Urkundlich ist es nicht gesichert, wann die Pfarrkirche in Kulmbach errichtet wurde, doch schon 1174 erschien ein Priester Luitpold von Culminaha als Seelsorger der Siedlung, er könnte an der Petrikirche gewirkt haben.

Kleinerer Vorgängerbau

Die ersten Baumaßnahmen dürften viel früher stattgefunden haben. Bei Ausgrabungen im Inneren der Petrikirche im September 1972 stieß man auf Fundamente des Vorgängerbaus, die sowohl kleiner als auch im Vergleich zur heutigen Kirche noch deutlicher nach Osten ausgerichtet waren.

Der Bauzustand, wie wir ihn kennen, stammt aus der Zeit des aufstrebenden Bürgertums. Sicher haben nach der Zerstörung im Jahr 1553 (Konraditag) auch Kulmbacher Bürger ihren finanziellen Beitrag zum Wiederaufbau der Stadtpfarrkirche geleistet. Die äußere Gestalt des Kirchturms geht auf den Wiederaufbau nach den Zerstörungen des Hussitensturms Mitte des 15. Jahrhunderts zurück.

Symbole für den Glauben

Die Fenster in allen Geschossen sind eindeutig nachgotisch und trotz ihres Wechsels von Rund- und Spitzbogenformen einheitlich. Ihren Detailformen nach gehören sie dem 1568 durchgeführten Turmausbau nach dem Bundesständischen Krieg an.

Beim Bau der Petrikirche wurde darauf geachtet, dass sich der himmlische Glaube in Symbolen widerspiegelte. Eine wichtige Quelle der Symbolsprache an Kirchenbauten ist die Bibel. Verwendet wird gerne eine Zahlensymbolik.

Die Acht gilt als eine heilige Zahl

Auf dem Turm der Petrikirche befindet sich ein achteckiger Ausbau. Die Acht ist für Christen eine heilige Zahl, sie findet sich wieder in achteckigen Taufbecken, in den Kreuzrippen der Chorräume vieler gotischer Kirchen oder in den Kuppeln romanischer Gotteshäuser. Die Acht steht für den Tag nach der Vollendung der Schöpfung. Mit dem achten Tag beginnt eine neue Woche, eine neue Zeit, man kann also durchaus von einem Symbol des Neubeginns, der Wiedergeburt und der Auferstehung sprechen.

Traditionell befindet sich der Turm auf der dem Altar gegenüberliegenden Westseite. Seit dem 16. Jahrhundert wurde aber vor allem aus städtebaulichen Gründen von der Ost-West- Orientierung von Kirchen abgewichen.

Aus Sandstein gemeißelt

Zwei rundbogige Friese, die noch aus dem 15. Jahrhundert stammen dürften, umlaufen das Gemäuer des Kirchturms der Petrikirche. Im Friesenband der Westseite zur Oberen Stadt hin befinden sich drei aus Sandstein gemeißelte Löwen. Diese sind für den Betrachter des Turms schwer erkennbar, aber wie sagt man in Kulmbach: "Wenn mer's waas, sichd mer's scho."

Insgesamt erfährt der Löwe als Sinnbild ganz unterschiedliche Deutungen. Er kommt in der gotischen Bauplastik immer wieder vor und kann durchaus Zeuge der im Mittelalter herrschenden Mystik und des Aberglaubens sein, der selbst vor Gotteshäusern nicht Halt machte. Löwen gehören seit dem frühen Mittelalter zum festen Bestand von Sinnbildern furchtbarer Mächte. Sie gelten als Feinde des Menschen und werden mit dem Bösen identifiziert.

Zweifache Bedeutung

Im ersten Petrusbrief heißt es hierzu: "Seid nüchtern und wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann."

Aber der Löwe hat eben eine zweifache Bedeutung, er zeigt sich auch als Zeichen der Macht und Stärke. In der kirchlichen Symbolik erscheint er als Sinnbild der Treue und Beständigkeit und gilt als Zeichen der Dreieinigkeit.

In christlicher Tradition symbolisiert der Löwe Jesus. Viele christliche Organisationen benutzen den "Löwen Judas" als ihr Emblem. In der hebräischen Tradition symbolisiert "Juda" den mächtigsten unter den altisraelitischen Stämmen. Auch dem Evangelisten Markus wird der Löwe als Tier zugeordnet.

Zurückhaltung ist angebracht

Wir müssen aber bedenken: Mit dem Bau des Turms der Petrikirche sind wir schon im ausgehenden Mittelalter. In dieser Zeit wird bei den Baumeistern und Steinmetzen die Symbolträchtigkeit solcher Gestalten nicht mehr geschätzt. Tiergestalten sind in die Sphäre des Spielerischen und oft bloß Formalen abgesunken.

Deshalb sind unsere Deutungsversuche mit Zurückhaltung zu betrachten. Freuen wir uns über drei schöne Löwendarstellungen am Turm der Petrikirche - möge jeder Betrachter für sich seine eigene Symbolik finden.