"Das gibt es nicht überall", kommentierte der Losauer das neueste Stück der Rugendorfer Theatergruppe mit dem Titel "M.S. Aphrodite - Fernsehstars am Limit", das am Samstag im Haus der Jugend eine umjubelte Premiere feierte.

Im Mittelpunkt stehen Dreharbeiten zur TV-Serie "Dahin schwimmende Liebe", und zwar zur letzten Folge, mit der sich Erfolgsregisseur Francois de Bedell (Franz Schnaubelt) und sein verzweifelter Assistent Ivo Kulitschka (Daniel Schmidt) herumschlagen müssen. Dass die Zuschauer live mitbekommen, wie so ein Drehtag wirklich abläuft, gibt dem Stück Pfiff.

Die schikanöse Mimose

Der im Fernsehen ansonsten charmant wirkende Show-Star Menno Mennerich (Matthias Keller) ist in Wahrheit eine schikanöse Mimose, die Volksmusik-Stars haben nur selten den Weg zu ihrer guten Laune unter Kontrolle und der Stern am Schlagerhimmel, Angelika Bunt (Silke Mertel), fühlt
sich mit ihren Liedertexten permanent missverstanden.

Der schlimmste aller Fälle lässt deshalb nicht lange auf sich warten: Der Hauptdarsteller fällt "stressbedingt" aus. Und das, obwohl mit ihm nur noch fünf Minuten zu drehen gewesen wären. Doch da hat der listige Regieassistent Ivo die Lösung: Mit einem Urlaubsgast, der frappierende Ähnlichkeit mit dem Star hat, wird kurzerhand ein Ersatz-Showstar gekürt. Es kommt zu Verwechslungen und Peinlichkeiten ohne Ende, und die Zuschauer kommen aus dem Lachen gar nicht mehr raus. Besonders köstlich: das "Warm up" des Regieassistenten mit den Besuchern. So fordert Ivo das Publikum auf, mit den Händen nach dem Himmel zu greifen - "zu den Sternen von Bürgermeister Weiß".

Inklusive Akzent

Die Rollen sind auch diesmal ideal besetzt. Angefangen von Matthias Keller, der mit seinem Talent dem Stück seinen Stempel aufdrückt, bis hin zur TV-Reporterin Anne-Rose Hohner. Der umtriebige Regieassistent Ivo Kulitschka wird von Daniel Schmidt im nicht leichten tschechischen Akzent geradezu auf die Bühne gezaubert.
Eine gute Wahl hat man auch mit dem Volksmusik-Duo "Michaela und Manuel" getroffen. Mit Andrea Schuberth und Manuel Rödel hätte die Besetzung nicht gegensätzlicher sein können. Mit Elena Krauß, Sabrina Nützel und Sandra Walter sind auch drei Neulinge im Ensemble, die ihre Rollen - trotz zum teil erheblicher Textpassage - bestens meistern.

Weiter mit dabei Manfred Gredlein als Schiffslotse und Tänzer, Ramona Löffler, die den Schlagerstar anhimmelt und als Tänzer Pascal Kromholz, Alexander Schmidt und Martin Hohner. Als Souffleuse fungiert Heike Krombholz, für die Technik sind Simon Weisath und Nils Keller verantwortlich.

Das Theaterspiel in Rugendorf steht und fällt mit einer Person - Matthias Keller. Er steht seit 1998 an der Spitze, nach einer längeren Pause begann man in Rugendorf erst wieder im Jahr 2007 mit Theateraufführungen. "Wir wurden oft gefragt, wann wir wieder Theater spielen. Man sieht es ja auch am vollen Haus. Bei der Premiere hatten wir das noch nie, auch die zweite Aufführung ist fast schon ausverkauft", erklärte Keller nach der Premiere. Für ihn ist keine schwierige Aufgabe, seine Laiendarsteller zusammenzuhalten: "Mittlerweile kommt von außen soviel Euphorie, dass wir ein großes Ensemble haben. Und das ist positiv. Es sind ja auch alles Rugendorfer."
Die Doppelaufgabe als Regisseur und Darsteller würde er manchmal gerne abgeben. "Das wird auch vielleicht im nächsten Jahr so sein. Bislang funktionierte das aber recht gut", betonte Keller, der ein Theaterstück mit 18 Personen sehr wohl als Herausforderung sieht.

Eine Herausforderung, die die Rugendorfer Laienschauspieler bestens gemeistert haben, wie der rauschende Beifall am Ende zeigte. Und das Lob von Bürgermeister Martin Weiß: "Unsere Rugendorfer sind immer gut, es sind einige Naturtalente unter den Schauspielern. Deshalb habe ich mir schon einiges erwartet. Aber diese Vorstellung hat alles übertroffen."