Bernd Michel (51) hat einen klaren Blick für das, was er tut und kann auch ganz gut einschätzen, wie sein Berufsstand von anderen gesehen wird. "Ich denke, dass Taxifahrer generell kein großes Ansehen genießen. Möglicherweise liegt das daran, dass unser Beruf ein bisschen so das Image des Aushilfsjobs hat." Mit einem Lächeln hebt er allerdings den Zeigefinger und fügt gleich hinzu: "In der Bierwoche ist das natürlich anders, da sind wir begehrt und geliebt!" Und doch musste er in den letzten Jahren feststellen: "Ich weiß nicht genau, woran es liegt, aber vor allen Dingen tagsüber sind unsere Fahrten in den letzten ein, zwei Jahren doch weniger geworden."

Und doch: Die Kulmbacher Bierwoche ist für ihn und seine Kollegen die stressigste, aber gleichzeitig auch lukrativste Zeit des Jahres. "Nach meiner ersten Bierwoche", erinnert sich Bernd Michel, "hatte ich mir geschworen, die zweite ganz sicher nicht mehr zu fahren.
Ich tat es dann aber doch." Mittlerweile sei aber viel Routine dabei. Und wenn man es schaffe, die manchmal doch schon ein bisschen angetrunkenen Fahrgäste mit der entsprechenden Gelassenheit und Lockerheit zu nehmen, dann mache das vieles einfacher.

Bernd Michel ist seit zwölf Jahren als Taxifahrer in Kulmbach unterwegs und gehört damit zu den dienstältesten Fahrern unter seinen Kollegen. Er fährt für Taxi Gräf mit einer von 32 Lizenzen, die vom Landratsamt Kulmbach aktuell für insgesamt elf Taxiunternehmen - teilweise als Einzelunternehmer - vergeben sind. Der 51-Jährige ist eigentlich gelernter Zimmermann und kam mehr durch Zufall zum Taxifahren. "Als es meiner Firma damals nicht mehr so gut ging und sie schließen musste, habe ich mir zunächst für den Winter eine Übergangslösung gesucht." Diese Übergangslösung dauert bis heute und man sieht und hört Bernd Michel an, dass er für sich das Richtige gefunden zu haben scheint.

Nachdem er den Taxischein erworben hatte, wurde er von seinem damaligen Seniorchef regelrecht ins kalte Wasser geschmissen. Er erinnert sich: "Mein Chef sagte nur ganz knapp zu mir: ‚Hier ist der Schlüssel, da ist ein Auto, stell dich einfach erst mal zum Bahnhof!' Das habe ich dann auch gemacht und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich an meinem ersten Tag wirklich gehofft habe, dass niemand bei mir einsteigt."


Viele Krankenfahrten

Er hat seine Jungfernfahrt dann aber dennoch mit Bravour gemeistert und sich mit einigen Tipps und Ratschlägen der anderen Taxifahrer schnell in seinem neuen Umfeld zurechtgefunden. Ein Umfeld, das aber weit mehr bedeutet, als den angekommenen Geschäftsreisenden vom Bahnhof zum Unternehmen zu bringen oder feuchtfröhliche Besucher der Bierwoche nach Hause zu fahren. Bernd Michel schätzt das Verhältnis auf 50 zu 50, was er täglich an Kranken- und Dialysetransporten einerseits und ganz normalen Fahrten von A nach B andererseits absolviert.Er sagt, das sei eine sehr gesunde Mischung, und natürlich bedeuten feste Buchungen wie zum Beispiel durch die Fahrten ins Krankenhaus für ihn auch planbaren Umsatz, der wiederum als Basis für sein monatliches Gehalt die wichtigste Richtgröße ist. Wie viele fest angestellte Taxifahrer, erhält Bernd Michel am Monatsende eine anteilige Provision vom Umsatz, den er eingefahren hat.

Neben seinem Verdienst ist ihm aber vor allen Dingen von Bedeutung, einen Beruf zu haben, der im Spaß macht, gerade auch wegen seiner persönlichen Art. "Ich bin nicht auf den Mund gefallen, und wenn Fahrgäste das Gespräch beginnen, ergibt sich da auch immer eine Unterhaltung. Ich würde aber nie von mir aus den ersten Schritt machen", sagt Bernd Michel. "Wenn jemand nicht reden und seine Ruhe haben will, dann ist das für mich völlig in Ordnung." Und die Spannweite von Fahrgästen, an die er mit einem Schmunzeln zurückdenkt bis hin zu jenen, bei denen selbst ein gestandenes Mannsbild wie er nach der Weiterfahrt erst einmal schlucken muss, ist groß.


"Manchmal ist es hart"

"Wenn man einmal genauer darüber nachdenkt", sagt der gebürtige Küpser, "ist man als Taxifahrer in gewisser Weise manchmal ein bisschen Psychologe auf vier Rädern." Gerade bei den Kranken- und Dialysefahrten, so Bernd Michel weiter, wo man die Patienten ja auch über einen längeren Zeitraum fahre, sehe man mit der Zeit immer wieder, wie sich zum Beispiel der Gesundheitszustand verändere. "Es ist dann nicht immer ganz einfach, im Gespräch die passenden Worte zu finden, Mut zuzusprechen oder aufzumuntern. Manchmal ist es wirklich hart!"