Wenn dieser Tage jemand in der Gärtnerei Degen ein Blumengebinde bestellen will, muss er schon persönlich vorbei kommen. Oder die Handy-Nummer von Chef Heinrich Degen kennen. Denn wer die Nummer wählt, die im Telefonbuch steht, hört nur, dass diese "leider nicht verfügbar " sei.

"Das geht jetzt schon seit Montag vorletzter Woche so", sagt Heinrich Degen. "Wir sind praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Kunden und Einzelhändler können uns seit zwei Wochen nicht erreichen. Und das in der Hochsaison." Auch das Faxgerät geht nicht. Es liege eine Störung vor, die so schnell wie möglich behoben werde, so die Auskunft, die Degen von der Telekom erhalten hat. Wann das allerdings sein wird, das konnte Heinrich Degen niemand sagen. "Ich weiß gar nicht, wie oft ich da schon angerufen habe.
Jedes Mal ist ja ein anderer Mitarbeiter dran und man muss wieder alles von vorn erklären."

Immer wieder vertröstet

Auch E-Mails habe er schon geschrieben, vergeblich auf Rückrufe gewartet, sei immer wieder vertröstet und um Geduld gebeten worden. "Das kostet sehr viel Zeit und Nerven. Ich hab ja auch noch was anderes zu tun." Bereits vor der Störung der Leitung habe es jede Menge Probleme mit dem Anbieter gegeben. "Ich wollte nur den Tarif wechseln. Dann hieß es zuerst, der Auftrag sei nicht eingegangen, dann, die neuen Router seien nicht lieferbar, dann sollte ein Techniker kommen, der nie kam. Ich musste immer wieder nachfragen, damit überhaupt etwas passierte", so Degen.

"Wenn jemand bei mir Geranien bestellt, muss ich doch auch liefern und kann den Kunden nicht ewig warten lassen", macht er seinem Ärger Luft. "Das ist das reinste Chaos. Wir könnten es uns nicht leisten, so zu arbeiten wie die Telekom." Telefonate muss er jetzt übers Handy abwickeln. "Eine meiner Mitarbeiterinnen hat eine Flatrate und stellt ihr privates Handy zu Verfügung. Die wird dann natürlich auch abends nach Feierabend angerufen", erzählt er. "Und wenn jemand wegen einer Bestellung auf meinem Handy anruft, muss ich in den Laden laufen und das Handy der Floristin geben. Die muss es danach wieder zu mir zurück tragen. Das bedeutet jede Menge verplemperte Zeit." Nicht einmal die versprochene Rufumleitung von der Festnetz-Nummer aufs Mobiltelefon habe die Telekom eingerichtet.

Kein Einzelfall

Auch von anderen habe er schon von derartigen Problemen gehört. Sein Zahnarzt etwa, Dr. Karl-Georg Kaiser, ebenfalls Telekom-Kunde, hat seine Praxis in Wirsberg. Auch da fiel das Telefon im vergangenen Herbst aus - für ganze zehn Tage. "In einer Praxis geht's natürlich nicht ohne Telefon", so eine Mitarbeiterin. "Alle Anrufe mussten dann über das Handy vom Chef laufen - das gab eine Riesen-Rechnung."

Die Telekom antwortet auf die Anfrage der Rundschau, warum es so lange dauert, Heinrich Degens Telefon-Problem zu beheben, freundlich, aber unbestimmt. Der Fall sei grundsätzlich sehr bedauerlich, und man werde an einer möglichst schnellen Lösung arbeiten, sagt ein Mitarbeiter der Pressestelle. "Die Störung kann ganz verschiedene Gründe haben." Details müssten aber erst recherchiert werden. Das könne etwas dauern.