrichts stehen. Man muss auf die jungen Menschen zugehen. Die Schüler, die an das Gymnasium gehen, sind unterschiedlich weit, was den Wissensstand und die Entwicklung ihres Charakters anbelangt. Das Gymnasium ist die einzige Schulart in Bayern, die die Jungen und Mädchen acht Jahre in ihrer Gesamtentwicklung begleitet.

Schule ist für Sie also mehr als reine Wissensvermittlung?
Korrekt. Schule hat auch viel mit Persönlichkeitsentwicklung zu tun. Wir geben den jungen Leuten, wie es neudeutsch so schön heißt, "Soft Skills" mit auf ihren weiteren Lebensweg. Dazu zählen die Teamfähigkeit, soziale Kompetenzen wie Toleranz und grundsätzliche Werte wie beispielsweise die Höflichkeit. Wir ermuntern unsere Schüler auch, sich für die Gesellschaft und andere zu engagieren. Wenn ich an unsere Theatergruppe oder die großen Erfolge im Badminton denke, dann ist das Gymnasium auch ein Kulturträger und sportliches Aushängeschild für die Stadt Burgkunstadt.

In immer mehr Familien sind, aus unterschiedlichen Gründen, beide Elternteile den ganzen Tag über berufstätig. Muss sich nicht auch ein Gymnasium diesen neuen gesellschaftlichen Herausforderungen stellen?
Es wird eine meiner Aufgaben in den nächsten Jahren sein, die bereits vorhandene Nachmittags- und Hausaufgabenbetreuung mit einem erweiterten Ganztagskonzept, entweder einer offenen oder gebundenen Ganztagsschule, zu verbessern. Derzeit betreuen Kollegen und pensionierte Lehrer von Montag bis Donnerstag, zwischen 13.30 und 15.15 Uhr, Kinder und Jugendliche am Nachmittag. Das ist ein freiwilliges Angebot, das den Charakter einer offenen Ganztagsschule hat, es offiziell aber nicht ist. Wäre das Ganze offiziell, könnten wir Zuschüsse abrufen und einen Sozialpädagogen für die Betreuung erhalten. Die Nachfrage nach einer Betreuung am Nachmittag nimmt zu.

Seit ein paar Jahren gibt es die Möglichkeit, nach der Mittleren Reife auf die Eingangsklasse eines Gymnasiums zu wechseln. Realschüler aus Burgkunstadt, die das Angebot nutzen wollen, müssen nach Kronach, Kulmbach oder Lichtenfels wechseln. Wäre es nicht sinnvoll, ein solches Angebot am Gymnasium in Burgkunstadt einzurichten?
Sicherlich. Wegen der räumlichen Nähe zur Realschule wären wir der ideale Standort. Allerdings hält sich die Nachfrage nach diesem Angebot derzeit in Grenzen, so dass ein Gymnasium im Landkreis ausreicht. Das ist momentan das Meranier-Gymnasium Lichtenfels.

Auch über den zweiten Bildungsweg kann man die allgemeine Hochschulreife erwerben. Zugleich steigen in immer mehr Berufen die Anforderungen, werden immer höhere Schulabschlüsse die Regel. Ist das Gymnasium vor diesem Hintergrund noch die Schule der Elite, die es einmal war, oder die Krone des deutschen Bildungssystems, wie Sie es einmal formulierten?
Richtig ist: Es gibt heute eine Vielzahl von Möglichkeiten, das Reifezeugnis zu erhalten. Allerdings ist das Abitur am Gymnasium noch immer das Original, weil hier in acht Jahren weitaus mehr vermittelt wird als das reine Abiturwissen. Sie ist für mich deshalb nach wie vor die Krone des bayerischen Bildungswesens. Von einer Schule für die Elite würde ich heute nicht mehr sprechen, weil das Gymnasium allen begabten Schülern offen steht.

Der Landkreis Lichtenfels möchte das in die Jahre gekommene Gymnasium sanieren. Wo sehen Sie in diesem Zusammenhang besonderen Handlungsbedarf?
Die Schule, die derzeit 650 Jungen und Mädchen besuchen, wird im nächsten Jahr 40 Jahre alt. Eine energetische Sanierung halte ich für dringend geboten. Auch die Dreifachturnhalle weist erhebliche Mängel auf. Ein neues Gesamtkonzept für die Raumverteilung wäre ebenfalls angebracht. Wir brauchen gleich große Klassenräume, in denen die Schüler nicht nur lernen, sondern auch Rückzugsräume zum Entspannen und Spielen finden. Technisch hingegen sind wir gut ausgestattet. Dass sich Landrat Christian Meißner einer Sanierung gegenüber so aufgeschlossen zeigt, finde ich toll.

Einen neuen Schulleiter hat die Schule gefunden. Was noch fehlt, ist der erste Stellvertreter. Dann gäbe es an ihrer Schule wieder ein Triumvirat. Ist man schon fündig geworden?
Nein. Derzeit läuft noch die Bewerbungsphase. Bis Ende des Jahres werden wir wieder zu dritt sein.

Wird es eine feierliche Amtseinführung geben?
Selbstverständlich. Sie ist für Januar oder Februar nächsten Jahres angedacht.