Das Oberstufentheater des Caspar-Vischer-Gymnasiums hat sich eines höchst aktuellen Stoffs angenommen. Mit "Yellow Line" von Juli Zeh und Charlotte Roos bringt das Ensemble ein hochmodernes Stück auf die Bühne. Am Dienstagabend war Premiere.


Leitlinie und Grenze


Sie ist allzeit präsent, diese gelbe Linie. Sie ist nicht nur Leitlinie im täglichen Leben, sie trennt Bereiche, sie dient als Barriere im menschlichen Gehirn. Eine Linie zu übertreten kostet Überwindung, bedeutet, die vorgegebene Ordnung zu stören, heißt eventuell, allein zu stehen.

Eine Linie zu übertreten kann aber auch Freiheit bedeuten, Kreativität und Individualität. "Individualität ist die Abweichung vom errechneten Durchschnitt", heißt es in dem Stück, wenn das Herdenmanagementsystem für den modernen Bauern angepriesen wird.
Hier werden die straffen Regeln eines All-inclusive-Urlaubs unter die Lupe genommen und ein vermeintlicher Flüchtling, der sich nichts sehnlicher wünscht, als in sein Heimatdorf zurückzukehren, wird nach allen Regeln der Kunst verhört und - natürlich - missverstanden.


Knallharte Botschaften


Was sich wie eine bunte Aneinanderreihung verschiedenster Ereignisse anhören mag, ist aber dennoch durch einen roten Faden, pardon, durch eine gelbe Linie, miteinander verbunden. "Yellow Line" ist ein Stück mit unglaublich dichtem Inhalt und knallharten Botschaften, versteht es aber dennoch, sein Publikum bestens zu unterhalten.

"Es ist ganz mutig, ein ganz neues Stück zu präsentieren", sagte Schulleiterin Ulrike Endres und betonte die Aktualität angesichts der Flüchtlingssituation. Auch die jungen Akteure waren mit der Stückauswahl äußerst zufrieden, "hatten sie sich doch explizit gewünscht, nach der gelungenen Komödie im vergangenen Jahr jetzt etwas mit Inhalt und einer wichtigen Botschaft zu spielen", sagte Kathrin Krebs, die mit Anja Braune Regie führte. Für Anja Braune war klar, dass sie einmal etwas ganz anderes spielen wollte, etwas modernes, neues. "Uns war bewusst, dass wir sehr abstrakt spielen müssen, aber das hatte auch einen großen Reiz."

Beeindruckt hatte sie an dem Theaterstück, dass es hierbei nicht nur um Flüchtlinge geht, sondern sämtliche Grenzen und Grenzüberschreitungen ins Visier genommen werden.


Viel über das Stück geredet


"Es ist ganz wunderbar, dass mein letztes Schauspiel an dieser Schule eine solch tolle Botschaft vermittelt", sagte Florian Heise aus der Q12, der auch etwas in Richtung Theaterwissenschaften studieren möchte. Ebenso wie sein Mitschüler Marc-Julian Humpert, der als Herdenmanager die Vorzüge des vollautomatisierten, "human" organisierten Kuhstalls propagiert. "Gut war, dass wir auch viel über das Stück geredet, das Thema aufgearbeitet haben", erzählte er.

"Yellow Line" - ein Stück über Menschen, eingeengt von den gelben Linien. "Bist du wirklich frei oder bestimmen längst andere für dich?", fragte eine Stimme aus dem Off und brachte viele Zuschauer zum Nachdenken. Doch dass die Akteure neben den wichtigen Botschaften auch viel Spaß bei den Proben hatten, bewiesen sie in einem kurzen "Making of"-Video, das sie am Schluss der Vorstellung einspielten. "Einfach grandios", blieb Schulleiterin Ulrike Endres letztendlich nur noch zu sagen.

Wer sich diese gelungene Aufführung nicht entgehen lassen möchte, hat heute um 19 Uhr noch einmal die Gelegenheit, der gelben Linie ins Forum des CVG zu folgen.